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Gelsenkirchen - Schalke 04 pirscht sich still und leise auf Rang drei vor. Dabei kommt der aktuelle Lauf der Knappen unter Trainer André Breitenreiter eigentlich viel zu früh, doch das Team zeigt eine bisher unbekannte Qualität.

15 Jahre musste Schalke 04 auf dieses Hoch warten. Damals stand noch Huub Stevens an der Seitenlinie. Nun hat Andre Breitenreiter das Sagen - und der neue Trainer findet Gehör bei seinen Spielern.

Mit 13 Punkten aus den ersten sechs Spielen gelingt den Königsblauen der beste Saisonstart seit der Saison 2000/2001. Still und heimlich hat sich der S04 in der Tabelle nach vorne geschlichen und dabei auch den Vizemeister aus Wolfsburg überholt.

Der entthronte Erzrivale aus Dortmund als Tabellenzweiter liegt auch nur noch drei Punkte entfernt - Schalkes Lauf dauert an.

Geis betont das Glück

"Im Moment sind wir gut drin, gewinnen auch Spiele wie gegen Stuttgart, oder klären wie gegen Frankfurt auf der Linie - da haben wir auch das Quäntchen Glück", sagte S04-Sechser Johannes Geis.

"Wir brauchen auch ein bisschen Glück, um die Spiele zu gewinnen, denn wir sind nicht Bayern München, die im Spiel mal kurz anziehen können", so Geis zu SPORT1.

In der vergangenen Saison wären die gegnerischen Chancen vermutlich rein gegangen, bei denen nun der gegen Frankfurt überragende Torhüter Ralf Fährmann oder auch Joel Matip vor der Linie retteten.

Doch es ist nicht nur Glück allein, das die Königsblauen auf die Champions-League-Ränge katapultiert hat. SPORT1 nennt die Gründe für Schalkes Aufschwung.

Taktisch variabel

Breitenreiter setzt auf taktische Variabilität, wechselte gegen die Eintracht vom 4-4-2 auf ein 4-2-3-1-System mit dem agilen Max Meyer im Zentrum. Der in der Liga noch torlose Franco di Santo war erneut nur Joker.

Die Rotation mit den vier in die Startelf beorderten Kolasinac, Riether, Höger und Choupo-Moting funktionierte weitgehend.

Das sehr junge Team zeigt außerdem bereits Geduld und Reife, lässt sich von außen nicht so schnell beeinflussen - eine neue Qualität in der Veltins Arena.

Erneut agierte die Breitenreiter-Elf angriffsfreudig, auch wenn Mittelfeld und Sturm diese Angriffe nur selten gut zu Ende spielten.

Im Abschluss klappt noch längst nicht alles: Klass-Jan Huntelaar kam gegen die Eintracht auf keinen Torschuss, Leroy Sane nutzte dagegen eindrucksvoll seinen einzigen.

Breitenreiter total begeistert

"Ich bin total begeistert von meiner Mannschaft. Trotz der Mehrfachbelastung waren wir laufstark, zweikampfstark, griffig", sagte Breitenreiter fast euphorisch.

Mit Rang drei nach sechs Spieltagen hatten beim FC Schalke die wenigsten gerechnet, auch der Coach selbst nicht.

Der Neustart unter Breitenreiter war als Umbruch mit langem Anlauf - wie bei Sanes Solo - gedacht. Platz drei kommt daher für viele ebenso plötzlich wie unerwartet - Schalke ist seiner Zeit im Moment voraus.

Ecke Geis, Kopfball Matip, Tor

"Wir haben einen Plan, kämpfen und nutzen unsere Chancen eiskalt aus. So kommen wir in den Lauf, haben Selbstvertrauen und dann klappt auch das ein oder andere", sagt Geis.

So wie die Standards. Ecke von rechts durch Geis, Tor in der Mitte durch Matip - diese Kombination wurde gegen Mainz, Nikosia und jetzt auch Frankfurt erfolgreich praktiziert.

"Natürlich üben wir das im Training. Er weiß, wie ich den Ball schlage, da verständigen wir uns gut", sagt Geis. "Wenn es mal nicht so läuft, ist so eine Standard immer eine gute Waffe, um ein Spiel in unsere Richtung zu lenken", weiß der U-21-Nationalspieler.

"Der eine ist groß und kann köpfen, der andere kann die Bälle richtig platzieren - eine gute Kombination", sagte Heldt.

Matip soll Vertrag verlängern

Innenverteidiger Matip machte den nächsten Entwicklungsschritt und präsentiert sich zurzeit als souveräner Abwehrchef. Als Torjäger treibt er seinen Wert für die von Schalke gewünschte Vertragsverlängerung zusätzlich in die Höhe.

Ein weiterer Mosaikstein ist ein Ralf Fährmann in Bestform, der auch gegen Frankfurt die Null hielt. Selbst der Ausfall von Kapitän Benedikt Höwedes wird zurzeit geräuschlos kompensiert. Setzt der S04 am Samstag im Topspiel beim Hamburger SV  (ab 15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER)(seinen Aufschwung also fort?

"Das wird sehr schwer, in der vergangenen Saison haben wir in Hamburg nicht gut ausgesehen. Der HSV ist zudem im Moment sehr stark unterwegs", warnt Heldt.

Das erste Zwischenresultat kann sich jedenfalls sehen lassen: Saisonstart gelungen, Glück mitgenommen, Selbstvertrauen getankt - die Schleicher auf Schalke sammeln so weiter fleißig ihre Punkte.

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