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München - Der Supercup ist kein Zufall: Der VfL Wolfsburg hat inzwischen das Potenzial, einen weiteren Durchmarsch der Bayern zu verhindern. SPORT1 sagt warum.

Sie haben es also schon wieder getan.

Noch ein Sieg gegen den FC Bayern München. Noch ein Titel. Der VfL Wolfsburg hat den Rekordmeister per Elfmeterschießen im Supercup bezwungen.

Die gute Nachricht für Bayern ist: Das muss erstmal nichts heißen. Den Supercup haben sie auch in den vergangenen beiden Jahren verloren und sind trotzdem souverän Meister geworden.

Die schlechte Nachricht ist: Der Klub, der sie diesmal geschlagen hat, hat inzwischen durchaus das Zeug, einen weiteren Durchmarsch der Bayern zu verhindern.

SPORT1 nennt fünf Gründe dafür:

Augenhöhe im direkten Duell

Wolfsburg präsentierte sich den Bayern im Supercup als ebenbürtiger Gegner. Nicht nur das Ergebnis nach 90 Minuten war ausgeglichen, auch viele Statistiken.

Bei Torschüssen (14:13), Ecken (5:4) und Zweikämpfen (51 %) lag Wolfsburg sogar knapp vorn. Beim Ballbesitz dominierte Bayern mit 54 Prozent gegen die Wölfe auch nicht so klar wie gewohnt.

Entscheidend: Wie schon beim 4:1 vergangene Saison wirkte Wolfsburg präzise eingestellt auf die Stärken und Schwächen des Gegners. Und auch anpassungsfähig: Die neue Qualität der Bayern auf links mit Douglas Costa und den wieder fitten Thiago und David Alaba stellte die Wolfsburger zu Beginn vor Probleme, mit der Zeit aber fanden sie ihre Mittel, um die Seite abzudichten.

Der Sieg im Elfmeterschießen: natürlich auch Glückssache. Aber die Wölfe haben einmal mehr bewiesen, dass sie die Guardiola-Bayern in den direkten Duellen überwinden können.

Der Rundum-sorglos-Kader

Allofs und Hecking haben sich ein Team zusammengestellt, das kaum mehr qualitative Lücken hat.

Man blicke nur darauf, wen der VfL gegen Bayern einwechselte: Andre Schürrle, Max Kruse, Nicklas Bendtner. Robin Knoche, Marcel Schäfer, Christian Träsch saßen ebenfalls noch auf der Bank – allesamt Ex- oder angehende Nationalspieler.

Und dann wären da noch Luiz Gustavo, Aaron Hunt, Sebastiang Jung, die Perspektiv-Neuzugänge Carlos Ascues und Francisco Rodriguez.

Viele Transfers musste Allofs dabei vor der Saison gar nicht tätigen, es reichten gezielte Verstärkungen: Kruse erhöht die Flexibilität in der Offensive, Koen Casteels als neuer Ersatztorhüter das Niveau in der Breite. Ein Qualitätsschub ist zudem von diversen Neuzugängen der Vorsaison zu erwarten, die mehr können als das bisher Gezeigte: Hunt, Jung, Bendtner - Schürrle!

Gesundes Selbstbewusstsein

Augenhöhe auf dem Platz ist das eine, der Kampf mit Bayern ist aber auch immer einer außerhalb des Platzes.

Die Bayern sind neben allem anderen ja auch Rekordmeister in Sachen psychologischer Kriegsführung. Hecking und Allofs aber haben gezeigt, dass sie bereit sind, den Kampf anzunehmen.

Statt mit übertriebener De- oder unangebrachtem Übermut begegnet Hecking den Bayern mit gesundem Selbstbewusstsein ("nicht ewig hinterherlaufen", " Blut geleckt").

Und Allofs nimmt sich inzwischen auch mal heraus, den Bayern in den Medien eine mitzugeben - man denke an seine Kritik im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 Ende der vergangenen Saison. Das unterschwellige Signal, das mitgesandt wurde: Man traut sich in Wolfsburg jetzt was.

Das Kronjuwel Kevin De Bruyne

Kevin De Bruyne, Rekordvorbereiter der vergangenen Saison, machte im Supercup mit der Torvorlage für Bendtner dort weiter, wo er aufgehört hatte.

Allein schon die Tatsache, dass Deutschlands Fußballer des Jahres noch in Wolfsburg spielt, ist ein Signal der Stärke.

Es macht deutlich, dass der VfL einem Höchstkaräter wie De Bruyne - der einem Wechsel prinzipiell nicht abgeneigt ist - mittlerweile das Geld und die Perspektive bieten kann, sich eine Weile auf den Klub einzulassen. Und dabei auch den Bayern zu widerstehen, die der nationalen Konkurrenz ja gerne mal durch einen gezielten Wegkauf die Grenzen aufzeigen.

Wobei: Noch müssen aus den "99,9 Prozent", zu denen De Bruyne laut Allofs in Wolfsburg bleibt, ja noch 100 werden.

Ein Angriff mit Köpfchen

Was Bayern die größten Sorgen machen sollte: Der Angriff, den die Wolfsburger auf ihre Spitzenposition führen, wirkt in jeder Hinsicht wohldurchdacht.

Geschäftsführer Klaus Allofs hat in seinen bald drei Jahren beim VfL zahlreiche richtige Entscheidungen getroffen, an vorderster Stelle die Trainerwahl. Statt - wie es in Wolfsburg vorher üblich war - sich von einem großen Namen mit großen Erfolgen blenden zu lassen, wählte er Hecking, der mit seinen Aufgaben wuchs. Und an ihnen noch weiter wachsen kann.

Wolfsburg verfolgt seine Ziele mit Intelligenz und Vernunft, wie ein seriöser Mittelklasse-Klub. Nur eben einer, der die Ansprüche und das Geld hat, nicht Mittelklasse zu bleiben.

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