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Das Duell der Trainer: Thomas Tuchel gegen Pep Guardiola © SPORT1-Grafik/Philipp Heinemann

München - Bayern München gegen Borussia Dortmund ist auch das Duell zweier Taktikfreaks - Pep Guardiola und Thomas Tuchel. SPORT1 nimmt die beiden Trainer unter die Lupe.

Das Ganze wird irgendwann in die Geschichte eingehen als die Ballade der Salz- und Pfefferstreuer-Trainer. Anekdoten werden beginnen mit: "Weißt du noch, als sich Pep Guardiola und Thomas Tuchel damals im Schumann's getroffen haben und so angeregt über Taktik diskutierten, dass sie die Salz- und Pfefferstreuer wie Spieler auf dem Feld hin- und herschoben?"

Heute, vor dem Duell der Tuchel-Dortmunder bei den Guardiola-Bayern am Sonntag (17.30 Uhr, im LIVETICKER bei SPORT1.de und auf SPORT1.fm), wird das Treffen der beiden in der Münchner Bar während des Sabbatjahrs Tuchels als Beleg für ihre Ähnlichkeit verwendet. Brüder im Geiste seien sie, die beiden Taktikfreaks.

Und es stimmt schon: Sie eint die ewige Suche nach der perfekten Aufstellung und dem perfekten Spiel, wohlwissend, dass es dieses nie geben wird; sie zeichnet beide ihre taktische Flexibilität aus, solange ihre Mannschaften nur dominant und ballbesitzorientiert spielen; sie beschäftigen sich vielleicht ein bisschen mehr und ein bisschen radikaler mit Fußball als einige Kollegen.  

Aber bei allen Gemeinsamkeiten: Zwillinge sind sie nicht, austauschbar sowieso nicht. SPORT1 zeigt elf Dinge auf, die die beiden unterscheiden.

Ihre Sabbatjahre: Guardiola verbrachte sein Ruhejahr mit der Familie in New York. Thomas Tuchel die meiste Zeit in den Familienwohnungen in Mainz und München. Außerdem einige Urlaube in Italien und auf Sylt.

Die Mentoren: Guardiola wurde persönlich geprägt von der Ajax- und Barca-Legende Johan Cruyff. Den spanischen Trainer Juan Manuel Lillo, hier nur absoluten Fußballnerds ein Begriff, bewunderte Guardiola so sehr, dass er im Spätherbst seiner Karriere 2006 sogar nach Mexiko zog – Lillo trainerte damals den Klub Dorados de Sinaloa. Vor allem am Anfang seiner Trainerkarriere tauschte sich Guardiola außerdem oft mit den ganz Großen Taktik-Gurus des Weltfußballs aus: Als seine Vorbilder gelten der argentinische Fußball-Philosoph Cesar Luis Menotti, der Taktik-Verrückte Marcelo Bielsa, der italienisch-tschechische 4-3-3-Fetischist Zdenek Zeman und Arrigo Sacchi.

Tuchel wurde zu Beginn seiner Trainerkarriere vor allem von Ralf Rangnick gefördert. Der war einst bei Ulm sein Trainer gewesen und ermöglichte ihm später beim VfB Stuttgart den Einstieg als Jugendtrainer. Beim VfB lernte er auch seinen Mentor und väterlichen Freund kennen: Hermann Badstuber - der mittlerweile verstorbene Vater von Bayern-Profi Holger Badstuber.

Ihr Musikgeschmack: Guardiola steht auf die Musik der englischen Indikapelle Coldplay. Außerdem mag er katalanische Liedermacher, mit dem Chansonier Lluis Llach ist er eng befreundet. Tuchels Musikgeschmack ist vielschichtig, am meisten mag er jedoch deutschsprachigen HipHop mit anspruchsvolleren Texten. Also zum Beispiel Clueso, Blumentopf oder Max Herre.

Lieblingsmannschaften in der Kindheit: Für Guardiola zählte immer nur der FC Barcelona. Tuchel fiebert bei Weltmeisterschaften schon seit seiner Kindheit mit Uruguay und Argentinien mit. Wieso genau, weiß er heute auch nicht mehr.

Bildung: Nachdem Tuchel mit 24 Jahren verletzungsbedingt seine aktive Karriere beenden musste, schrieb er sich in Stuttgart in BWL ein - und beendete das Studium - obwohl "das Fach so gar nicht zu mir passte", wie er mal sagte. Guardiola brach sein Jurastudium nach zwei Semestern ab.

