vergrößernverkleinern
Andre Breitenreiter (l.) und Thomas Tuchel sind heiß © SPORT1-Grafik Philipp Heinemann/Getty Images

München - Zum ersten Mal überhaupt treffen Thomas Tuchel und Andre Breitenreiter aufeinander. Ihr Aufstieg und Erfindungsreichtum eint sie - beim Image beginnen die Unterschiede.

Beim Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04beißen Hunde Hintern, treffen Torhüter und jubeln Batman und Robin. Die Trainer stehen selten im Mittelpunkt.

Die 147. Auflage (ab 15.30 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) ist neben all der schwarzgelb-königsblauen Folklore aber auch das Treffen zwei der spannendsten Namen auf deutschen Trainerbänken. SPORT1 vergleicht Thomas Tuchel und Andre Breitenreiter.

Beliebtheit

Schalkes Fans empfingen Breitenreiter vor dieser Saison ausgesprochen wohlwollend. Seine realistische Art kam an, im Verein ist man offenbar gesättigt von großen Namen, die viel versprechen und wenig halten.

Auch nach zuletzt ärmeren Ergebnissen bekommt er Zeit. Die große Liebe ist es noch nicht, aber der Verein hat bewiesen, dass er sich tatsächlich zu hundert Prozent auf einen Trainer mit Breitenreiters Vita einlassen kann. Zunächst.

Auch Tuchel schlug Freundlichkeit entgegen beim BVB, am Anfang aber von Fanseite her zurückhaltender als bei Breitenreiter. Die bisherigen Torfeste haben seine Position natürlich gestärkt.

Außerdem überraschte Tuchel viele beim BVB mit seiner Lockerheit. Das eine Jahr Pause hat ihm gut getan – und ihm war wohl bewusst, dass er unbedingt die Gunst des Publikums in Dortmund braucht.

Triumphe

Tuchel ist schon zweimal als Trainer deutscher Meister geworden, mit dem VfB Stuttgart und dem FSV Mainz. Jeweils mit der A-Jugend, was ihm die Tür zur Bundesliga öffnete.

Mit den Mainzern gelang ihm dann 2010/11 die beste Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte, insgesamt zweimal führte er den Klub in die UEFA Europa League.

Breitenreiters Erfolge nehmen sich dagegen bescheiden aus: Den Bundesliga-Aufstieg mit Paderborn 2014 hätte aber wohl kaum ein Kollege so hinbekommen.

Erstmals auf sich aufmerksam gemacht hatte er 2012, als er mit dem Regionalligisten TSV Havelse den Niedersachsenpokal gewann und anschließend in der ersten Runde des DFB-Pokals den damaligen Erstligisten Nürnberg bezwang.

Taktik

So wie an Jürgen Klopp "Heavy Metal" und an Huub Stevens die "Null" haftet an Tuchel der "Matchplan". Immer wieder erzählt Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, wie Tuchel mit seiner eigentlich unterlegenen Mainzer A-Jugend 2009 im Meisterschaftsfinale den BVB vorführte.

Tuchel fordert extrem viel von seinen Spielern, wechselt die Systeme während einer Partie ähnlich oft und gern wie Bayerns Trainer Pep Guardiola.

Breitenreiter dagegen gilt weniger als taktik- und theoriebesessen, zumindest stellt er sich selbst nicht so dar.

Sein Weg mit Paderborn zeigt aber: Auch er lässt sich gerne etwas einfallen gegen Mannschaften mit mehr Stars und mehr Geld. Beide tüfteln gerne, wie Daniel Düsentrieb.

In dieser Saison gehen sie erstmals mit ihren neuen Mannschaften meist als Favoriten in Spiele und müssen öfter Lösungen gegen tief stehende Gegner finden.

Emotionen

Tuchel und die Schiedsrichter: Nach mehreren Punktverlusten Ende September suchte er einen Grund dafür bei Fehlentscheidungen seiner Mannschaft.

Schon in Mainz war er einige Male mit den Offiziellen aneinandergeraten, stellte gar die Theorie auf, seine Elf werde "krass benachteiligt", weil ihn die Schiedsrichter nicht leiden könnten.

Auch Breitenreiter flog als Trainer in Paderborn wegen Schiedsrichter-Zoff aus dem Innenraum. Bei Presseterminen hält er sich aber in diese Richtung zurück.

Generell gibt Tuchel an der Seitenlinie mehr Gas als Breitenreiter, wobei er sich im Vergleich zu seiner Anfangszeit in Mainz etwas entspannt hat.

Spielerkarriere

Breitenreiter spielte 144-mal in der Bundesliga für Hamburg, Wolfsburg und Unterhaching.

BREITENREITER/ZIMMERMANN/SpVgg UNTERHACHING
Andre Breitenreiter (l.) feiert mit Unterhachings Matthias Zimmermann 2000 den Klassenerhalt © Getty Images

1993 nahm er an der U20-WM in Australien teil und schoss zwei Tore, schied dennoch an der Seite von Carsten Jancker, Max Eberl oder auch Torsten Lieberknecht in der Vorrunde aus.

Tuchel schaffte es als Spieler früh in die 2. Bundesliga, machte dort als Teenager eine Handvoll Spiele für die Stuttgarter Kickers.

Als er dann 1998 mit Ulm unter Trainer Ralf Rangnick in die 2. Liga aufstieg, war seine Karriere wegen eines Knorpelschadens mit 24 Jahren beendet.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel