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Manager Michael Zorc (l.) und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke geben sich vor dem Topspiel beim FC Bayern zurückhaltend © Imago

München - Borussia Dortmund setzt vor dem Duell bei den Bayern auf Zurückhaltung. Verbale Angriffe auf den Gegner - Fehlanzeige. Sportdirektor Zorc knöpft sich lieber andere vor.

Von Sven Becker

Am Sonntag steigt der große Bundesliga-Gipfel zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund (ab 17.15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER). Der Erste empfängt den Zweiten.

Fußball-Deutschland wird dabei wohl dem BVB die Daumen drücken. Mit einem Dreier in München würden die Dortmunder den Abstand auf die Bayern auf einen Zähler verkürzen. Der Titelkampf bliebe spannend.

Andererseits würden die Bayern mit einem Sieg ihren Vorsprung bereits auf sieben Zähler ausbauen - und das nach dem 8. Spieltag. Also heißt es für Dortmund: Gas geben!

Watzke: "Wir sollten uns nicht mit Bayern messen"

Doch die Borussen halten sich im Vorfeld des Klassikers eher zurück. Von Giftpfeilen oder kessen Sprüche keine Spur. Die Abteilung Attacke bleibt geschlossen. Der BVB setzt auf Understatement.

"Wir sollten uns nicht mit Bayern messen", sagte Dortmunds Mittelfeldstar Marco Reus am Rande eines Sponsorentermins zu SPORT1: "Keine Frage: Wir haben einen neuen Trainer und sind gut gestartet. Aber es wäre vermessen zu sagen, dass wir Bayern-Jäger sein wollen."

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke schlägt in dieselbe Kerbe. "Wir sahen und sehen uns nicht als Bayern-Jäger", sagte der 56-Jährige der Bild-Zeitung: "Wir sehen uns als Herausforderer der Teams, die letztes Jahr vor uns standen. Wir wollen zurück in die Champions League. Das ist unsere Zielsetzung - und an der hat sich nichts geändert."

Zorc attackiert Schiedsrichter

Derweil übt Sportdirektor Michael Zorc vor dem Gipfeltreffen in München harsche Kritik an den Schiedsrichtern. "Wir wurden in den vergangenen Wochen durch Schiedsrichterentscheidungen massiv benachteiligt", sagte der 53-Jährige dem kicker.

Und weiter: "Ich glaube grundsätzlich nicht an Verschwörungstheorien. Doch in den vergangenen Wochen sind wir ergebnistechnisch benachteiligt worden. Das darf man auch mal festhalten, weil es objektiv nachvollziehbar ist", spielt Zorc auf die beiden Remis gegen Hoffenheim und Darmstadt an und will damit wohl auch frühzeitig einer Bevorteilung der Bayern entgegen wirken.

Reus erwartet "schönes, sehr spannendes Spiel"

Kampflos ergeben wollen sich die Schwarz-Gelben allerdings nicht. Im Gegenteil: Sie glauben an ihre Chance.

"Nur aufgrund der letzten beiden Spiele (1:1 bei 1899 Hoffenheim, 2:2 gegen Aufsteiger Darmstadt 98Anm. d. Red.) werden wir jetzt nicht mit weniger Selbstvertrauen da hinfahren - unser Selbstvertrauen ist sehr groß. Das werden wir auf dem Platz auch zeigen", gibt sich Reus kämpferisch.

Der 26-Jährige ergänzte: "Immer wenn wir in München gespielt haben, hatten wir unsere Chance. Wir sind sehr gut vorbereitet, es wird bestimmt ein sehr schönes und sehr spannendes Spiel."

Tuchel schont Stars

Auch Trainer Thomas Tuchel tat im Vorfeld alles, um gegen die Bayern eine schlagkräftige Truppe auf den Platz schicken zu können.

Gleich vier Stars schonte Tuchel in der Europa League gegen PAOK Saloniki. Shinji Kagawa, Kapitän Mats Hummels, Sokratis und Ilkay Gündogan traten die Reise nach Thessaloniki nicht mit an, sie sollen vielmehr am Sonntag mit vollen Tanks gegen das scheinbar übermächtige Team von FCB-Trainer Pep Guardiola ins Spiel gehen.

Zudem musste Pierre-Emerick Aubameyang passen. "Er liegt krank im Bett", sagte Tuchel am Mittwoch zu SPORT1. Ein Einsatz im Spitzenspiel in München scheint aber nicht ausgeschlossen, ja sogar eher wahrscheinlich.

Neben Aubameyang dürfte dem BVB auch die Statistik Mut machen. Denn von den letzten fünf Gastspielen an der Isar verloren die Westfalen nur das am 1. November 2014, das Arjen Robben mit einem Elfmeter zum 2:1 entschied.

Also eigentlich kein Grund für Understatement.

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