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Frankfurt am Main - Ausgerechnet vor dem Heimspiel von Eintracht Frankfurt gegen den FC Bayern äußert Trainer Armin Veh grundsätzliche Zweifel an der Qualität und Mentalität seiner Mannschaft.

Die Suche läuft in Frankfurt auf verschiedenen Kanälen bereits fieberhaft. Gefahndet wird nach Glücksbringern, die Eintracht Frankfurt im Heimspiel gegen den FC Bayern (Fr., ab 20.30 Uhr LIVE bei SPORT1.fm und im LIVETICKER) vielleicht beistehen könnten. Als Armin Veh am Donnerstag darauf angesprochen wurde, dass er doch eine Glücksjacke habe, bemerkte er ironisch: "Dann ziehe ich ein paar von denen an."

Wird aber vermutlich auch nichts nützen. Auch wenn die Münchner mit ihrem Star-Ensemble erst am Spieltag anreisen und Pep Guardiola wohl einige Stars im Hinblick auf die Champions-League-Partie gegen den FC Arsenal schonen dürfte, ist sich Veh des aussichtslosen Unterfangens bewusst: "Das ist ein Gegner, bei dem alles stimmt. Die Bayern sind in einer Wahnsinnsform."

Veh stellt die Qualitätsfrage

Dagegen haben die Hessen mit dem Pokal-Aus am vergangenen Dienstag bei Erzgebirge Aue ihren Tiefpunkt erlebt. "Diese Niederlage kam zum dümmsten Zeitpunkt. Das war beschämend", hat Veh am Donnerstag auf der Pressekonferenz eingeräumt und die Einstellung angeprangert: "So schlecht kann ich gar nicht aufstellen, dass wir in Aue nicht gewinnen."

Ansonsten nutzte der gebürtige Augsburger den Pflichttermin, um das eigentliche Saisonziel zu kassieren. Zwölf Punkte als Tabellenzwölfter seien zwar "nicht wahnsinnig enttäuschend" und "kein Grund zur Weltuntergangsstimmung", aber "wir müssen darum kämpfen, drei Mannschaften hinter uns zu lassen", so der 54-Jährige beinahe beiläufig. Wie bitte?

Wie kann ein nach höheren Zielen strebender Mittelklasseverein, der einen stolzen Lizenzspieleretat von mittlerweile 38 Millionen Euro aufgestellt und eigentlich von der Europa League geträumt hat, sich auf einmal so klein machen? "Man muss die Realität sehen", erklärte Veh und erläuterte sodann, dass er von der Mannschaft "nicht Dinge verlangen kann, die sie nicht erfüllen kann." Und weiter: "Wir sind nicht stabil. Wir haben mehr Potenzial - aber wir zeigen es nicht. Es sind zu viele, die die Klasse, die sie haben, nicht rüberbringen."

Veh schließt Rücktritt aus

Aber ist in diesen Momenten nicht auch der Trainer gefragt, seinen Profis Beine zu machen? Längst wird getuschelt, wie es weitergehen würde, sollte es nach der zu erwartenden Niederlage gegen die unbezwingbaren Münchner auch am übernächsten Samstag bei der TSG Hoffenheim schiefgehen. Wirft der Fußballlehrer dann von selbst hin - ähnlich wie beim VfB Stuttgart?

Diese Variante hatte ja bereits Vehs Weggefährte aus aktiven Zeiten, Lothar Matthäus, in einer Sport-Bild-Kolumne ins Spiel gebracht. Die Demission bei den Schwaben passierte nach dem zwölften Spieltag am 24. November vergangenen Jahres. "Dann habe ich ja noch Zeit", meinte Veh scherzhaft, als er von SPORT1 auf eine Wiederholung des Szenarios angesprochen wurde. Die ernst gemeinte Antwort: "Das kann ich ausschließen."

Veh will alles dafür tun, mit Frankfurt wieder in die Spur zu kommen. Doch dafür braucht er Verbündete auf dem Spielfeld. Weit und breit ist beispielsweise kein Anführer zu entdecken. "Unsere Leute haben im Augenblick mit sich selbst zu kämpfen und müssen sich verbessern", hat Vorstandsboss Heribert Bruchhagen gefordert.

Ist die Mannschaft zu brav?

Akteure wie Marco Russ, Carlos Zambrano oder Alex Meier, dazu Haris Seferovic und den völlig außer Form geratenen Stefan Reinartz, erwähnte Veh namentlich, "aber nicht jeder kann über seinen Schatten springen." Überdies rede man zwar über erfahrene Spieler, "das sind aber immer noch junge Menschen zwischen 20 und 30."

Zweifel am grundsätzlichen Charakter seines Teams duldet er nicht. "Die Jungs sind alle total in Ordnung, alle anständig", sagte Veh, aber bei der Siegermentalität fehle etwas. Dass nun die schier unersättlichen Seriensieger des FC Bayern im Frankfurter Stadtwald gastieren, die genau jene Eigenschaft alle drei, vier Tage offenbaren, könnte für die Hessen auch etwas Gutes haben: sich nämlich mal das abschauen, was fehlt.

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