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Gelsenkirchen - Am Samstag bestreitet Gerald Asamoah sein Abschiedsspiel. Im Interview mit SPORT1 spricht er über seine wilde Zeit beim FC Schalke 04 - und verrät Kabinen-Geheimnisse der DFB-Elf.

Gerald Asamoah tritt zu seiner letzten Schicht an: Am Samstag bestreitet der Publikumsliebling des FC Schalke 04 sein Abschiedsspiel (ab 18.20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) und trifft dabei auf langjährige Weggefährten.

"Es sind viele dabei, mit denen ich auf Schalke, in der Nationalmannschaft oder bei St. Pauli gespielt haben", erklärt der Vize-Weltmeister von 2002 bei SPORT1. "Ebbe Sand und Kevin Kuranyi sind etwa dabei, Manuel Neuer kommt auch noch."

Auch weitere ehemalige Teamkollegen wie Emile Mpenza, Lincoln, Hans Sarpei, Mike Büskens und Philipp Lahm haben ihr Kommen bereits angekündigt.

Vor seinem letzten Auftritt hat SPORT1 mit dem 43-maligen Nationalspieler über seine schönsten und schlimmsten Kabinen-Erlebnisse gesprochen.

SPORT1: Herr Asamoah, was wird denn so in der Kabine gesprochen?

Gerald Asamoah: Vieles. Auch Vieles, was man natürlich nicht verraten darf. Es ist witzig wenn ich heute mit den jungen Spielern in den Kabine bin. Wenn du da sitzt und zuhörst, ist es interessant zu hören, was sie so treiben und was sie für Vorstellungen haben. Dabei erinnere ich mich, wie ich in Hannover angefangen habe. Da haben wir auch viel Mist gemacht (lacht). Kabine ist halt Kabine. Da wird über Gott und die Welt gesprochen.

German Football Ambassador 2014
Gerald Asamoah (l., hier mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Steffi Jones) ist offizieller Fußball-Botschafter Deutschlands © Getty Images

SPORT1: Frauen und Fußball waren früher die Themen …

Asamoah: (lacht) Ja, unter anderem. Schlimm geworden ist das mittlerweile übrigens mit den Handys, wenn alle da sitzen und spielen oder Nachrichten schreiben. Es gibt Trainer, die verbieten das rigoros. Deswegen bist du dann quasi gezwungen, in der Kabine mit deinen Mitspielern zu reden. Das ist auch gut so. Es gehört dazu, dass man miteinander redet.

SPORT1: Was hatten Sie immer so alles im Spind: Glücksbringer? Fotos von Ihrer Familie?

Asamoah: Ach, wenn ich erzähle, was alles in meinem Spind war … Wenn du jahrelang auf Schalke spielst, ist das so, als wenn du jahrelang in einem Haus lebst, wo du alles sammelst und erst beim Umzug merkst: 'Was habe ich da alles für ein Zeug gesammelt?' Auf Schalke bekommst du von den Fans sehr viele Geschenke, die habe ich immer alle in meinen Schrank gepackt. Als ich dann zu St. Pauli gegangen bin, habe ich gedacht: 'Was ist denn hier los, was hast du da alles aufgehoben?'

SPORT1: Welche Traineransprache in der Kabine werden Sie nie vergessen?

Asamoah: (überlegt) Ansprachen, die ich nie vergessen werde, waren die von Rudi Assauer (Schalke-Manager von 1993 bis 2006, Anm. d. Red.), zum Beispiel wenn wir schlecht gespielt haben. Er kam öfters in die Kabine, um Hallo zu sagen, meistens sonntags mit seinem Hund. Wenn wir Auslaufen hatten, hat Charly Neumann (Schalkes langjähriger Teambetreuer, Anm. d. Red.) für uns Eier gemacht. Und wenn Assauer ein bisschen sauer war, dann kam er und hat uns richtig lang gemacht.

SPORT1: Und von Trainern?

Asamoah: Richtig gut war es 2006 beim Sommermärchen, wie Jürgen Klinsmann uns motiviert hat. Das werde ich nie vergessen. Ralf Rangnick hat sich auch immer neue Sachen einfallen lassen. Einmal haute er in der Kabine, bevor wir raus auf den Platz gingen, auf einen chinesischen Gong.

Schalke 04 - Annual Meeting 2012
2012 wird Asamoah in Schalkes "Ehrenkabine" aufgenommen und ist sichtlich gerührt © Getty Images

SPORT1: Was war Ihre turbulenteste Halbzeit?

