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SV Darmstadt 98 v 1. FSV Mainz 05 - Bundesliga - Sandro Wagner
Sandro Wagner vergibt in der 6. Minute der Nachspielzeit einen Elfmeter © Getty Images

Darmstadt - Sandro Wagner verballert vom Elfmeterpunkt einen möglichen Punktgewinn. Keiner nimmt es ihm übel. Über die Gerechtigkeit der Punkteverteilung sind sich alle einig.

Sandro Wagner blieb sich treu. Mit brachialer Gewalt und ohne Rücksicht auf Verluste trat der Pechvogel in den Katakomben gegen einen Absperrpfosten - also genau so, wie er Minuten zuvor den möglichen Punktgewinn von Darmstadt 98 verballert hatte. Der 27-Jährige war nach dem spektakulären Fehlschuss vom Elfmeterpunkt längst in die Kabine geflüchtet, als seine Mitspieler tröstende Worte spendeten.

"Vor einer Woche hat er uns gegen Bremen den Arsch gerettet, nun eben einen Elfmeter verschossen. Die Welt geht nicht unter", sagte Publikumsliebling Marco Sailer nach dem 2:3 (1:2) der Lilien gegen den FSV Mainz 05. Die Niederlage war verdient, keine Frage, aber eben auch völlig unnötig - weil Wagner in der 96. Minute einfach zu viel wollte.

Der Angreifer, der den Aufsteiger unlängst mit zwei Toren gegen Werder Bremen noch zum 2:1-Sieg geschossen hatte, knallte den Ball meterweit über das Mainzer Gehäuse. "Er war nicht der erste und wird nicht der letzte bleiben, dem das passierte", sagte Trainer Dirk Schuster. (Spielplan und Tabelle der Bundesliga)

"Auf gar keinen Fall" werde er seinem zuletzt immer besser in Schwung kommenden Stürmer einen Vorwurf machen: "Er hat Verantwortung übernommen. Wir gewinnen und verlieren zusammen", stellte Schuster klar.

Verdienter Mainzer Erfolg

Ohnehin hatten an diesem Abend nur die Mainzer die drei Punkte verdient. Vor 17.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion am Böllenfalltor zeigten die Rheinhessen zwar sicher nicht ihre beste Leistung, Stefan Bell (15.), Yunus Malli (24.) und Pablo de Blasis (64.) bestraften die Gastgeber aber eiskalt für deren Passivität.

"Wir haben die ersten Minuten verschlafen und unglaublich viele Fehler gemacht", sagte Mittelfeldspieler Konstantin Rausch. Der letzte Fehler, Wagners Schuss in den Nachthimmel, sei daher "überhaupt kein Problem. Wir haben es auch einfach nicht verdient, dass er reingeht."

Zur selben Überzeugung kam auch Schuster, der passend feststellte, dass das Spiel "genauso beschissen endete wie es losging". Vor allem vermisste der 47-Jährige die Tugenden seiner Truppe, Leidenschaft und Wille fehlten fast die komplette erste Halbzeit.

Schmidt froh über "das Unglaubliche"

Erst als sich die Lilien auf das Wesentliche besannen, wurden sie durch die Tore von Marcel Heller (27.) und Sailer (57.) belohnt - letztlich zu wenig, um vorübergehend auf Champions-League-Platz vier zu klettern.

Das Europapokal-Feeling erlebten hingegen die Mainzer, die Darmstadt in der Tabelle überholten und zumindest für eine Nacht den fünften Platz belegten. "Wir sind froh", sagte Trainer Martin Schmidt, der zugab, dass sein Puls am Ende "ziemlich hoch" gewesen sei.

Zum Glück für die Mainzer geschah dann aber "das Unglaubliche", wie es Schmidt formulierte. Wagner schoss drüber, der Sieg war in trockenen Tüchern: "Am Ende, denke ich, nicht ganz unverdient", sagte Schmidt.

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