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München - Andre Breitenreiter redet die Derby-Niederlage beim BVB schön, SPORT1-Experte Peter Neururer kritisiert die öffentliche Darstellung des S04-Coaches. Ein heikles Foto sorgt für zusätzlich Zündstoff.

Dieses Foto dürfte Schalke 04 nach dem verlorenen Revierderby bei Borussia Dortmund den Rest gegeben haben. Horst Heldt war offensichtlich nicht klar, auf was er sich einließ.

Schalkes Manager hatte sich mit freudestrahlenden BVB-Fans ablichten lassen, die einen Schal mit der Aufschrift "Schei** Gelsenkirchen" in die Kamera hielten.

Heldt lächelte verschmizt - als unfreiwilliger Botschafter der Nachricht.

Horst Heldt lässt sich offenbar mit einem Anti-Schalke-Schal ("Scheiss Gelsenkirchen") ablichten © twitter@dirk_adam

Breitenreiter nimmt "das Positive mit"

Für die Schalker war es nur ein zweiter Stoß in die stolze, königsblaue Brust. Zur sportlichen kam auch noch eine symbolische Niederlage hinzu.

Andre Breitenreiter wollte davon aber nichts wissen und richtete den Blick nach vorne. Trotz der Niederlage "nehmen wir das Positive mit", sagte der Trainer von Schalke 04.

Nach dem nunmehr sechsten Pflichtspiel ohne Sieg und neun Punkten Rückstand auf den BVB, ist für den Tabellenfünften aktuell jedoch nicht mehr allzu viel Positives übrig.

Kritik von Neururer

Sicherlich muss sich niemand dafür schämen, bei einem starken Gegner als Verlierer vom Platz gegangen zu sein.

"Wir haben uns nicht abschlachten lassen wie viele andere und können das Stadion erhobenen Hauptes verlassen", merkte Breitenreiter an.

Richtig. Aber der Gegner war eben der Revier-Rivale- und Schalkes Anspruch ist hoch.

"Die Niederlage tut verdammt weh. Das Ergebnis im Derby schleppt man ein halbes Jahr mit sich rum", betonte Peter Neururer im Gespräch mit unserem Sportradio SPORT1.fm.

Sieben Pflichtspiele ohne Sieg

Was dem SPORT1-Experten missfällt: "Vor allem ist da eine Tendenz, die nicht gut ist, noch einmal unterstrichen worden. Ausgerechnet bei den Schwarz-Gelben. Jedem Schalker tut das weh."

Olaf Thon kritisierte in der SPORT1-Spieltagsanalyse insbesondere das Abwehrverhalten seines Ex-Vereins beim zweiten Gegentor. Die Schalker hatten bei einer Ecke mit Raumdeckung verteidigt und dabei die Dortmunder Männer völlig frei gelassen.

"Wenn Breitenreiter sich das ansieht, wird er es das nächste Mal anders machen", analysierte Thon.

Tränen bei Caicara

Breitenreiter hatte vor den schwierigen Aufgaben gegen Dortmund, den FC Bayern und Bayer Leverkusen von "Bonus-Spielen" gesprochen. Auch, wenn der Trainer zurückruderte. Es waren Worte, die hängengeblieben sind.

Borussia Dortmund v FC Schalke 04 - Bundesliga
Junior Caicara hatte nach dem verlorenen Derby mit den Tränen zu kämpfen © Getty Images

"Das hat eigentlich schon ein Alibi geliefert für den Fall, dass die Ergebnisse nicht so gut sind", kritisierte Neuruer: "Man darf nicht vergessen, welche Ansprüche Schalke 04 hat."

Den Eindruck, dass die Königsblauen die Partie gegen den BVB schon im Vorfeld abgeschenkt hatten, bestätigte sich auf dem Rasen immerhin nicht. Junior Caicara trottete nach dem Schlusspfiff sogar mit Tränen in den Augen vom Rasen.  

"Die Mannschaft hat gebrannt, war mit Herz und Leidenschaft dabei", lobte Breitenreiter, dessen Team es lange geschafft hatte, die schwarz-gelben Offensivbemühungen im Keim zu ersticken.

Heldt: "Die anderen haben auch Probleme"

Was die Derby-Pleite aber nicht sonderlich erträglicher machen dürfte, zumal sich die Schalker in der Abwehr weitere Schnitzer leisteten.

"Das 3:1 nach der Pause ist viel zu früh gefallen. Das darf in dieser Form nicht passieren. Vielleicht fehlt uns da noch ein Stück weit Erfahrung, denn wir sind eine junge Mannschaft", sagte Breitenreiter - und stellte sich dabei erneut schützend vor seine Mannschaft.

Sportvorstand Horst Heldt war bemüht, die Situation abzuschwächen: "Die anderen haben auch ihre Probleme. Es ist schon ein gewisser Punktabstand von Zweiten zum Dritten vorhanden."

Nächste Bewährungsprobe für Breitenreiter

Gegen München und in Leverkusen gilt es jetzt, die Probleme schnellstmöglich in den Griff zu bekommen und die Ergebnis-Krise zu bewältigen.

Den Königsblauen droht graue Tristesse. Für Breitenreiter ist es die bislang größte Bewährungsprobe auf Schalke. Öffentliches Understatement wird ihm dabei nicht mehr helfen.

Heldt macht zumindest hier vor, wie es gehen könnte: "Gegen die beste Mannschaft der Welt dürfte das Spiel noch intensiver werden. Aber auch dieses Spiel fängt bei 0:0 an."

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