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Sport Bild Award 2015
Der Papageien-Eklat: Kevin De Bruyne (r.) spricht Moderator Alexander Bommes nach © Getty Images

Wolfsburgs Mittelfeldstar Kevin De Bruyne macht in eigener Transfersache den sprechenden Vogel - eine Aktion in bester humoristischer Tradition. Hoffmanns Erzählungen

Fangen wir an dieser Stelle zur Abwechslung mal mit einem Witz an.

Kommt ein Mann, grenzen wir ihn und seine Lebensgeschichte zunächst nicht weiter ein, der Überraschungseffekt der Pointe, Sie verstehen, kommt also ein Mann zum Arzt.

Sagt der Arzt: "Ah, Sie sind also der Patient mit dem Papageien-Syndrom. Wie äußert sich denn das?"

Sagt der Mann: "Ah, Sie sind also der Patient mit dem Papageien-Syndrom. Wie äußert sich denn das?"

Tjaha, der Papagei. Was wäre die Geschichte des Humors ohne ihn und sein Talent menschliche Worte nachzusprechen?

Ich weiß, böse wissenschaftliche Zungen ordnen das Sprechen des Papageis als schlichte Verhaltensstörung ein. Aber denken Sie mal nach, was uns ohne diese Störung entgangen wäre.

Martin Hoffmann schreibt seit 2009 für SPORT1 die Kolumne "Hoffmanns Erzählungen"
Martin Hoffmann schreibt seit 2009 für SPORT1 die Kolumne "Hoffmanns Erzählungen" © SPORT1

All die gutbürgerlichen Sketche, in denen die hochintelligenten Vögel schweinische Dinge ausplaudern, die ihr Halter vermeintlich unbelauscht vor sich hingeplaudert hat.

Oder das klassische Szenario, in dem der Papagei ans Tageslicht bringt, was der achso brave Lieblingsneffe in Wahrheit über seine Erbtante Kunigunde denkt: nichts Gutes nämlich, dass kann ich beziehungsweise der Papagei Ihnen sagen.

Der so genannte Papageien-Eklat, der Kevin De Bruyne und dem VfL Wolfsburg diese Woche passiert ist: Er hat auf den ersten Blick nichts mit alldem zu tun.

Bei näherer Betrachtung aber offenbart sich: Er ist eine konsequente Weiterentwicklung des Papageien-Sketchs - mit dem VfL Wolfsburg als Erbtante und De Bruyne als Lieblingsneffe und Papagei in einer Doppelrolle.

Der Gag ist auch nicht ganz so simpel gestrickt, Papagei De Bruyne sagt ja eben nicht, dass seine Erbtante Kunigunde ihn mal kreuzweise könne und er die noch viel reichere Tante Agatha aus Manchester viel lieber hätte - trotz oder gerade wegen der teils dubiosen Quellen, aus denen sich ihr beträchtliches Vermögen speist.

Er bekennt sich ja stattdessen zu seiner Wolfsburger Tante Kunigunde, zumindest für ein Jahr. Was wiederum bei der für Unmut sorgt - nicht dass sie nicht genau das vom Papageienneffen gern hören würde, prinzipiell.

Nur dass sie sich im Moment eben in konstruktiven, aber schwierigen und ergebnisoffenen Gesprächen mit der noch reicheren Tante Agatha befindet und ein öffentliches Treuebekenntnis zu ihr alles jetzt wieder komplizierter macht, dazu besteht folglich nun gerade überhaupt kein Anlass und überhaupt...

Sie sehen: Der moderne Papageien-Sketch ist eine komplexe Angelegenheit und nicht auf den schnellen Schenkelklopfer aus.

Je länger man ihn allerdings auf sich wirken lässt, umso mehr bemerkt man, was für ein guter Witz das alles eigentlich ist.

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