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Bayern-Trainer Pep Guardiola © Getty Images

München - Pep Guardiolas Vertrauter Marti Perarnau glaubt, dass die Bayern-Spieler am Anfang zu viel Respekt vor dem Trainer hatten. Doch auch Guardiola habe viel in München gelernt.

Ob Pep Guardiola seinen Vertrag nun beim FC Bayern München verlängern wird oder nicht, weiß Marti Perarnau auch nicht. Der frühere Hochspringer und Trainer-Biograph ("Herr Guardiola", Kunstmann) spricht "mit Guardiola nicht darüber. Ich will ihn damit nicht auch noch belasten. Es ist seine Entscheidung, vielleicht hat er sie bereits getroffen, vielleicht nicht", sagte er der Neuen Zürcher Zeitung.

Ansonsten ist das Interview Perarnaus mit dem Schweizer Blatt voller interessanter Einblicke in das Seelenleben des Trainers, den der Journalist während seines ersten Jahres beim FC Bayern quasi permanent begleiten durfte.

"Es ist interessant zu beobachten, wie sehr die eigenen und die fremden Erwartungen auseinandergehen. Ich sage nicht, dass Pep nicht gewinnen will, er ist sehr ehrgeizig. Aber Erfolg bedeutet für ihn vor allem Fortschritt, Fortschritt im Sinne einer Entwicklung zu etwas Besserem", sagt Perarnau etwa.

Guardiola selbst hat sich zu diesem Thema zuletzt ähnlich geäußert, doch andere Dinge, die der Journalist ausplaudert, sind neu.

"Spieler waren nervös"

Der Punkt etwa, dass die Beziehung "zwischen Franck Ribery und Guardiola zunächst nicht ganz einfach" gewesen sei. Dies habe vor allem "an der sprachlichen Verständigung" gelegen. Auch andere Spieler hätten eine gewisse Zeit gebraucht, um genau zu verstehen, was der Trainer von ihnen will und welche Art von Fußball Guardiola spielen wolle. Das gelte nicht nur für die Spieler.

"Viele hielten ihn für Superman, für eine Überfigur. Die Spieler waren nervös, selbst im Training, und wollten alles richtig machen. Das erschwert es, eine produktive Arbeitsatmosphäre zu schaffen, denn unter diesen zwei Ebenen – auf der einen der Trainer-Star, auf der anderen die Fußballer – leidet die Kommunikation. Einige Spieler gaben sich große Mühe, aber sie verstanden einfach nicht, was Guardiola von ihnen wollte", sagte Perarnau.

"Einkaufskörbe der Spieler prall gefüllt"

Doch Guardiola fühle sich gar nicht wie Superman – sondern eher: wie ein Ladenbesitzer und Regalauffüller: "Es war ein langwieriger Prozess, doch jene Fußballer, die jetzt das Stammgerüst der Mannschaft bilden, haben Guardiolas Auffassung von Fußball verinnerlicht. Sie können sich das vorstellen wie in einem kleinen Supermarkt: Guardiola ist der Ladenbesitzer, der die Regale mit allen Waren aufgefüllt hat, die er für überlebenswichtig hält. Er hat seinen Kunden, also den Fußballern, gesagt, welche Waren sie brauchen und wo sie diese finden. Die Einkaufskörbe der Bayern-Spieler sind nun prall gefüllt", sagte Perarnau.

Doch nicht nur die Spieler, die am Dienstag im Champions-League-Gruppenspiel gegen Olympiakos Piräus (20.45 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) Gruppenplatz 1 sichern wollen, hätten von Guardiola gelernt, auch der Trainer habe in München viel für sich mitgenommen.

"Er weiß, dass er sich verändert hat, dass er pragmatischer geworden ist. In Barcelona lebte und arbeitete Guardiola in einer Komfortzone, alles funktionierte und war bekannt. Das bringt einen kaum weiter. Neulich sagte er zu mir: 'Ich habe in München mehr gelernt, als ich gedacht hätte.' Er meinte damit nicht nur den Fußball", so Perarnau.

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