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Fredi Bobic kritisiert in seiner Kolumne Mats Hummels © SPOTR1-Grafik/Philipp Heinemann

SPORT1-Kolumnist Fredi Bobic sieht den BVB trotz Durchhänger auf dem richtigen Weg. Auch in die Schalker legt er große Hoffnung. Mats Hummels' Motzerei kritisiert er.

Hallo Fußball-Freunde,

Der britische Fußball gilt allgemein als der "ehrliche Fußball".

Dann bringt eine "englische Woche" auch knallharte Wahrheiten an den Tag. "Mentalität schlägt Qualität", der verbreitet so gefeierte Ausspruch des DarmstädtersPeter Niemeyer, zählt für mich nicht hinzu.

Denn nach sieben Spieltagen liest sich die Tabelle schon wie eine Qualitätsaufstellung: Bayern mal wieder vorne weg, Dortmund und Schalke in der Verfolgerrolle, Wolfsburg schon ein wenig hinten dran, dann ein breites Mittelfeld und ganz hinten Augsburg, Stuttgart und Hannover, in meinen Augen die bislang, in der Gesamtheit betrachtet, schwächsten Teams dieser Spielzeit.

Dem BVB wurde in der englischen Woche brutal aufgezeigt, dass die Qualität noch nicht wieder ganz so groß ist, wie von manchen vielleicht erhofft. Und dennoch sage ich, dass Thomas Tuchel auf dem richtigen Weg ist. Was bei allem Offensiv-Spektakel fehlt, ist ein Marco Reus in Topform. Bei ihm hakt es irgendwo. Die Gründe vermag ich als Außenstehender nicht einzuschätzen.

"Motzki" Hummels muss sich zügeln. Sicher ist es gut, wenn ein Führungsspieler auch einmal offen Kritik ausspricht. Aber gleich zwei Mal hintereinander und dann nach Spielen, in denen er auch wahrlich nicht frei von Fehlern war, das kommt bei den Kollegen weniger gut an. Harmonie war aber immer etwas, was die Borussia getragen hat. Deshalb muss Tuchel seinen Abwehr-Organisator wieder in die Spur bekommen.

Gegen PAOK Saloniki am Donnerstag sollte der Trainer vielleicht ein wenig rotieren. Einige Schwarz-Gelbe wirkten gestern zumindest gedanklich nicht mehr so ganz frisch. Und die Griechen scheinen nicht so stark, um eine echte Gefahr darzustellen. Natürlich muss man auf den alten Fuchs Berbatov achten. Aber ansonsten wartet da viel Mittelmaß auf die Dortmunder. Die größte Qualität steht auf den Rängen: Die Fans sind ebenso heißblütig wie jene aus Piräus, die der FC Bayern in der Champions League erlebte. 

(SPORT1 zeigt das Spiel am 1. Oktober ab 21.05 Uhr LIVE im TV im LIVESTREAM und begleitet die Partie Live im Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER.)

Auf dem BVB liegt eine ebenso große Hoffnung des deutschen Fußballs, wenn es um so wichtige Erfolge in der UEFA Euro League geht, wie auf dem FC Schalke 04. Hier hat Horst Heldt, dem in den vergangenen Jahren das Glück bei seinen Transfers nicht immer hold war, in diesem Sommer offensichtlich gute Arbeit geleistet. Der Königstransfer erfolgte dabei – wie beim Pott-Rivalen – auf dem Trainerposten. André Breitenreiter hat den Laden im Griff.

Ganz wichtig bei beiden Vereinen: die gelungene Neubesetzung der zentralen 6er-Position, wobei Johannes Geis bei Schalke nicht nur aufgrund seiner größeren Erfahrung gegenüber dem Dortmunder Julian Weigl aktuell die Nase vorne hat.

Am Ende der zweiten englischen Woche wartet dann auf Dortmund der Bundesliga-Hit schlechthin. Eins gegen Zwei zur Wiesnzeit. Da darf man ein Spektakel erwarten. Wobei ich als Ex-Stürmer natürlich insbesondere auf die beiden Tor-Monster schauen werde.

Fredi Bobic gewann 1996 den EM-Titel mit der Nationalmannschaft, nachdem er in der Saison 1995/96 Bundesliga-Torschützenkönig geworden war. 1997 holte er mit dem VfB Stuttgart als Teil des "Magischen Dreiecks" den DFB-Pokal. 2006 wurde er  zum Abschluss seiner Spielerkarriere mit NK Rijeka kroatischer Pokalsieger. Internationale Erfahrung sammelte er auch als Spieler in England bei den Bolton Wanderers und als Geschäftsführer Sport und Marketing beim bulgarischen Klub Tschernomoretz Burgas. Von 2010 bis 2014 war der 43-Jährige beim VfB Stuttgart zunächst als Sportdirektor und ab 2013 als Vorstand Sport tätig. Darüber hinaus war Fredi Bobic bereits als Experte für SPORT1 bzw. das damalige DSF und den früheren Bundesliga-Sender LIGA total! aktiv.

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