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München - Schon ein paar Wochen nach seiner Rückkehr stellt sich Bremen die Pizarro-Frage. Der Stürmer bringt Unruhe in den Verein. Willi Lemke und Thomas Eichin steuern gegen.

Die Lage bei Werder Bremen ist "schlimm". Und Willi Lemke lacht.

Ein Lachen zwischen Ironie und Süffisanz nach dem Satz: "Jungen Leuten passiert so etwas mal."

Lemke über Pizarro

Im Gespräch mit SPORT1 geht es um Claudio Pizarro, Werder Bremens ehemaliger Manager und Aufsichtsratsboss kann es also nicht ernst meinen.

Schließlich kam der Peruaner als große Hoffnung nach Bremen, zum insgesamt dritten Mal, mit jetzt fast 400 Bundesligaspielen. Und dann das.

Pizarro träumt von Europa

Gemeint sind Pizarros Träume von Europa und sogar Champions League, die er gleich nach seinem ersten Einsatz in Hoffenheim hatte laut werden lassen.

Damals bereitete er als Joker gleich einen Treffer vor, Bremen kletterte dank des 3:1 auf Platz sechs. Vier Pleiten später ist die Mannschaft 14., Manager Thomas Eichin spricht bei SPORT1 offen von "Abstiegskampf".

"Ganz unbremisch"

Lemkes Urteil zu Pizarros verbalem Ausritt: "Ich glaube, das war nicht besonders schlau." Er habe sich "sehr gewundert", schließlich seien das "ganz unbremische" Worte gewesen.

Bedeutet: Selbst zu goldenen Meisterzeiten unter Otto Rehhagel und Thomas Schaaf gab es kaum dicke Sprüche zu hören aus Bremen. Und erst recht ist das nicht angesagt nach zuletzt vier Jahren, in denen Platz neun am Saisonende das Maximum für Werder war.

Formkrise

Einen Monat ist Pizarro jetzt zurück. Er und der Verein forschen noch nach seiner besten Rolle. Seit seinem erfolgreichen Acht-Minuten-Einsatz in Sinsheim kam nichts mehr, kein Tor, keine Vorlage.

Nur einmal spielte er von Beginn an, beim 0:3 gegen Leverkusen. "Seine Qualitäten sind unbestritten, aber alleine kann er es auch nicht richten. Er braucht jetzt uns als Mannschaft", sagte Philipp Bargfrede.

Hilfe zur Werder-Hilfe.

Wiedwald will Pizarro helfen

Torwart Felix Wiedwald ergänzte: "Er braucht die Bälle in den Fuß. Wenn er spät kommt und wir dann die langen Bälle spielen, ist es schwierig für ihn. Dann kann er uns nicht so viel helfen."

Wer hilft hier wem? Eichin hatte schon bei Pizarros Vorstellung Zeit und Gelassenheit erbeten. Pizarro konnte noch nicht in Form sein.

Kein Heilsbringer

"Wir müssen Euphorie verhindern. Ich habe nach dem Hoffenheim-Spiel gewarnt und leider Recht behalten", sagt Eichin jetzt. "Wir müssen aufhören, ihn als Heilsbringer zu sehen."

Pizarro sei "ein toller Spieler", verkörpere "den etwas anderen Stürmer". Wann es all das wieder regelmäßig zu sehen gibt im Weserstadion, kann aber auch Eichin nicht sagen. Bis zur Winterpause könnte es schwierig bleiben.

Mit Jetlag nach München

Direkt nach dem 0:1 in Hannover flog Pizarro 11.000 Kilometer nach Peru zur Nationalmannschaft, wo diese und nächste Woche die Qualifikation für die WM 2018 beginnt. Erst am Freitag kommt er mit Jetlag zurück, einen Tag vor dem Spiel der Bremer in München.

Dort plant Eichin dann "null Punkte" ein, die Mannschaft solle sich vor allem zeigen. Erst danach gehe es wieder ernsthaft ums Punktekonto.

Annäherung nötig

Der Manager kämpft für Einsicht im Bremer Umfeld. Die Aufgabe: Lernen, besser mit Pizarros Rolle "umzugehen".

Bislang sehen sich beide Seiten noch etwas verständnislos an. Tatsächlich müssen Werder und sein alter neuer Star schnell übereinkommen.

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