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Gelsenkirchen - Der Manager bleibt nun doch bis Saisonende. Sein Auftritt am Dienstag wirft Fragen auf. Ein brisanter Satz nach der Pressekonferenz wirft Zweifel an seinem Treuebekenntnis auf.

Im Fußball ist es nicht unüblich, dass Beteiligte der Branche eine Pressekonferenz wählen, um sich etwas Luft zu verschaffen. Sie fühlen sich unter Druck gesetzt, durch Fragen bedrängt - deshalb wollen sie sich auf diesem Wege der Öffentlichkeit erklären. 

Etwas ähnliches schien wohl auch Horst Heldt im Sinn gehabt zu haben, als er sich am Dienstag in den Katakomben der Veltins-Arena aufs Podium setzte und kundtat, dass er Schalke 04 bis zum 30. Juni 2016 als Manager erhalten bleibt. "Ich hatte das Gefühl, dass ich etwas bekanntgeben muss", bekundete Heldt. 

Für den Sportvorstand war die Nachricht, dass er als Angestellter seinen Arbeitsvertrag bis zum Ende erfüllen wird, offenkundig von so brennendem Interesse, dass er sie medial inszenieren musste. Ursprünglich hatte der Verein lediglich zu einem lockeren Presse-Plausch mit Trainer Andre Breitenreiter geladen.

Doch dann kam Heldt auf die Idee, etwas mitzuteilen, was in sonstigen Arbeitsverhältnissen nicht weiter erwähnenswert wäre.  

Eine Situation, die Heldt selbst heraufbeschworen hat. Bei seinem Auftritt im Volkswagen Doppelpass am 18. Oktober hatte der 45-Jährige noch bekräftigt, längst zu wissen, wie seine Zukunft aussehe. "Ich werde mich noch in dieser Woche mit Clemens Tönnies zusammensetzen. Diese Woche wird eine Entscheidung verkündet", hatte Heldt damals gesagt. 

"War zu häufig in den Medien"

Es vergingen Tage, Wochen ohne neuen Entwicklungsstand. Ein Sechs-Augen-Gespräch zwischen Heldt, Klubboss Tönnies und dessen Vize Jens Buchta am Rande des Europa-League-Spiels gegen Prag führte zu keinem Ergebnis. Heldt begann, Medien und Öffentlichkeit hinzuhalten.

Auf Nachfrage hieß es stets, eine Entscheidung über die Besetzung des Managerpostens bei den Knappen werde "zeitnah" verkündet. Dieses Wörtchen verwendete Heldt so inflationär, dass er sich selbst zum Getriebenen machte. 

Der Manager reizte die anhaltende Debatte um seine Person derart aus, dass sie der Mannschaft nicht nur zu bunt wurde, sondern sie auch in ihrer Performance hemmte. "Ich wünsche mir, dass die Sache geklärt wird", flehte Kapitän Benedikt Höwedes nach dem enttäuschenden Remis gegen Ingolstadt bei SPORT1.

Zwei Tage vor dem Europa-League-Rückspiel in Prag (Do., ab 19 Uhr LIVE bei SPORT1) dann also der Auftritt vor Journalisten, bei dem sich Heldt gleich mal selbst entlarvte. "Ich war zu häufig und zu intensiv in den Medien", gestand er. "Wir brauchen jetzt Klarheit und Ruhe."

Während Heldt vor sich hin argumentierte, war er auffällig um einen öffentlichen Schulterschluss mit Andre Breitenreiter bemüht.

Der Coach hatte zuletzt die Zusammenstellung des Kaders barsch kritisiert. Jetzt saßen Trainer und Manager am Dienstag friedlich nebeneinander und beteuerten, dass man "vertrauensvoll zusammenarbeite" (Breitenreiter) und "alle sportliche Entscheidungen gemeinsam" treffe (Heldt). Man hatte fast den Eindruck, die Protagonisten versuchten einen Brandherd zu ersticken, der sich längst wild entflammt hat.

Nach erfolgreichem Start rumpelt Schalke mittlerweile nur noch durch die Saison. Seit vier Pflichtspielen ist sind die Knappen sieglos. Und die schweren Partien stehen erst noch bevor. Die nächsten Gegner in der Liga: Dortmund (A), Bayern (H), Leverkusen (A). Selbst Breitenreiter gesteht: "Wir konnten schon mal ruhiger arbeiten."

Man mag sich nicht ausdenken, wenn sich die Schalker Mini-Krise in eine Pleitenserie ausweitet und das personell ausgedünnte Team womöglich auch noch die Europa-League Pflichtaufgaben gegen Prag und Nikosia verpatzt. 

"Vom Wahnsinn befallen"

Auf Schalke würde das Theater um Heldt erneut ausbrechen, seine Pressekonfernz sich als Bumerang erweisen. Ein Twitter-Nutzer unkte bereits: "Wenn dieses Schauspiel den Schalkern nicht mal noch gewaltig um die Ohren fliegt."

Heldt selbst scheint sich in dieser Hinsicht bereits auf das Schlimmste gefasst zu machen. Nach seinem Auftritt bezeichnete er Schalke in vertrauter Runde als "ein Verein, der in jeglicher Hinsicht vom Wahnsinn befallen ist".

Heldt weiß: Kehrt die Mannschaft nicht wieder zu dem erfolgreichen Fußball der ersten Spieltage zurück, ist er es, der als Erster dafür verantwortlich gemacht wird.

Dass ihm der Aufsichtsrat bis Juni das Vertrauen ausgesprochen hat, heißt noch lange nicht, dass das Treuebekenntnis auch im Winter noch Bestand haben muss. Möglich, dass der Manager seine Posten doch zeitiger räumen muss.

Andersherum: So viele Wendungen wie der Fall Heldt schon genommen hat, ist es ebenfalls nicht ausgeschlossen, dass der Manager irgendwann auf seine Beteuerungen vom Dienstag ("Ich identifiziere mich zu einhundert Prozent mit diesem Verein") pfeift und von sich aus abdankt.

Der Wahnsinn bei den Königsblauen - er bleibt ein fortwährendes Rätsel. 

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