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Jan-Henrik Gruszecki war Sprecher des Fanlagers bei Sicherheitsgesprächen mit der DFL © SPORT1-Montage: Gabriel Fehlandt/Imago/dpa Picture-Alliance

Dortmund - Die Dortmunder Fans wehren sich vor dem Spieltagsauftakt beim HSV gegen die Furcht vor dem Terror. Die Anhänger fühlen sich dabei auch an ein Auswärtsderby 2001 erinnert.

Rückblick: 15. September 2001, vier Tage nach den Angriffen auf das World Trade Center und das Pentagon tritt Borussia Dortmund zum Derby beim FC Schalke an.

Die Spieler der Erzrivalen laufen Hand in Hand in die erst einen Monat zuvor eröffnete Arena ein.

Ebenso außergewöhnlich: Die anschließende Schweigeminute für die Terroropfer wird nicht von einem einzigen Anhänger der sonst so lautstarken Fan-Lager gestört.

"Das war schon eine komische Situation und sehr kurios, wie die Spieler Hand in Hand auf den Platz kamen", erinnert sich Jan-Henrik Gruszecki an die Partie, die durch ein Tor von Spielmacher Andreas Möller mit 1:0 für Schalke entschieden wurde.

Kein einziger Fanbus abgesagt

14 Jahre später sieht der eingefleischte BVB-Fan nach den jüngsten Anschlägen von Paris und der Länderspiel-Absage in Hannover keine Veranlassung, über eine Absage des kompletten Bundesliga-Spieltags nachzudenken.

"Es geht ganz normal weiter, man darf sich da nicht verrückt machten lassen", sagt der 31-Jährige, der vor drei Jahren in der Sicherheitsdebatte im deutschen Fußball als Sprecher der "12:12"-Kampagne fungierte. Damals protestierten die Fans mit einem Stimmungsboykott zu Beginn der Spiele gegen umstrittene Sicherheitsmaßnahmen der DFL.

Auch von einem mulmigen Gefühl vor der Auswärtsfahrt nach Hamburg will der Dortmunder nichts wissen (Fr. ab 20 Uhr im LIVETICKER und in unserem Sportradio SPORT1.fm). "Wir haben alle keinen Bock darauf, Angst zu haben", sagt Gruszecki stellvertretend für viele BVB-Anhänger im Gespräch mit SPORT1.

"Es gibt keinen, der aus Angst nicht hinfährt oder auch keinen Bus, der deshalb abgesagt wurde", berichtet der Fan und Filmemacher ("Am Borsigplatz geboren").

Mehr als 7000 BVB-Fans reisen nach Hamburg

Mit seiner Meinung liegt er auf einer Linie mit BVB-Sportdirektor Michael Zorc. "Es ist jetzt wichtig, couragiert zu sein und nicht einzuknicken. Denn das wäre es ja, was die Terroristen erreichen wollen", sagte der 53-Jährige den Dortmunder Ruhr Nachrichten.

Gut 7000 BVB-Fans werden den Tabellenzweiten am Freitagabend im Volksparkstadion unterstützen.

Die von beiden Vereinen angekündigten verschärften Sicherheitsvorkehrungen will Gruszecki derweil nicht überbewerten. "Das mag für das emotionale Sicherheitsgefühl einiger Fans hilfreich sein, aber wenn man damit anfängt, wo hört man dann auf?", fragt er.

"Auf dem Weihnachtsmarkt kann man auch nicht vor jeder Glühweinbude eine Einlasskontrolle machen", sagt der BVB-Anhänger. "Es gibt keine absolute Sicherheit, vor allem nicht in freien Gesellschaften."

"Jetzt nicht in Hysterie verfallen"

Das Streben nach persönlicher Freiheit steht auch für Jan Schaberick über der Angst vor einem Bedrohungsszenario. "Wir werden uns jetzt nicht davon abhalten lassen zu Spielen zu gehen, egal ob auswärts oder zu Hause", sagt der 30-Jährige vom BVB-Fanclub "Die Abhängigen" aus Herdecke.

"Ich schätze die Gefährdungslage als nicht so gravierend ein, dass man sich übermäßig Sorgen machen müsste", so Schaberick zu SPORT1.

Der Jurist verweist auf die gute Arbeit der deutschen Geheimdienste und warnt, "jetzt nicht in Hysterie zu verfallen". 

"Und vor allem sollten wir in den nächsten Wochen nicht dahinkommen, vor jedem Bundesliga-Spieltag über eine Absage zu diskutieren", spricht Schaberick wohl vielen Fußballfans hierzulande aus dem Herzen.

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