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Aus dem Rennen um den Ballon d'Or: Arjen Robben, Thomas Müller, Robert Lewandowski und Manuel Neuer (v.l.)
Aus dem Rennen um den Ballon d'Or: Arjen Robben, Thomas Müller, Robert Lewandowski und Manuel Neuer (v.l.) © SPORT1-Grafik: Paul Haenel / Getty Images

München - Der FC Bayern München geht auch in diesem Jahr beim Ballon d'Or leer aus - und hat auch langfristig schlechte Karten. Das hat nicht nur sportliche Gründe.

Auch für Platz drei reicht es für den FC Bayern München diesmal also nicht.

Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Neymar sind die Kandidaten für den Ballon d'Or 2015, der am 11. Januar kommenden Jahres verliehen wird (LIVESTREAM auf SPORT1).

Manuel Neuer und Franck Ribery, 2014 bzw. 2013 die Konkurrenten Messis und Ronaldos, sind bei der Kür zum Weltfußballer außen vor - ebenso Robert Lewandowski, Thomas Müller, Arjen Robben und Arturo Vidal, die wie Neuer noch auf der 23 Mann starken Shortlist standen.

Es gibt in den Augen der Juroren offensichtlich etwas, was den Bayern-Spielern fehlt im Vergleich zu den drei Ausnahmekönnern. Und es gibt für diese Einschätzung wohl nicht nur sportliche Gründe.

Sportliche und systematische Gründe

Ganz klar: Für die Wahl Ronaldos, Messis und Neymars sprechen schlagkräftige Argumente. Letztere haben mit dem FC Barcelona die Champions League gewonnen und auf dem Weg dorthin die Bayern souverän ausgeschaltet, die beiden Südamerikaner prägten den Triumph.

Und Ronaldo ist eben Ronaldo, der Titelverteidiger ist im laufenden Kalenderjahr noch vor Messi und Neymar mal wieder der erfolgreichste Torschütze Europas.

Es sind aber eben nicht nur diese Verdienste, die den Dreien einen Vorteil im Kampf um den Goldball verschaffen. Es ist auch das System hinter dem Ballon d'Or.

Star-Power ist ein Vorteil

Aus 209 Ländern kommen die Wahlmänner, es sind die Nationaltrainer und die Kapitäne der FIFA-Mitgliedsverbände, sowie ausgewählte Journalisten - und womöglich beruht nicht jedes dieser Voten auf einem gründlichen Vergleich aller Leistungsdaten.

Weltstars wie Ronaldo, Messi und Neymar, die auch in Sri Lanka, St. Kitts & Nevis und im Südsudan jeder kennt, haben durch diesen Modus einen Vorteil.

Eher einen Malus haben Spieler, deren Leistung vielleicht ähnlich gut sind, aber nicht so spektakulär, dass sie in alle Weltwinkel strahlt: Abwehrspieler, defensive Mittelfeldmänner oder eben auch Spieler, deren Heimatligen international weniger wahrgenommen werden. Die Bundesliga gehört noch immer zu diesen Ligen.

Deutsche Kandidaten nur zu besonderen Anlässen

Die Erfahrung zeigt: Bundesliga-Spieler haben bei der Weltfußballer-Kür nur dann eine Chance, wenn sie in einem größeren Wettbewerb glänzen.

Neuer öffnete im vergangenen Jahr der WM-Titel das Tor zu den Top 3, Ribery 2013 der Münchener Champions-League-Triumph. Oliver Kahn hatte 2002 seine große WM, bei Jürgen Klinsmann 1995 dürfte das halbe Jahr in England bei Tottenham Hotspur mehr Eindruck gemacht haben als das bei Bayern.

Und auch Lothar Matthäus, der bislang letzte deutsche Weltfußballer, gewann die Trophäe 1991 nicht im Trikot der Bayern, sondern im Dress des UEFA-Pokalsiegers Inter Mailand.

Auslandsvermarktung als Schwachpunkt

Es braucht besondere Umstände, damit die Bundesliga ins weltweite Rampenlicht rückt, das dürfte damit zu tun haben, dass sie auf den internationalen Märkten lange recht untätig war.

Das hat sich geändert, aber die Kluft ist bis heute groß: Für die laufende Saison rechnet die DFL mit 160 Millionen Euro Umsatz aus der Auslandsvermarktung, die spanische Primera Division ist hier bei geschätzten 600, die englische Premier League bei 800 Millionen.

"Im Ausland scheint die Bundesliga noch nicht so richtig angekommen, obwohl hier ein großes Potenzial lauert", hielt die Beratungsfirma PR Marketing kürzlich in einer Studie fest. Zu "heimatlastig" sei ihre Vermarktung.

Die drei größten Facebook-Stars ganz vorne

Den FC Bayern trifft dieser Vorwurf eigentlich am wenigsten. Ein Büro in New York, eins in China, das bald dazukommt, internationale Trainingslager: Der Rekordmeister weiß ja, was im globalisierten Fußballgeschäft zu tun ist. Trotzdem sind seine Stars längst noch nicht so populär wie die der großen Konkurrenz.

Ein Blick zum Beispiel auf die Resonanz im sozialen Netzwerk Facebook: Müller hat dort 8,9 Millionen Anhänger, Neuer kommt auf 8,6 und Lewandowski auf 7,5 Millionen - kein Vergleich zu Neymar (54), Messi (81) oder gar Ronaldo, der mit 108 Millionen Fans der größte Facebook-Star überhaupt ist.

Gewiss kein reiner Zufall, dass die drei Fußballer mit den meisten digitalen Anhängern auch die mit den meisten Ballon-d'Or-Stimmen sind.

Arjen Robben hat übrigens gar keine offizielle Seite in dem Netzwerk. Für den Weltfußballer-Aspiranten von heute wohl eher kein Zukunftsmodell.

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