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SPORT1-Experte Fredi Bobic lobt in seiner Kolumne den Auftritt von Borussia Dortmund © SPORT1-Grafik/Getty Images

München - SPORT1-Experte Fredi Bobic glaubt, dass Dortmund dem FC Bayern diese Saison wieder ernsthaft Paroli bieten kann. Im Umgang mit Transfers ist der FCB Wolfsburg weit voraus.

Borussia Dortmund Tabellenführer. Wie lange hat sich die schwarz-gelbe Seele danach gesehnt. Und die Mannschaft ist es verdient, weil sie zwei richtig gute Spiele geboten hat mit einer Mannschaft, die eine gute Struktur und Ordnung hat.

Damit wurde ich also schon nach einer Woche mit meiner These vom letzten Montag widerlegt, dass es passieren könnte, dass der FC Bayern die Führung die gesamte Saison nicht abgibt. Aber trotz des Zwischen-"Tiefs" bleiben die Münchner natürlich der Mega-Favorit. Doch der BVB hat zwei Ausrufezeichen gesetzt und scheint wieder bereit, dem Branchenprimus ernsthaft Paroli zu bieten.

Ob das der VfL Wolfsburg auch schaffen wird, hängt stark von der Personalie Kevin De Bruyne ab. Und ich möchte seine Situation und die seines Vereins in dieser Thematik mal mit jener von Thomas Müller und dem FC Bayern vergleichen.

Auf der einen Seite lässt sich Klaus Allofs offenbar von den ständig neuen Meldungen von Manchester City, die De-Bruyne-Berater Patrick De Koster geschäftstüchtig lanciert und streut, fortwährend in Diskussionen hineinziehen und offenbar mehr als nur eine Hintertür für einen Wechsel offen - wenn denn die gebotene Summe eine schmerzstillende Höhe erreicht. Auf der anderen Seite gibt es weder in München noch im Müller-Umfeld eine Regung zu Louis van Gaals Werben und Lockrufen zu Manchester United.

Deshalb weiß Thomas Müller woran er ist und was er will, hat den Kopf frei und konnte somit zwei blitzsaubere Leistungen abliefern und schon drei Treffer erzielen, die zu zwei Siegen führten. Der Belgier hingegen zaudert auf dem Feld ähnlich wie in seiner Zukunftsentscheidung, und der VfL-Motor stottert erheblich. Ich kann Wolfsburg hier nicht verstehen. Ein Verein, der wirtschaftlich überhaupt keine Nöte hat, andererseits als Fußball GmbH keinen Aktionären Rechenschaft schuldig ist. Man könnte also sagen: Kevin bleibt, Ende der Diskussion.

Beim FC Bayern als AG haben die Großaktionäre schon ein gesteigertes Interesse, von einem bilanzwirksamen Angebot zu erfahren, obwohl auch das keine Pflicht wäre. Doch an der Isar hat man gesagt, dass kommen könne, was wolle. Müller bleibt beim Deutschen Meister. Und außer van Gaal ist jeder mit dieser Entscheidung glücklich. Auch von Müllers Berater gibt es hier keinerlei Nebelkerzen.

Wie abhängig eine Mannschaft von einem Spieler sein kann, zeigt auch der Saison-Fehlstart von Borussia Mönchengladbach. Hier fehlt der nach Wolfsburg gewechselte Max Kruse ganz offensichtlich, das in der letzten Saison so harmonische Spiel läuft überhaupt nicht rund. Der Verein ist aber in sich so gefestigt, dass hier die Wende schnell geschafft wird.

Oben scheint also das Duell Bayern gegen Dortmund wieder Renaissance zu feiern. Fast die gesamte Liga hatte nach dem Knaller-Start an diesem Wochenende den Fuß etwas auf der Bremse. Und ob nach zwei Spieltagen schon ein Trend im Tabellenkeller auszumachen ist? Dazu ist es sicher noch zu früh, wobei das Aufeinandertreffen der Traditionsklubs Hamburg und Stuttgart so viele Wünsche offen ließ, dass es an Realismus grenzt, wenn sich die Fans dieser Vereine bereits Sorgen zu machen beginnen.

Fredi Bobic gewann 1996 den EM-Titel mit der Nationalmannschaft, nachdem er in der Saison 1995/96 Bundesliga-Torschützenkönig geworden war. 1997 holte er mit dem VfB Stuttgart als Teil des "Magischen Dreiecks" den DFB-Pokal. 2006 wurde er  zum Abschluss seiner Spielerkarriere mit NK Rijeka kroatischer Pokalsieger. Internationale Erfahrung sammelte er auch als Spieler in England bei den Bolton Wanderers und als Geschäftsführer Sport und Marketing beim bulgarischen Klub Tschernomoretz Burgas. Von 2010 bis 2014 war der 43-Jährige beim VfB Stuttgart zunächst als Sportdirektor und ab 2013 als Vorstand Sport tätig. Darüber hinaus war Fredi Bobic bereits als Experte für SPORT1 bzw. das damalige DSF und den früheren Bundesliga-Sender LIGA total! aktiv.

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