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München - Darmstadts Marcel Heller erklärt vor dem Spiel gegen FC Bayern bei SPORT1 geistreich seine Sprintstärke und spricht über den Aufschwung der Lilien.

Von Johannes Fischer und Thorsten Siegmund

Wenn Marcel Heller durch die gegnerischen Hälften düst, verbreitet er nicht selten Angst und Schrecken. Bereits am ersten Spieltag schnürte der Offensivspieler von Darmstadt 98 mit dem Turboantritt einen Doppelpack gegen Hannover und war auch in den drei folgenden Partien wie ein Irrwisch unterwegs.

Unter der Woche liebt Heller ebenfalls die auffällige Tour: Vor allem wenn er wieder mit seinem Quad in der Darmstädter Innenstadt düst, sorgt er für Aufsehen. Womöglich bringt er so auch den FC Bayern (Sa., ab 15 Uhr im LIVETICKER und in unserem Sportradio SPORT1.fm) in Verlegenheit.

Schneller mit Heller

Die 34 km/h, die beim 29-Jährigen auf dem Fußballplatz als Höchstgeschwindigkeit gemessen wurden, wären im Stadtverkehr in einer 30er-Zone bereits zu viel. "Ich habe die Schnelligkeit in die Wiege gelegt bekommen und nicht extra dafür trainiert", sagt Heller über das Talent, seine kurzen Beine stakkatoartig auf den Boden zu bekommen. "Vielleicht", sagt er lachend, "liegt es daran, dass ich früher oft Klingelmännchen gespielt habe."

Seine Schnelligkeit verhalf dem früheren Frankfurter kürzlich sogar zu einer ganz besonderen Ehre. Die Darmstädter Punkband Dekubitus widmete ihm mit "Heller ist schneller" einen eigenen Song, der nun ganz offiziell zum Liedgut der Lilien gehört.

Dass die Zuschauer die neue Vereinshymne auch gegen den nächsten Gegner anstimmen werden, ist ausgemachte Sache. Denn nach dem Traumstart mit drei Unentschieden und dem ersten Sieg in Leverkusen gastiert nun mit dem FC Bayern München das größtmögliche Schwergewicht am Böllenfalltor.

Guardiola: "Ich habe sie spielen gesehen - wow!"

Und die Bayern nehmen die Darmstädter durchaus ernst.

"Ich habe sie spielen gesehen - wow!", sagte FCB-Coach Pep Guardiola am Freitag. "Die Darmstädter haben in Leverkusen gewonnen, bei einem Champions-League-Verein. Wir haben großen Respekt vor Darmstadt, das ist keine Mannschaft für die Zweite Liga."

"Wie ein kleines Weltwunder"

Hellers Augen leuchten beim Gedanken an die Bayern - vor allem wenn er die letzten Jahre Revue passieren lässt: "Was soll man anderes machen als sich zu kneifen? Zwei Aufstiege mit Darmstadt 98 zu schaffen, ist schon ein kleines Weltwunder."

Kampflos werden sich die Lilien auch gegen den schier übermächtigen Gegner nicht ergeben, so viel ist sicher. "Wir werden versuchen, den Bayern so lange wie möglich Paroli zu bieten", sagt Heller. "Wir werden Kampf, Wille, Leidenschaft reinpacken, volle Pulle dagegenhalten.  Wenn es  eine Niederlage wird, halb so schlimm. Wir sind Darmstadt, das ist Bayern. Da muss man keine Träne vergießen, wenn es so kommt."

Hier Darmstadt, dort Bayern - das ist in der Tat die größtmögliche Kluft zwischen zwei Vereinen aus der gleichen Liga. Auf etwa 15 Millionen Euro haben die Südhessen ihren Etat nach dem Aufstieg erhöht - was immerhin eine Steigerung von satten 200 Prozent gegenüber der vergangenen Spielzeit ist.

25 Mal Darmstadt = 1 Mal Bayern

Verglichen mit den Münchnern, die das Zehnfache zur Verfügung haben, sind die Lilien aber geradezu arme Schlucker. Bei den Marktwerten der beiden Kader beläuft sich die Divergenz sogar auf das 25-fache.

Während Darmstadt in den sozialen Medien noch recht unerkannt daherkommt, sind die Bayern national auch hier das Maß der Dinge: 110.000 Follower hat der Aufsteiger mittlerweile zu bieten - ein Bruchteil gegen die 32 Millionen des Rekordmeisters.

Doch im altehrwürdigen Böllenfalltor werden Thomas Müller und Co. die Millionen nicht helfen, egal ob Euro oder Follower. Der unbändige Kampfeswille der Schuster-Elf, den zuletzt Leverkusen zu spüren bekam, dürfte auch für die Münchner zu einer ganz besonderen Herausforderung werden. "Jeder wird das Spiel genießen, auch die Zuschauer", ist sich Heller sicher. Zumal er auch gegen die Bayern wieder den Turbo zünden wird.

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