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München - Julian Weigl ist die Entdeckung der Saison. Der Bayern-Coach gerät ins Schwärmen und sieht den Dortmunder im DFB-Team. Der Rekordmeister hat ihn einst übersehen.

Von der Säbener Straße hinüber zum Grünwalder Stadion sind es nur etwas mehr als 1000 Meter. Luftlinie deutlich weniger. So gesehen müssten sie beim FC Bayern eigentlich alles mitbekommen, was beim Lokalrivalen 1860 München vonstatten geht. 

Eine der größten Entwicklungen bei den Löwen in den vergangenen Jahren scheint der Rekordmeister aber glatt verschlafen zu haben: den Aufstieg des Julian Weigl. 

Schaltstation mit Gündogan

Das 20-jährige Mittelfeldtalent hat auf dem Vereinsgelände der Sechziger in Untergiesing in fünf Jahren wahrscheinlich jeden Grashalm dreifach umgepflügt, es vom Jugendspieler zum Kapitän der Profimannschaft gebracht. Heute ist Weigl Stammspieler bei Borussia Dortmund. Ausgerechnet beim Münchner Erzrivalen.

Dort hat ihn Thomas Tuchel neben Ilkay Gündogan in die Schaltzentrale im defensiven Mittelfeld befördert. Was immer den Talentspähern des Rekordmeister den Blick auf Weigl vernebelt haben mag - es kann den Bayern-Verantwortlichen nicht gefallen. 

Am Freitag nun musste Pep Guardiola die Versäumnisse seines Klubs ausbaden. Ein Journalist fragte ihn unverhohlen, warum die Bayern bei Weigl nicht zugeschlagen haben, ob sie ihn womöglich übersehen haben. 

Guardiola versuchte sich zu verteidigen. "Ich bin Trainer bei Bayern München. Ich kann mich nicht um alle Spieler der anderen Vereine kümmern", sagte er mit entschuldigender Stimme.

Doch in dem Seufzer, den der Bayern-Trainers dabei ausstieß, schwang eine Brise des Bedauerns mit, dass Weigl nicht zu seinem Kader gehört. 

Guardiola schwärmt

Vom U21-Nationalspieler, daraus macht der Spanier keinen Hehl, ist er sichtlich angetan. Bei der Pressekonferenz am Freitag überschüttete Guardiola den Dortmunder mit Lob.

Wohlgemerkt: einen Spieler des kommenden Gegners. "Ich bin überrascht von seiner Qualität. Ich kannte ihn nicht", gestand der Bayern-Coach. "Er wird sicher in der Nationalmannschaft spielen."

Eine ähnliche Empfehlung hatte Guardiola in diesen Tagen bereits zu Joshua Kimmich abgegeben. Auch dieser gehört zu der Sorte Mittelfeldspieler, die technisch derart bewandert sind, dass sie das Spiel aus der Defensive an sich reißen und ankurbeln können.

Ähnliche Veranlagungen bescheinigt Guardiola auch dem Dortmunder Weigl: "Er hat alle Voraussetzungen, um auf dieser Position zu spielen. Er ist sehr wichtig für diese Mannschaft."

Mit etwas Verspätung hat man auch bei Bayern erkannt, welches Talent dort vor Jahren direkt vor der eigenen Haustür herangewachsen ist. 

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