Asamoah: Es gab schon mal Auseinandersetzungen untereinander. Aber das gehörte dazu. Wir sind dann wieder auf den Platz gegangen und haben das Spiel noch gewonnen. Frank Neubarth (Schalke-Trainer von 2002 bis 2003, Anm. d. Red.) ist mal in Hamburg ausgeflippt. Er war so sauer, dass er unseren Trikotkoffer hochheben und wegschmeißen wollte. Aber der Koffer war so schwer, dass er ihn nicht hochgekriegt hat. Obwohl wir schlecht gespielt hatten, mussten wir Spieler natürlich alle etwas schmunzeln.

SPORT1: Was war Ihre schönste Kabinenfeier?

Asamoah: Besonders schön war 2001 in Berlin mein erster DFB-Pokalsieg. Ich musste zur Dopingkontrolle und habe ein paar Bier getrunken. Als ich zurückkam, war die ganze Mannschaft weg. Da habe ich mit dem Zeugwart noch einige Bier genommen. Wir sind dann mit dem Taxi vom Olympiastadion zum Mannschaftshotel gefahren. Auf dem Weg dorthin bin ich auf dem Kudamm zwischendurch ausgestiegen, um mit den Schalke-Fans zu feiern.

DFB POKAL 00/01 - FINALE 2001 in Berlin
Asamoah feiert mit Tomasz Hajto (M.) und Christian Mikolajczak den Pokalsieg 2001 © Getty Images

SPORT1: Haben Sie noch mehr auf Lager?

Asamoah: Super war es auch bei der WM 2006. Wenn wir gewonnen hatten, habe ich als DJ Schlager laufen lassen, dann wurde kräftig mitgesungen. Das waren tolle Erlebnisse. Auch 2002 in Japan und Südkorea, da habe ich Videos gedreht, die ich noch zu Hause habe. (lacht) Nach den Siegen habe ich aufgenommen, wie alle kaum bekleidet herrumgelaufen sind und mit Bier gefeiert  haben. (lacht noch mehr)

SPORT1: Und wie war das 2006, als die Kanzlerin in die Kabine gekommen ist?

Asamoah: Das war einmal spontan, wo es hieß: Die Kanzlerin kommt, zieht euch was an! Sie war sehr locker, kannte uns auch mit Namen und hat ein bisschen mit uns gequatscht. Ich weiß noch, bei einem Termin in Berlin, da hatte ich vergessen, dass Angela Merkel zum Essen kommen sollte. Auf einmal hieß es: 'Asa, wo bleibst Du? Die Kanzlerin ist unten.' Und ich dachte nur: 'Oh, nein!' Als ich runterkam, stand sie da und ich konnte nur sagen: ,Oh, tut mir leid.' Das war so peinlich.

FC SCHALKE 04 - SpVgg UNTERHACHING 5:3
Der Schock der Beinahe-Meisterschaft ist Asamoah 2001 anzusehen © Getty Images

SPORT1: Was war Ihr traurigstes Kabinen-Erlebnis?

Asamoah: Die verpasste Meisterschaft 2001, das war schon sehr traurig. Ich kam mit einem breiten Grinsen und einer Bierflasche in der Hand nach oben und dachte, wir sind Meister. Dann kommst du in die Kabine und merkst, alle sind so ruhig und das andere Spiel (der Bayern beim HSV, Anm. d. Red.) läuft noch weiter. Als das Tor fiel waren in der Kabine erwachsene Leute  in Tränen aufgelöst. Da wusste ich schon, diesen Moment wirst du nie vergessen. Oder 2006 im Westfalenstadion nach dem verlorenen WM-Halbfinale gegen Italien. Nach Niederlagen ist es ja nie schön, in die Kabine zu kommen und zu sehen, wie down alle sind. Aber wenn man so eine Riesenchance hatte ins Finale zu kommen, ist es besonders bitter zu sehen, wie ruhig es in der Kabine ist.

SPORT1: Wird Ihnen ein bisschen bange, dass Sie jetzt das letzte Mal als Spieler in der Kabine sitzen?

Asamoah: Wenn man einen Beruf gerne ausübt und die Zeit kommt aufzuhören, ist natürlich Wehmut dabei und man weiß: Jetzt ist der Moment gekommen, an dem ich aufhören muss. Es ist nicht schön, aber ich verspüre auch Vorfreude auf das, was danach kommen wird. Es wird nicht einfach, das, was man jahrelang täglich gemacht hat, auf einmal aufzugeben. Aber ich denke, dass ich gut vorbereitet bin.

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