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Ulreichs Patzer führte zum zwischenzeitlichen 1:1 der Bayern im Pokal gegen Nöttingen © dpa Picture-Alliance

München - Bei seinem Pflichtspieldebüt für den FC Bayern wirkt Sven Ulreich fahrig. Beim 3:1-Arbeitssieg im Pokal in Nöttingen führt sein Fehler zum Gegentor.

Was um alles in der Welt trieb Sven Ulreich dazu, nach 17 Jahren beim VfB Stuttgart zum FC Bayern zu wechseln, um dort die Nummer 2 hinter Manuel Neuer zu geben? Das fragten sich die meisten Kommentatoren und Fans, als der Wechsel des Torhüters bekannt gegeben wurde. Schließlich war Ulreich erst 26, andere Keeper starten in dem Alter erst richtig durch. "Rente mit 26" waren noch die freundlicheren Kommentare.

Nach dem mühsamen 3:1-Arbeitssieg der Bayern im Pokal beim Fünftligisten Nöttingen könnte sich die Frage aufdrängen: Wieso hat der FC Bayern ausgerechnet Ulreich geholt?

Ein Patzer, zwei Wackler

Vorm zwischenzeitlichen 1:1 patzte Ulreich. Erst klatschte er den Schuss von Niklas Hecht-Zirpel nach vorne ab, dann ließ er sich beim Nachschuss tunneln. Kann passieren, sah aber äußerst unglücklich aus. Später hatte er zweimal Glück, dass die Nöttinger seine Wackler nicht ausnutzten.

Insgesamt war es ein eher durchwachsenes Pflichtspieldebüt für den mittlerweile 27 Jahre alten Torhüter, der ein ums andere Mal fahrig wirkte.

"War nervös"

"Für den neuen Verein das erste Spiel zu machen, ist natürlich immer was Besonderes. Deswegen war ich auch etwas nervös", gab Ulreich zu, fügte aber hinzu: "Ich hatte ein, zwei gute Aktionen, aber andere hätte ich auch festhalten können. Im Großen und Ganzen war das aber okay."

Doch würde eine "okaye" Leistung reichen, wenn Ulreich bei einer Verletzung Neuers irgendwann sogar in der Champions League ran müsste?

Klar ist: Ulreich ist ein völlig anderer Torwarttyp als Neuer, im Gegensatz zum Weltmeister ist der Schwabe fußballerisch allenfalls Durschnitt, in Stuttgart ging regelmäßig ein sorgenvolles Raunen durchs Stadion, wenn der Ball von einem Verteidiger zurück zum Keeper gespielt wurde. Auch bei Abstößen hatte er beim VfB immer wieder gewisse Probleme, drosch diese oft ins Seitenaus. Ulreich ist, wenn man so will, der Anti-Neuer – und war auch bei seinem Heimatverein nie unumstritten.

Reina durfte im Pokal nicht ran

Ulreich begründete seinen Wechsel zu Bayern, dass er Titel gewinnen und im Training von Neuer lernen wolle.  "Ich bin überzeugt davon, dass mich die Zeit bei Bayern weiterbringen wird", sagte er.

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Pepe Reina durfte Ulreich nun schon in einem Pflichtspiel ran. Reina, nach nur einer Saison zum SSC Neapel zurückgekehrt, durfte auch wegen verschiedener Verletzungen nicht im Pokal spielen, kam erst in der Schlussphase der Saison zum Einsatz. Im Gegensatz zu Ulreich war Reina (32) aber bereits Welt- und Europameister, als er zu Bayern kam. Wenngleich er nur bei der EM 2008 ein mal zum Einsatz kam. 2010 und 2012 war er jeweils die Nummer 2 hinter Iker Casillas.

Ob Ulreich auch in den kommenden Pokalspielen zum Einsatz kommen wird, ist noch offen. Eine Absprache gibt es nicht, ein möglicher Einsatz der Nummer zwei hängt wohl auch vom Gegner ab.

Weidenfeller wäre zu haben gewesen

Auch Hans Jörg Butt konnte bereits auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken, als er 34-jährig nach München wechselte. Bei Bayern erlebte Butt sogar seinen dritten Frühling, wurde überraschend wieder Stammkeeper und fuhr als Keeper Nummer drei zur WM nach Südafrika.

Diesen Sommer entschieden sich die Bayern aber gegen einen international erfahrenen älteren Keeper wie zum Beispiel Dortmunds Roman Weidenfeller, der seinen Stammplatz nach SPORT1-Informationen an Roman Bürki verlieren wird, als Backup für Neuer. Stattdessen kam Ulreich. 

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Textes stand, Pepe Reina habe die Champions-League gewonnen. Das ist falsch. Der Spanier wechselte erst nach dem Champions-League-Finale 2005 nach Liverpool. 2007 verloren Reina und Liverpool das Finale gegen Milan mit 1:2. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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