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Bayern-Trainer Pep Guardiola
Pep Guardiola setzt sich für die katalanische Unabhängigkeitsbewegung ein © Getty Images

München - Der Tag des 70. Geburtstages von Franz Beckenbauer hat auch für Bayern-Trainer Pep Guardiola eine große Bedeutung. Der Katalane feiert eine Niederlage und scherzt.

Der 11. September ist in mehrfacher Hinsicht ein historischer Tag. Es ist nicht nur der Tag, an dem Franz Beckenbauer seine Geburt feiert, sondern auch der Nationalfeiertag der Katalanen.

Am 11. September 1714 kapitulierte das katalanische Barcelona vor den französischen und spanischen Truppen.

Das Ereignis beendete den Spanischen Erbfolgekrieg und die katalanische Selbstverwaltung. Das Land ging wenig später im zentralistischen Staat Spanien auf.

"Wein? Nein, heute feiern wir mit Champagner"

"Wir feiern heute unsere Niederlage", sagte Pep Guardiola am Freitag beim Pressegespräch vor dem Spiel des FC Bayern gegen den FC Augsburg. Bayerns Trainer ist zumindest in Deutschland bekanntlich der prominenteste Katalane, doch auch in seiner Heimat ist er das Gesicht der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung.  

Die Katalanen feiern ihren Nationalfeiertag, der seit 1980 in der Verfassung der autonomen Region verankert ist, mit großen Paraden auf den Straßen.

"In den letzten drei Jahren konnte ich nicht dabei sein, weil ich zuerst in New York und jetzt in München bin, aber zu Hause wird er groß gefeiert", sagte Guardiola.

Ob er sich vielleicht eine Flasche Wein aufmachen werde am Abend? "Flasche Wein? Nein, heute feiern wir mit Champagner", sagte Guardiola im Scherz.

Überhaupt wirkte der Coach bei seiner ersten Medienrunde beim FC Bayern ohne Kameras (die TV-Runde fand erst im Anschluss stand) etwas gelöster als sonst, ohne sich aber wie sein Vorvorgänger Louis van Gaal bei dieser Gelegenheit zum Spruchautomaten zu werden.

14 Sekunden Applaus für Katalonien

Bei Heimspielen des FC Barcelona wird traditionell 17 Minuten nach jedem Halbzeitbeginn für 14 Sekunden lang geklatscht, um den 1714 Gefallenen zu ehren und das katalanische Selbstverständnis als eigene Nation zu unterstreichen.

Auf seiner Website und den Social-Media-Kanälen erinnerte der Klub am Freitag an den Nationalfeiertag.

Wie stark das Selbstverständnis vieler Katalanen als Volk und wie tief die Sehnsucht auf eine eigene Nation ist, kann wohl nur verstehen, wer selbst Katalane ist oder länger dort gewohnt hat. 

Noch immer haben viele Katalanen die Verfolgung durch das Franco-Regime bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts nicht überwunden.

Guardiola: "Ich würde gerne wählen gehen"

Dass sich prominente Sportler wie Guardiola, Barca-Star Gerard Pique oder Ex-Barca-Spieler und –Trainer Johan Cruyff der Unabhängigkeitsbewegung angeschlossen haben und für katalanische Nationalmannschaften kämpfen, mag uns in Deutschland sehr speziell erscheinen, ist für sie aber eine Frage der Ehre.

Am 27. September finden in Katalonien die Regionalwahlen statt, nach neuesten Umfragen könnte die Einheitsliste der katalanischen Separatistenbewegung die Mehrheit bei der Wahl erlangen.

Guardiola, der sogar auf dem letzten Listenplatz kandidiert, wird aber nicht vor Ort sein, wenn die Separatisten womöglich einen historischen Sieg erringen werden.

"Ich würde gerne wählen gehen. Aber ich habe meinen Wohnort derzeit in München", sagte er.

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