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Matthias Ginter gibt mit Borussia Dortmund wieder Vollgas
Matthias Ginter gibt mit Borussia Dortmund wieder Vollgas © Getty Images

Hannover - Borussia Dortmund legt den besten Bundesligastart der Geschichte hin. Ein Grund für den Erfolg sind die geheilten Sorgenkinder - wie Matthias Ginter.

Von Marcel Jarjour

Am Anfang war es nur eine Idee, erzählt Matthias Ginter, gelernter Innenverteidiger aus Dortmund. Trainer Thomas Tuchel kam auf ihn zu und erklärte ihm ganz beiläufig die taktischen Anforderungen an einen Rechtsverteidiger.

"Das war noch vor unserem ersten Pflichtspiel gegen Wolfsberg. Für mich war das kein Problem, auch wenn ich das vorher noch nicht gespielt hatte. Aber ich hatte jetzt ja etwas Zeit, mich darauf einzustellen", gab der Blondschopf nun nach dem Spiel in Hannover lächelnd zu Protokoll: "Es ist etwas total Neues und macht Riesenspaß."

Und so entwickelte sich aus einer Idee ein echter Plan. Beim 4:2 gegen die noch sieglosen Kicker von 96 agierte Ginter erneut auf der rechten Seite. Beim souveränen Erfolg gab er zwei Vorlagen, ist nun bester Assistgeber der Borussen und hat seinen Platz im Team des Tabellenführers weiter gefestigt. Als Rechtsverteidiger. Und nicht mehr im Zentrum, wie ursprünglich geplant. 

Viel Lob für den Nationalspieler

"Matthias fühlt sich da richtig wohl. Er löst seine Aufgaben dort mit großer Ruhe und Beharrlichkeit", lobte Trainer Tuchel seinen Schützling nach der Galavorstellung, die ihn endgültig auch auf den Zettel von Bundestrainer Joachim Löw gebracht haben dürfte. Als Rechtsverteidiger.

Von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gab es ebenfalls warme Worte. "Das ist schon eine coole Sache. Deswegen haben wir ihn im Sommer ja auch nicht verkauft, im Gegensatz zu vielen Journalisten haben wir ihn auch nicht als Fehleinkauf abgestempelt, sondern immer dran geglaubt, dass er genau der Spieler sein kann, der er jetzt für uns ist."

Der Weltmeister und Nationalspieler ist einer der Gewinner nach dem Ende der Jürgen-Klopp-Ära. Nachfolger Tuchel scheint die richtigen Worte zu finden - vor allem bei Spielern, die in der Vergangenheit zu den "Problemfällen" der Borussia gehörten.

Einer von dieser Sorte ist, neben Ginter, der im Sommer noch mit einem Wechsel in Richtung Mönchengladbach liebäugelte, bekanntlich Offensivmann Henrikh Mkhitaryan.

Zorc erklärt Gegentore

Doch bei aller Euphorie um den perfekten Start und der Tabellenführung: Ein Problem hat die Borussia. Den fast schon obligatorischen frühen Gegentreffer.

Sportdirektor Michael Zorc hat dafür eine Erklärung. "Viele Tore resultieren aus dem bekannten Gegenpressing", sagte Zorc beim Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 am Sonntag. Dieses Mittel hätten die Dortmunder über Jahre hinweg gespielt und die Gegner sich darauf eingerichtet.

Er hätte auch einfach sagen können, dass ihn die frühen Gegentore eigentlich nicht ärgern. Weil er sich sicher sein kann, dass seine Borussen derzeit treffen und treffen und treffen. 15 Tore nach vier Spielen in der Bundesliga dürften dafür Beweis genug sein. Mit dem bisherigen Verlauf unter dem neuen Trainer ist Zorc mehr als zufrieden.

Gegen Krasnodar Serie ausbauen

Das liegt auch an der hohen Qualität im Kader, die über den Sommer gehalten werden konnte - im Vergleich zu den Vorjahren, als es immer wieder einen Aderlass von Leistungsträgern gab.

"Uns ist es in diesem Jahr gelungen, dass uns kein absoluter Leistungsträger verlassen hat. In den Jahren zuvor hatten wir damit zu kämpfen, dass einer gegangen ist." Die Rekordserie will der BVB nun weiter ausbauen. Am besten schon am Donnerstag.

Dann wartet das Auftaktspiel in der Europa League beim russischen FK Krasnodar (Die UEFA Europa League ab sofort LIVE im TV auf SPORT1 und in unserem Sportradio SPORT1.fm).

Jedes Spiel habe seine Gefahren, sagt Ginter über die Partie. "Wir wollen in erster Linie unser Spiel durchdrücken und da weitermachen, wo wir zuletzt aufgehört haben." Zurücklehnen und genießen sei sowieso nicht drin. Erst recht nicht unter Tuchel.

"Es gibt keine Alternative zu harter Arbeit", unterstrich Ginter, der sich selbst bei diesem Satz ein leichtes Grinsen nicht verkneifen konnte.  

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