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Gelsenkirchen - Es muss nicht immer Glanz und Gloria sein. Der FC Bayern beweist gegen Schalke, dass es auch mit Geduld und Disziplin geht, wenn es nötig ist.

Thomas Müller konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen.

Natürlich verkaufte der Weltmeister seine Kritik mit dem für ihn üblichen leichten Schalk im Nacken. Ein wenig knorrig wirkte er dabei allerdings schon. Denn sein Vorwurf hatte einen ernsten Kern.

"In der Bundesliga muss man für jeden Sieg hart arbeiten, die Gegner machen es uns nicht leicht. In letzter Zeit ist die Fünferkette in Mode gekommen. Ich weiß nicht, ob das für den Zuschauer so schön ist. Die Gegner versuchen halt alles", sagte Müller nach dem 3:1-Arbeitssieg des FC Bayern bei Schalke 04.

Bayern beschweren sich nicht zum ersten Mal

Arbeitssieg. Es ist ein Wort, das eigentlich nicht zum Wortschatz der Bayern gehört. Nach dem Selbstverständnis nicht dazu gehören sollte.

Doch es war nicht das erste Mal, dass sich die Bayern über die destruktive Herangehensweise des Gegners beschwert haben. Ende Oktober hatte sich der Rekordmeister beim 0:0 in Frankfurt am gegnerischen Betonriegel noch die Zähne ausgebissen.

Schalke hatte mit einem Fünferriegel in der Abwehr und einer Viererkette davor ebenfalls die defensive Variante gewählt, setzte dabei auf ein laufstarkes und aggressives Vorwärtsverteidigen. Lücken gab es für die Bayern so nur wenige. Eine Situation, die die Bayern in dieser Saison noch öfter antreffen werden. (SERVICE: Das Spiel zum Nachlesen im TICKER)

Legitime Antwort auf die Dominanz

Es ist der leicht verzweifelt anmutende Versuch der Konkurrenz, sich gegen die spielerische Überlegenheit der Bayern zu wappnen. Die bei allem Frust der Münchner legitime Antwort auf die Dominanz der Truppe von Pep Guardiola.

© SPORT1

Schließlich haben die Bayern schon oft genug unter Beweis gestellt, was passieren kann, wenn man mit ihnen auf Augenhöhe mitspielen möchte. Was somit bleibt, ist die ernüchternde Erkenntnis und das Signal an die Liga, dass die Bayern auch dreckige Siege können.

"Zwölf Siege und ein Unentschieden nach 13 Spielen zu haben, nach diesen zwei, drei Jahren, die Bayern München gespielt hat: großes Kompliment an die Mannschaft. Das bedeutet Mentalität", sagte Guardiola, der mal wieder davon sprach, dass es eine Ehre sei, Trainer des FC Bayern und von diesen Spielern zu sein. (DIE REAKTIONEN: Neuer nimmt Patzer auf eigene Kappe)

Wenig Glanz und Glamour

Seine Mannschaft musste zwar auf Glanz und Glamour verzichten. Kein Hurra-Stil, keine Schönspielerei. Dafür legte sie andere Attribute in die Waagschale, ackerte und kämpfte.

"Es geht ums Kämpfen, um Leidenschaft, aber auch um Disziplin, darum, die Geduld zu bewahren", sagte Arjen Robben, der wie viele seiner Offensivkollegen selten zum Zug kam, ehe er in der 69. Minute mit einer präzisen Flanke Javi Martinez bediente, der in Mittelstürmer-Manier zum vorentscheidenden 2:1 einköpfte.

Und die Vorgeschichte zu diesem Treffer verdeutlichte das Durchhaltevermögen der Bayern auf beeindruckende Art und Weise. Fast drei Minuten lang war der FCB vorher in Ballbesitz gewesen, schob den Ball immer wieder hin und her, vor und zurück, legte sich den Gegner regelrecht zurecht. Satte 48 Pässe wurden gespielt, bis die entscheidende Lücke gefunden und genutzt wurde.

Schön ist anders

Schön ist sicher anders. Sowohl die engmaschigen Defensivverbunde der Gegner, als auch die auf Effizienz ausgelegte Replik der Münchner. Doch "das muss. Das war auch die Botschaft vom Trainer vor dem Spiel. Wenn man etwas erreichen will, muss man immer Vollgas geben", sagte Robben.

Schließlich hatte am Freitag ausgerechnet Verfolger Borussia Dortmund demonstriert, was passieren kann, wenn man nicht immer Vollgas gibt. Nach dem Bayern-Sieg auf Schalke und der BVB-Niederlage beim HSV beträgt der Rückstand der Dortmunder auf den enteilenden Tabellenführer nun schon acht Punkte.

"Der Sieg ist gut, aber auch nicht mehr. Wir müssen weiter auf uns selbst schauen. Es bleibt ein Kampf bis zum Ende", meinte Robben.

Wann genau "das Ende" ist, bestimmen aber wohl nur die Bayern selbst.

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