Verhalten an der Seitenlinie: Guardiola, so scheint es manchmal, würde seine Spieler von der Seitenlinie am liebsten fernsteuern. Er ruft ständig Kommandos rein, streitet sich manchmal sogar mit ihnen. Er hat außerdem Probleme, in der Coaching-Zone zu bleiben. Mit Schiedsrichtern legt er sich relativ selten an - und wenn, beruhigt er sie wieder. Tuchel ähnelt an der Seitenlinie sehr Jürgen Klopp: Ständig am Brüllen, ständig am Schimpfen. Dabei legt er sich vorzugsweise mit gegnerischen Trainern und den Vierten Offiziellen an. Im Gegensatz zu Guardiola flog Tuchel auch schon mal vom Platz und musste auf die Tribüne.

Ihre Titel: Guardiola gewann als Spieler sechsmal die spanische Meisterschaft, zweimal den Pokal, zweimal den UEFA-Cup und einmal den Landesmeister-Cup. 1992 gewann er mit Spanien außerdem Gold bei Olympia in Barcelona. Als Trainer holte er 14 Titel mit Barcelona, 2009 sogar das Sextupel aus Meisterschaft, Pokal, Champions-League, spanischer und europäischer Supercup und Klub-WM. Mit Bayern bisher: zwei Meisterschaften, ein Pokalsieg und die Klub-WM.

Tuchels größte Erfolge als Trainer waren der Gewinn der deutschen A-Junioren-Meisterschaften 2005 und 2009. Als Spieler wurde er 1996 mit Ulm Deutscher Amateurmeister und stieg 1998 in die Zweite Liga auf.

Alkoholkonsum: Tuchel trinkt keinen Alkohol. Nie. Guardiola bevorzugt auch lieber Wasser, verweigert sich aber weder gelegentlichem Wein-, noch Bierkonsum. Dieses Jahr war er schon dreimal auf der Wiesn, jedes Mal wurde er mit einer Maß in der Hand fotografiert. Wobei er lieber Bier aus kleineren Gläsern bevorzugt, wie er wissen ließ.

Ihr Essverhalten: Tuchel verzichtete während seines Sabbatjahres weitgehend auf Kohlehydrate aus Getreide, ernährt sich auch jetzt noch glutenfrei. Guardiola kann vor Spielen nichts essen, schlägt dafür nachher gnadenlos zu. "Er hat eine ganze Schüssel Kartoffelcremesuppe verschlungen. Danach einen Tomatensalat mit Mozzarella, ein halbes Dutzend Rostbratwürstchen mit Sauerkraut, Linguine mit Trüffeln, und gleich wird er ein saftiges Schweinefilet verspeisen", schreibt sein Biograph Marti Perarnau in seiner Biographie "Herr Guardiola" über ein Treffen mit dem Trainer.

Lange oder kurze Leine: Beide Trainer sind Disziplinfanatiker. Sie lassen ihre Spieler täglich wiegen, überwachen auch das Essen der Spieler. Wobei Guardiola weniger missionarisch vorgeht als Tuchel. Er ließ zwar das Kuchenbüffet vor Spielen abbauen und achtet penibelst darauf, dass seine Spieler spätestens eine Stunde nach den Spielen etwas gegessen haben, lässt ihnen ansonsten aber relativ freie Hand. Pasta ist okay, hin und wieder ein Schlückchen Alkohol auch. Tuchel verbannte beim BVB bei seinem Amtsantritt den italienischen Lieferservice vom Klubgelände, die Spieler bekommen nur noch Vollkorn-Produkte. Die Köche sind außerdem angehalten, zur Zubereitung der Speisen nur Öle mit hohem Anteil an Omega-3-Fettsäuren wie etwa Lein- oder Walnussöl zu verwenden. Olivenöl und Butter sind tabu.

Ihr Style: Wenn Tuchel unbedingt seinen Trainingsanzug ausziehen muss, mag er es leger: Jeans, Hemd, je nach Wetter noch eine Strickjacke. Frisur und Bartzustand scheinen ihm herzlich egal zu sein. Wenn ihm das Haar zu lang scheint, wird es halt geschnitten. Guardiola scheint seine Glatze täglich zu rasieren, bei der Bartlänge experimentiert er dagegen fröhlich herum. Sein Faible für enge Anzüge ist legendär. Am Trainingsgelände trägt er aber natürlich auch Trainingsanzug, zuletzt erschien er in einer grauen (aber unverbeulten) Jogginghose zur Medienrunde. Außerdem macht er seit Ende August sogar Werbung für Funktionsjacken. Der Katalane scheint auch modisch in Deutschland angekommen zu sein.

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