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VfB-Sportdirektor Robin Dutt nennt den Poker um De Bruyne als Negativbeispiel und warnt vor dem Platzen der Blase. BVB-Kapitän Mats Hummels sieht einen Zwiespalt.

Sportdirektor Robin Dutt vom VfB Stuttgart hat mit Blick auf die andauernden Wechselspekulationen um Wolfsburg-Star Kevin De Bruyne die Geldgier im Profifußball kritisiert.

"Die Gier frisst langsam unseren Fußball auf. Unser Fußball entfernt sich mit diesen Summen, die nicht mehr enden wollen, ganz weit von dem, wofür wir ihn halten. Es wird kein Spiel mehr, dass auf Trainingsübungen und Taktik aufgebaut ist, sondern ein reines Manager-Spiel. Ich bin nur nicht sicher, ob das der Fußball ist, den wir alle mögen", sagte Dutt im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1.

Borussia Dortmunds Kapitän Mats Hummels teilt die Kommerz-Kritik von Robin Dutt am Profifußball dagegen nicht.

"Der Zwiespalt, guten Fußball sehen zu sollen und das Ganze auf diesem fußballromantischen Niveau der 80er und 90er Jahre zu halten, ist nicht umsetzbar", sagte Hummels nach dem 4:0-Sieg des BVB beim Aufsteiger FC Ingolstadt SPORT1.

Mainz-Manager Christian Heidel sieht die Situation nicht so dramatisch wie von Dutt umschrieben. "Ich finde das war schon immer so, wir reden jetzt nur über andere Summen. Wenn ein Spieler viel mehr verdienen kann und wechseln will, habe ich da Verständnis für ihn. Ich kann nicht feststellen, dass jetzt aufgrund dieser englischen Verhältnisse eine größere Gier bei Fußballern eingetreten ist", sagte Heidel nach dem Mainzer Sieg in Mönchengladbach.

"Eine Horde Menschen"

Über De Bruyne, der ein hochdotiertes Angebot von Manchester City haben soll, sagte Dutt: "Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass Kevin De Bruyne alleine entscheidet, was er macht. Um so einen jungen Menschen mit 24 ist inzwischen so eine Horde Menschen um diesen Bienentopf, der weiß gar nicht mehr, was er entscheidet."

Der VfB-Manager glaubt nicht, dass sich der Belgier wegen der sportlichen Perspektive für einen Wechsel nach England entscheiden würde: "Eins ist doch klar: Ich bin mir nicht sicher, ob er nicht mit Wolfsburg eine größere Chance hat, Titel zu gewinnen als mit ManCity. Die haben weiß Gott schon eine Milliarde da reingehängt und gewinnen immer noch nichts."

Dutt kritisierte die Transfer-Gewohnheiten in der Bundesliga: "Es ist bedenklich, weil jeder Verein hat inzwischen schon seinen eigenen De-Bruyne-Fall. Kaum ein halbes Jahr da, eine Hand voll gute Spiele gemacht, dann kommt ein Angebot und auf einmal wirst du als Verein unter Druck gesetzt. 'Du musst diesen Spieler gehen lassen, er kann irgendwo das Drei- oder Vierfache verdienen!'"

Warnung vor Platzen der Blase

Der 50-Jährige findet: "Was die verdienen in der Bundesliga - auch beim VfB Stuttgart - da kommst du locker über die Runden. Irgendwann muss das ein Ende haben!"

Dutt forderte eine Diskussion über Obergrenzen für Gehälter und Ablösesummen: "Wir haben in dem ganzen Fußball-Business so viele Leute, die sich Gedanken machen, wie wir noch mehr Gelder generieren. Vielleicht brauchen wir jetzt mal eine Diskussion, wie wir es schaffen, eine Obergrenze, sowohl bei den Transfersummen als auch bei den Gehältern setzen. Sonst platzt irgendwann die Blase."

Hummels steht der Diskussion pragmatisch entgegen.

"Wenn man sieht was in anderen Ländern für Geld eingenommen wird, wird man sich noch etwas mehr verkaufen müssen, um konkurrenzfähig zu sein. Sollten wir die Entwicklung verpassen, gehen alle ins Ausland irgendwann. Und dann werden wir so guten Fußball in der Bundesliga nicht mehr sehen", erklärte Hummels.

Ein "Aussterben" der Bundesliga befürchtet Heidel nicht: "Der Wohlfühleffekt spielt bei Fußballern eine große Rolle – ich habe keine Sorge, dass die Bundesliga aussterben wird und alle Spieler auf einmal nach England gehen. So viele Spieler können die nicht einsetzen."

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