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Thorsten Mesch ist für die die Einführung des Videobeweises, Ivo Hrstic (re.) dagegen. © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann

München - Manuel Gräfes Fehlentscheidung beim Spiel Wolfsburg gegen Leverkusen hätte es mit Videobeweis nicht gegeben. Doch braucht der Fußball wirklich mehr Technik?

Nach der groben Fehlentscheidung von Schiedsrichter Manuel Gräfe beim 2:1 des VfL Wolfsburg gegen Leverkusen diskutieren Fans und Funktionäre wieder über die Einführung des Videobeweises. Auch bei SPORT1 gehen die Meinungen auseinander.

Pro Videobeweis: SPORT1-Redakteur Thorsten Mesch

Ich bin für den Videobeweis. Denn er könnte helfen, das Risiko eklatanter Fehlentscheidungen so gering wie möglich zu halten.

Phantom-Tore wie einst zwischen Bayern und Nürnberg oder zwischen Hoffenheim und Leverkusen hätte es mit Videobeweis nicht gegeben.

Das immer wieder von den Gegnern angeführte Argument, ohne das Diskutieren über Fehlentscheidungen würde das Salz in der Suppe fehlen, ist für mich von vorgestern. Es gibt genügend andere Dinge im Fußball, die Emotionen hochschlagen lassen. Früher wurde Standfußball gespielt, heute ist er ein Hochgeschwindigkeitssport. Das menschliche Auge allein ist dabei manchmal überfordert.

Der Videobeweis würde zwar keine 100 Prozent richtigen Entscheidungen garantieren, aber er könnte zumindest die größten Ungerechtigkeiten verhindern. Er wäre ein Hilfsmittel für  Schiedsrichter, Trainer und Spieler. Man könnte den Profis auch nicht mehr einfach den Schwarzen Peter zuschieben, so wie es im Fall von Leverkusens Stefan Kießling oder zuletzt Hannovers Leon Andreasen teilweise geschehen ist.

In der Praxis wäre eine "Challenge" pro Mannschaft und Halbzeit, also den Trainern die Möglichkeit zu geben, den Videobeweis einmal zu fordern, die am einfachsten umsetzbare Lösung. Sollte es mehr strittige Szenen in einem Spiel geben, dürfen sich die Traditionalisten wieder freuen.

Kontra Videobeweis: SPORT1-Chefredakteur Digital Ivo Hrstic:

Ich bin Fußball-Romantiker und will nicht noch mehr Technik und vor allem Berechenbarkeit im Fußball. Die Torlinientechnik reicht!

Letztendlich wünschen sich einige Verantwortliche solche Dinge wie den Videobeweis doch nur, weil es im modernen Fußball um viele Millionen Euro geht. Darum soll der Fußball noch fehlerloser und berechenbar werden.

Fehler, auch von Schiris, gehören einfach zum Spiel dazu. Ich behaupte sogar: Auch Fehler machen den Reiz des Spiels aus.

Das Wembley-Tor 1966 oder Maradonas mit der "Hand Gottes" erzieltes Tor bei der WM 1986 haben Geschichte geschrieben, diese Fehler gehören zum kollektiven Gedächtnis aller Fußballliebhaber.

Außerdem wird das Spiel auch jetzt schon viel zu oft unterbrochen. Sollte der Videobeweis kommen, würde sich das noch zuspitzen. Und überhaupt: Wo fängt man an, wo hört man mit dem Video-Beweis auf? Soll jede Abseitsentscheidung überprüft werden? Das hätte für mich nichts mehr mit dem Spiel zu tun, das so viele lieben. Zumal auch nicht alle Szenen trotz mehrfacher Video-Analyse immer eindeutig bewertet werden könnten.

Rudi Völlers Wutausbruch vom Samstag hätte es mit Video-Beweis nicht gegeben. Wo bleiben in Zukunft die Emotionen und Diskussionen?

Ich liebe den Fußball, so wie er ist. Mit all seinen Fehlern.

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