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München - Dortmunds Trainer Thomas Tuchel erkennt die Überlegenheit des FC Bayern an, will Pep Guadiola aber nicht kopieren. Vielmehr gelte es nun, eigene Wege zu gehen.

Von Johannes Fischer und Philipp Rother

Am Ende blieb Thomas Tuchel nur, die weiße Fahne zu hissen.

"Was soll ich sagen, Pep?", stellte der Dortmunder Cheftrainer seinem Nebenmann auf der Pressekonferenz die rhetorische Frage, nachdem er sich zur Dominanz der Bayern äußern sollte.

Ob sie denn überhaupt schlagbar seien? "Nein, natürlich nicht", gab dann doch Tuchel selbst die Antwort.

Auch einen Tag danach ließ ihn die 1:5-Packung des BVB in der Allianz Arena noch nicht los.

"Wir wurden von einer Mannschaft geschlagen, die noch besser ist als wir, die noch gefestigter ist als wir", sagte der 42-Jährige am Montagabend am Rande einer Talkrunde der Aspire Sport-Akademie in Berlin.

Tuchel will nicht kopieren

Dabei könne es aber nicht darum gehen,"irgendetwas nachzumachen", sondern seinen eigenen Weg zu entwickeln, betonte Tuchel. Ja, er konnte der hohen Niederlage sogar noch Positives abgewinnen. Die eingetretene "Phase der Ernüchterung" gelte es zu nutzen. "Das kann eine gute Plattform sein, um jetzt noch mal sehr konstant und sehr bewusst zu arbeiten, um mit einer guten Haltung und mit einer guten Aufmerksamkeit eine neue Phase einzuleiten."

Ein Grund, an Tuchels prinzipieller Eignung als "Taktikfuchs" zu zweifeln, besteht nicht.

Trotzdem gab es nach der Pleite bei den Bayern kritische Stimmen.

Für SPORT1-Kolumnist Fredi Bobic hatte sich der 42-Jährige im Duell gegen die übermächtigen Münchner schlicht verzockt: "Tuchel hatte seine Truppe vor allem defensiv überraschend aufgestellt. Da ging er hohes Risiko. So aber ist Tuchel. So hat er auch schon in Mainz manches Mal Gegner personell überrascht. Dieses Mal ging es schief. Doch der Mut ist es auch, der ihn zu einem großen Trainer macht."

SPORT1-Experte Stefan Schnoor monierte in der Telekom Spieltaganalyse auf SPORT1: "Tuchel hat völlig ohne Not die funktionierende Defensive auseinander gerissen. Er hat das bisher so erfolgreiche Duo Mats Hummels und Sokratis getrennt. Zudem hätte er Matthias Ginter auf der rechten Seite spielen lassen können."

"Vielleicht war es mein Fehler"

Neben Mut gehört offenbar auch Einsicht zu den Charaktereigenschaften des Dortmunder Trainers. "Vielleicht war es mein Fehler, aber es war meine Überzeugung", schilderte er seinen misslungenen Schachzug, die Bayern mit einer Mittelfeldraute zu begegnen und Marco Reus als Joker zu bringen.

Offensichtlich als Teil der Frustbewältigung pfiff Tuchel im Montagstraining einige der Akteure zusammen, die sich nicht auf Länderspielreise befanden. Er monierte mehrmals lautstark Unkonzentriertheiten und Schlampigkeiten bei einzelnen Spielern, kritisierte, gestikulierte. "Ihr seid noch am Schlafen", rief er beispielsweise Adrian Ramos und Adnan Januzaj zu.

Watzke hakt Niederlage ab

Einen Rüffel von oberster Stelle muss der Dortmunder Trainer dagegen nicht befürchten. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke verteidigte seinen Coach bei SPORT1 und stellte klar, dass man darauf schauen müsse, "dass der neue Trainer Thomas Tuchel und die Mannschaft sich finden". Zu diesem Prozess gehöre es auch, "mal einen mitzukriegen".

Der Trend, das kann auch Dortmunds Vereinsboss nicht entgangen sein, zeigt dennoch nach unten. Fünf Siegen zu Beginn der Saison folgten erst zwei Unentschieden und dann die mächtige Abfuhr bei den Bayern.

Zumindest sorgt die Länderspielpause dafür, dass Tuchel nun etwas mehr Zeit hat, seine Mannschaft auf die von ihm beschworene neue Phase einzuschwören.

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