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Dortmund und Wuppertal - Die Fronten zwischen der Dortmunder Klubspitze und Kevin Großkreutz sind verhärtet. Tuchel beschwichtigt, die BVB-Fans demonstrieren ihre Verbundenheit mit dem Urgestein.

Heruntergebeugt stand Kevin Großkreutz zwischen zwei kleinen Fans. "Lächeln", rief der Vater mit der Handykamera in der Hand seinen beiden Söhnen und dem Spieler zu.

Doch dem Weltmeister von Borussia Dortmund wollte einfach kein Lächeln über die Lippen kommen. Der 27 Jahre alte Mittelfeldspieler scheint die Unzufriedenheit über seine Gesamtsituation derzeit nicht abschütteln zu können und vielmehr demonstrativ zur Schau zur Stellen.

Sein Trainer Thomas Tuchel setzte nach einem öffentlichen Schlagabtausch in dieser Woche am Samstag in Wuppertal auf Beschwichtigung. "Zwischen uns ist alles in Ordnung", sagte der BVB-Coach am Samstag nach dem 2:0-Testspielsieg gegen Real Betis Sevilla.

Keine Aussprache

Die Notwendigkeit einer Aussprache sieht der 41-Jährige daher nicht. "Das ist nicht nötig. Die Aussage war ja in keinster Weise gegen mich gerichtet", sagte Tuchel zu dem umstrittenen Großkreutz-Statement, in Dortmund habe seit Wochen keiner mehr mit ihm gesprochen.

Dass der Verein aktuell keine Vertragsgespräche mit Großkreutz führt, findet Tuchel legitim und "ganz normal, nachdem er vor vier Wochen noch gezweifelt hat, ob er überhaupt nochmal zurückkommt".

Fans stehen hinter Großkreutz

Eine Meinung, die nicht auf ungeteilte Zustimmung stößt. Es mehren sich Stimmen im Anhang, die eine klare Positionierung des Vereins gegenüber einem verdienten Borussen wie Großkreutz fordern.

Wie sehr die Fans hinter Großkreutz stehen, demonstrierten sie in Wuppertal. Vor dem Anpfiff feierten sie den Ur-Dortmunder schon beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung, danach auch bei seiner Einwechslung in der 46. Minute.

Vor dem Wiederanpfiff hatte Tuchel mit Dortmunds Nummer 19 intensiv gesprochen, Großkreutz Instruktionen fürs Spiel gegeben. In den 45 Minuten zeigte er gute Ansätze.

Doch Spritzigkeit, Ballgefühl, Wendigkeit – das alles ist noch nicht so vorhanden wie im Frühjahr 2014, als er sich in den WM-Kader von Bundestrainer Joachim Löw spielte.

"Viel zu trainieren und den Rückstand aufzuholen", das ist laut Tuchel die nach wie vor gültige Vereinbarung mit dem Nationalspieler.

Vertrag läuft noch bis 2016

Die Causa Großkreutz birgt trotz Tuchels beschwichtigender Worte noch viel Konfliktpotenzial. Der nimmermüde Kämpfer ist eine der Identifikationsfiguren für die Fans, die personifizierte "Echte Liebe".

Noch läuft sein Vertrag bis zum 30. Juni 2016. Der 1. FC Köln dementierte diese Woche unterdessen ein Interesse an dem Nationalspieler.

"Grundsätzlich gilt: Wenn jemand den Wunsch hat, sich zu verändern, gehe ich davon aus, dass er mich kontaktiert", hatte Sportdirektor Michael Zorc im Trainingslager in Bad Ragaz gegenüber SPORT1 gesagt. Das ist offenbar bislang nicht geschehen.

Wann Kevin Großkreutz wieder befreit Lachen kann, ist zurzeit nicht absehbar. Für den Moment ist er der Dortmunder Junge, der sein Lachen verlor.

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