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Trainer Pep Guardiola gibt Kingsley Coman Anweisungen © Getty Images

München - Gegen Frankfurt verändert der Bayern-Coach vermutlich wieder seine Startformation. Noch nie hat Guardiola in dieser Saison zweimal dieselbe Elf auflaufen lassen. Das Wechselspiel hat System.

Wer gleichzeitig bei drei Hochzeiten aufschlägt, hat unweigerlich einen vollen Terminkalender. Da unterscheidet sich der Fußball kaum vom normalen Leben. Der FC Bayern bekommt das derzeit in vollem Ausmaß zu spüren.

Ganze 70 Stunden liegen zwischen dem Abpfiff des DFB-Pokal-Spiels in Wolfsburg und dem Bundesliga-Anpfiff in Frankfurt. Davor waren es lediglich 75 zwischen dem Köln-Sieg und dem Auftritt bei den Wölfen. Und nach der Niederlage in der Champions League beim FC Arsenal hatte der Rekordmeister auch nur 89 Stunden Zeit sich von den Strapazen zu erholen, bevor es gegen die Geißböcke um Liga-Punkte ging. 

Ein straffes Programm, das selbst die beste Mannschaft der Welt nicht ohne schöpferische Pausen einzelner Spieler bewältigt. Pep Guardiola wird deshalb vermutlich auch in Frankfurt einige namhafte Akteure schonen und erneut seine Startelf umbauen. Doch sein Wechselspiel hat System.

SPORT1 erklärt Guardiolas Rotationsformel. 

1. Stars müssen auf die Bank

Nur Torhüter Manuel Neuer, David Alaba, Thomas Müller und Aturo Vidal kamen bislang in allen zehn Meisterschaftsspielen zum Einsatz. Neuer und Alaba verpassten dabei keine einzige der 900 Minuten.

Alle anderen Stammspieler haben schon mindestens einmal komplette 90 Minuten in der Liga ausgesetzt: Das Trio Lahm, Thiago und Lewandowski in Darmstadt, Xabi Alonso gegen Köln, Douglas Costa in Bremen. Jerome Boateng kam die Sperre gegen Leverkusen dazwischen. 

Guardiola stellt also auch regelmäßig Akteure auf, die nicht zu den Korsettstangen im Kader zählen. In Frankfurt könnte erneut ihre Stunde schlagen. Noch nie hat der Spanier in dieser Saison zwei Mal hintereinander mit derselben Startformation ein Ligaspiel bestritten.

2. Edelreservisten bekommen häufig Chancen

Sofern man im Starensemble des Rekordmeisters überhaupt von Reservisten sprechen darf, zählt Rafinha gewiss dazu. Was nicht heißen soll, dass der Brasilianer nicht auf seine Einsatzzeiten kommt. In den zehn Saisonspielen, in denen er immer zum Kader zählte, stand er immerhin 525 Minuten auf dem Platz.

Im Herbst 2015 erlebt der 30 Jahre alte Dauer(b)renner gefühlt seinen dritten Frühling. Vielleicht auch, weil Bayern heimlich um Ersatz auf seiner Position buhlt?

In der bisherigen Hinrunde jedenfalls gehörte Rafinha fünf Mal zur Anfangsformation - statistisch gesehen in jedem zweiten Spiel. Auch ein Beleg seines Stellenwertes. Damit kommt er auf denselben Wert wie ein Teamkollege, der von sich behauptet, in jeder Minute den Unterschied auszumachen. Die Rede ist von Nachverpflichtung Kingsley Coman. 

In sechs Partien, in denen der Franzose zur Verfügung stand, erlebte er den Anpfiff drei Mal auf dem Feld. Besonders in Auswärtspartien sind Rafinha und Coman heiße Kandidaten für die Startelf. Auch in Frankfurt.

3. Systemanpassungen

Denn: Wenn Bayern in der Fremde spielt, lässt Guardiola häufiger mit Viererkette spielen. 4-2-3-1 in Darmstadt, 4-1-4-1 in Mainz, dann wieder 4-2-3-1 in Bremen. Nur in Hoffenheim probierte es der Spanier mit einer Dreierkette. Diese Pläne waren jedoch schnell Makulatur, weil sich Benatia früh verletzte und Boateng vom Platz flog. 

Die vom Bayern-Coach eigentlich favorisierte Formation, mit denen er etwa gegen Dortmund und Wolfsburg (in der zweiten Halbzeit) furiose Siege einfuhr, kommt bislang nur in Heimspielen so richtig zur Anwendung. Eine Dreierkette in der Abwehr und zwei klassische Flügelstürmer. Gegen die Niedersachsen hat diese taktische Ausrichtung Lewandowskis Fünferpack begünstigt. Gegen Augsburg gelang so immerhin im Schlussspurt noch der Sieg.

Auswärts dagegen setzt Guardiola getreu seinem Credo ("Wir müssen über außen angreifen") auf etatmäßige Außenverteidiger und Flügelstürmer. Zwei Positionen, für die Rafinha und Coman maßgeschneidert sind.

Bei den Erfolgen in Darmstadt und Mainz wirbelte das Duo jeweils über 90 Minuten. Coman dribbelte sich in einen Rausch, Rafinha gab seinen Backup. Für Auswärtsspiele hat Bayern eine bewährte, wenn auch noch von vielen verkannte Flügelzange.  

4. Die Startelf-Aussicht gilt nicht für jeden

Der Leittragende dieser Taktik: Joshua Kimmich. 

Der Youngster gehörte zwar bei neun von zehn Spielen zum Kader, von Beginn an lief er jedoch nur ein einziges Mal (beim Sieg in Darmstadt) auf. In seiner ersten Saison kommt Kimmich bislang nur auf 153 Minuten Einsatzzeit. Womöglich stockt sich sein Konto gegen Frankfurt auf. Dann wahrscheinlich aber erneut nur als Einwechselspieler.

Kimmich ist Guardiolas Edel-Joker. Schon fünf Mal brachte er ihn während des laufenden Spiels - so oft wie keinen anderen Spieler im Kader.

5. Die Verletzten drängen zurück

Als die Bayern am Freitagmittag mit dem Flugzeug gen Hessen aufbrachen, saßen drei Spieler mit an Bord, die eine lange Leidenszeit hinter sich haben. Arjen Robben, Medhi Benatia und Holger Badstuber. Das Trio zählt in Frankfurt zum Kader. 

Macht es Guardiola so wie bisher, bringt er Robben von Beginn an. Bei den vier Partien in der Liga, die Robben aufgrund seiner Oberschenkel-Verletzung lediglich bestreiten konnte, stand er immer in der Anfangself. Beim Comeback gegen Köln glückte ihm am vergangenen Wochenende prompt ein Tor. 

Gut möglich, dass auch Benatia gleich wieder voll mitmischen darf. Zur Erinnerung: Am Anfang der Saison zählte der Marokkaner zum Stammpersonal, erzielte gegen den HSV sogar den ersten Treffer dieser Spielzeit.

Sollte sich Guardiola entscheiden, einem oder mehreren Spielern aus seinem Abwehr-Triumvirat (Boateng, Alaba, Martinez) eine Pause zu geben - Benatia wäre erster Ersatzkandidat. 

Zumal: Am kommenden Mittwoch geht es schon wieder gegen Arsenal in der Champions League. Keine 120 Stunden nach dem Abpfiff in Frankfurt. 

Guardiola wird förmlich zur Rotation gezwungen. 

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