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Dortmund - Borussia Dortmund überrennt Borussia Mönchengladbach. Thomas Tuchel übertrumpft bei seinem Bundesliga-Debüt für den BVB prominente Vorgänger. Henrikh Mkhitaryan lässt seine schwache Saison vergessen und beeindruckt mit einer Zahl.

Thomas Tuchel zeigte sein ganzes Repertoire. Mal stieß der neue Trainer von Borussia Dortmund einen sekundenlangen Schrei aus. Dann machte er einen Ausfallschritt und ballte die Faust. Zwischendurch streute Tuchel noch Beifall ei.

So variantenreich und energiegeladen sich der Coach am Rand präsentierte, war auch das Spiel seiner Mannschaft gegen Borussia Mönchengladbach. Tuchel sah bei seinem Bundesliga-Debüt als Dortmunder Trainer Hochgeschwindigkeits-Fußball in Perfektion.

Bei konsequenter Chancenverwertung hätte sich der BVB dafür mit der Tabellenführung belohnt. So reichte es immerhin zu einem 4:0 (3:0) – dem höchsten Bundesliga-Sieg seit 15 Monaten.

Bestmarke für Thomas Tuchel

Tuchel hat mit seinem Stil die Dortmunder Fans im Eiltempo für sich erobert. Zuschauer auf der Südtribüne hielten Transparente mit seinem Namen in die Luft. Vor dem Stadion besangen Menschen in schwarzgelben Trikots den Neuen.

Der Gefeierte vergaß derweil nicht seinen Vorgänger Jürgen Klopp zu loben. "Wir können hier nicht gewinnen, wenn er nur Mist gemacht hätte. Das geht nur, wenn eine gewisse Vorarbeit geleistet wurde", sagte Tuchel.

Er selber stellte eine Bestmarke auf. Kein Coach gewann bei seiner Bundesliga-Premiere für den BVB deutlicher. Die späteren Meistertrainer Matthias Sammer und Klopp starteten mit knappen Siegen. Ottmar Hitzfeld nur mit einem Remis. Tuchel startete mit einer Lehrstunde.

Henrikh Mkhitaryan mit Doppelpack

Seine Spieler rannten den Gegner in Grund und Boden, zeigten herrliche Kombinationen. Eine schnelle Ballstafette vollendete Marco Reus zur Führung (15.). Auch die anderen Entertainer mit Raketenantrieb trafen vor der Pause: Pierre-Emerick Aubameyang (21.) und Henrikh Mkhitaryan (33.) sorgten mit ihren Toren früh für klare Verhältnisse.

Und das gegen einen Gegner, der in der Vorsaison 20 Punkte mehr als der BVB geholt hatte. Die Gladbacher Mannschaft stellte sich in der Defensive allerdings ungewohnt naiv an.

Tuchel wollte aber nicht über die gegnerischen Schwächen reden, sondern viel lieber über die Stärken seiner Spieler. "Es war eine große Freude meine Mannschaft mit so viel Lust, mit so viel Aufmerksamkeit und so mutig auf dem Platz zu sehen", sagte der BVB-Trainer im ZDF.

Noch nicht alles perfekt

Lustvoll, aufmerksam, mutig – diese Eigenschaften verkörpert Henrikh Mkhitaryan wie kein Zweiter. Der Armenier galt in der Sommerpause noch als Kandidat für einen Verkauf. Aktuell ist er Dortmunds Bester. Mkhitaryan traf auch zum Endstand (50.). Es war sein sechstes Tor im vierten Pflichtspiel unter Tuchel. In der kompletten Vorsaison kam Mkhitaryan nur auf vier Treffer.

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"Wir scheinen einen Draht zueinander zu haben. Ich freue mich wahnsinnig, dass ich ihn überzeugen konnte, hier zu bleiben", sagte Tuchel über sein Verhältnis zum Spieler mit der Nummer zehn. Mkhitaryan sprach hinterher selber von einem "wunderschönen Spiel".

Klingt, als sei beim BVB alles perfekt. Mitnichten. Tuchel sah auch bei der Galavorstellung Situationen, die ihm nicht gefielen. Als Mats Hummels ein paar Pirouetten mit dem Ball drehte, holte er sich einen Rüffel vom Coach an.

Mats Hummels warnt vor Euphorie

Der Kapitän selber warnte auch vor verfrühter Euphorie. "Wir wissen, dass es gut war. Aber auch, dass es so bleiben muss. Wir können uns nicht auf einem guten Spiel ausruhen", sagte Hummels. Er erinnerte an die Vorsaison. Auch da war der Start mit sechs Punkten aus drei Spielen ordentlich, am Ende überwinterte der BVB auf einem Abstiegsplatz.

Daran dachte auch Michael Zorc bei seiner Analyse. Dortmunds Sportdirektor schwärmte erst von der hohen Passquote seiner Mannschaft, bevor er auf die anstehenden Strapazen hinwies. Am Donnerstag spielt der BVB in Norwegen. Bei Odds BK steht das Playoff-Hinspiel zur Europa League auf dem Programm.

Sonntags muss Dortmund beim Aufsteiger FC Ingolstadt antreten. "Das", sagte Zorc, "wird ein schwereres Spiel als gegen Gladbach."

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