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Ottmar Hitzfeld beendete seine Trainerkarriere nach der WM 2014 in Brasilien © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann / Gettty Images

München - Ottmar Hitzfeld feierte mit Borussia Dortmund und Bayern München große Erfolge. Bei SPORT1 spricht er über das anstehende Duell, Robert Lewandowski und die beiden Trainer.

Kaum einer kennt Borussia Dortmund und den FC Bayern besser als Ottmar Hitzfeld. Insgesamt sieben Meisterschaften und zwei Champions-League-Titel feierte er als Trainer beider Vereine.

Von 1991 bis 1997 trainiert er den BVB, später verbrachte der mittlerweile im Ruhestand angekommene 66-Jährige sieben erfolgreiche Jahre beim Rekordmeister.

Vor dem mit Spannung erwarteten Duell seiner beiden Ex-Klubs am Sonntag (ab 17 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) erklärt Hitzfeld bei SPORT1 warum er auf einen Sieg des BVB hofft. Zudem spricht er über den Mega-Lauf von Robert Lewandowski und seine Kritik an Bayern-Trainer Pep Guardiola.

SPORT1: Herr Hitzfeld, das Duell zwischen Bayern München und Borussia Dortmund ist endlich wieder ein Spitzenspiel. Wie groß ist Ihre Vorfreude?

Ottmar Hitzfeld: Ich bin auf den Sonntag genauso gespannt wie viele andere Fußballfans. Ich hoffe, dass Dortmund wirklich ein Gegner ist, der das Spiel spannend macht und die Bayern vor Probleme stellen wird.

SPORT1: Wie wichtig ist es für die Bundesliga, dass sich eine Mannschaft mit dem FC Bayern auf Augenhöhe befindet?

Hitzfeld: Es ist zumindest wünschenswert. Deshalb ist es schade, dass Dortmund in den letzten beiden Spielen unnötig Punkte liegen gelassen hat und der Abstand dadurch doch schon vier Punkte beträgt.

SPORT1: Wie bewerten Sie die jüngsten Aussagen von Michael Zorc, den Sie ja sehr gut kennen, dass der BVB von den Schiedsrichtern benachteiligt worden ist?

Hitzfeld: Das zeigt einfach, dass man beim BVB nach den Punktverlusten gegen Hoffenheim und Darmstadt unzufrieden ist. Dortmund hatte genug Chancen und hätte beide Spiele gewinnen müssen, ob mit Schiedsrichterentscheidungen oder ohne.

SPORT1: Hat der BVB als Auswärtsteam und mit zwei Tagen weniger Erholung überhaupt eine Chance am Sonntag?

Hitzfeld: Absolut. Dortmund hat sein Können in dieser Saison schon bewiesen. Thomas Tuchel hat der Mannschaft wieder sehr viel Selbstvertrauen eingeimpft, sie zeigt wieder mehr Spielfreude und hat mit Aubameyang, Mkhitaryan, Reus oder Kagawa Offensivspieler, die jedem Gegner gefährlich werden können. Wichtig wäre aber vor allem, die Bayern vom eigenen Tor fernzuhalten, damit Lewandowski nicht ins Spiel kommt. Ich bin gespannt, was sich Tuchel ausdenkt.

SPORT1: Sind Sie überrascht, wie reibungslos der Übergang von Jürgen Klopp zu Thomas Tuchel funktioniert hat?

Hitzfeld: Ich habe es ehrlich gesagt nicht erwartet, dass der BVB unter Tuchel einen so guten Start hinlegt. Allerdings hat schon die letzte Rückrunde unter Klopp gezeigt, dass die Mannschaft genug Substanz hat, um oben mitzuspielen. Das letzte Jahr war ein Ausrutscher, ein Unfall. Aber die Qualität hat Dortmund, und sie wollen beweisen, dass sie wieder Bayern-Herausforderer werden können.

SPORT1: Auch die bisherige Saisonbilanz von Pep Guardiola, den Sie im Sommer wegen dessen Personalpolitik kritisiert haben, ist bisher über jeden Zweifel erhaben.

Hitzfeld: Meine Aussagen hatten ja nichts mit der Arbeit von Guardiola zu tun, die finde ich perfekt. Er ist der Baumeister des Erfolgs. Bayern spielt das Guardiola-System mit Ballbesitz, schnellem Umschalten und aggressivem Pressing. Meine Kritik bezog sich auf die Abgänge von Eigengewächsen wie Kroos und Schweinsteiger, an deren Stelle Akteure aus dem Ausland wie Vidal oder Xabi Alonso geholt wurden.

SPORT1: Andererseits sind die Zugänge bislang eingeschlagen, ganz besonders Douglas Costa und Kingsley Coman.

Hitzfeld: Da muss man der Scouting-Abteilung von Bayern beziehungsweise Sammer und Guardiola in der Tat ein Kompliment machen. Zu Guardiolas Philosophie passen Costa und Coman hervorragend: Schnelle, handlungsschnelle und technisch perfekte Spieler, die Entscheidungen auf engstem Raum treffen können. Sie sind eigentlich beide perfekte Stürmer. Davon profitiert natürlich auch Lewandowski.

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Robert Lewandowski ist in der Form seines Lebens © Getty Images

SPORT1: Wie bewerten Sie seine momentane Topform?

Hitzfeld: Lewandowski ist explodiert. Er hat am Anfang auch nicht schlecht gespielt, ist aber nicht so aufgefallen. Was in den letzten Tagen passiert ist, ist aber ein kleines Wunder, bei dem Lewandowski Geschichte schreibt. Da sieht man, wie viel Selbstvertrauen ausmacht.

SPORT1: Wo steht Lewandowski im Vergleich der weltbesten Stürmer?

Hitzfeld: Wenn Lewandowski weiter konstant seine Leistungen bringt und regelmäßig Tore schießt - jetzt ist es ja ein Ausnahmezustand, das kann man nicht ständig erwarten - dann gehört er für mich zu den weltbesten Stürmern. Man sieht auch, dass er sich immer besser im System von Guardiola zurechtfindet. Aber natürlich kann man ihn nicht mit Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi vergleichen. Das ist nochmal eine andere Dimension.

SPORT1: Wird der FC Bayern auch in dieser Saison wieder in einer anderen Dimension spielen?

Hitzfeld: Für mich ist Bayern auf Grund der individuellen Stärke jedes Spielers im Kader nach wie vor klarer Favorit in der Bundesliga. Es fällt doch gar nicht auf, wenn ein Thomas Müller mal draußen sitzt oder Robben und Ribery lange verletzt ausfallen. Das ist schon eindeutig die beste Mannschaft in Deutschland.

SPORT1: Und der BVB?

Hitzfeld: Dortmund wird mit Sicherheit einen Champions-League-Platz erreichen. Es wäre schön, wenn Dortmund doch wieder ein größerer Herausforderer für Bayern wird - für die Spannung in der Bundesliga und als Hoffnungsträger für andere Teams wie Leverkusen, Wolfsburg oder Schalke.

SPORT1: Wie gehen Sie in so ein Spiel zwischen Bayern und Dortmund? Schlagen da zwei Herzen in Ihrer Brust?

Hitzfeld: Ich schaue das Spiel relaxed an und freue mich auf ein super Spitzenspiel. Es ist auch für mich ein Genuss zu sehen, wie die Trainer agieren und ihre Mannschaften einstellen, wie Dortmund dagegen hält, wie Bayern mit den schnellen Kontern zurechtkommt etc. Ich bin da eigentlich ziemlich neutral.

SPORT1: Wagen Sie eine Prognose?

Hitzfeld: Ich würde sagen: 2:1 für Bayern.

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