vergrößernverkleinern
Christian Seifert ist Geschäftsführer der DFL
Christian Seifert ist Geschäftsführer der DFL © Getty Images

Christian Seifert will den Interessen der Klubs gegenüber FIFA und UEFA mehr Nachdruck verleihen. Außerdem müsse sich die Bundesliga gegenüber Investoren öffnen.

Geschäftsführer Christian Seifert von der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat den internationalen Dachverbänden FIFA (Welt) und UEFA (Europa) verstärkten Widerstand gegen weitere Beschneidungen von Vereins-Terminen angekündigt.

In einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit trat der 46-Jährige außerdem für eine veränderte Haltung im deutschen Fußball gegenüber Investoren zugunsten besserer Finanzierungsmöglichkeiten der Klubs ein.

Dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) kreidete der DFL-Chef darüber hinaus in der WM-Affäre ein misslungenes Krisenmanagement an.

Demnach werden die Klubs ihre Interessen FIFA und UEFA gegenüber mit mehr Nachdruck vertreten.

"Werden in Zukunft nicht mehr einfach zusehen"

"Wir werden in Zukunft nicht mehr einfach dabei zusehen, wie die UEFA mit immer neuen Ideen wie Freundschaftsspielen im Wettbewerbsmodus und einer ausgedehnten EM den Klubs und Ligen immer mehr Raum nimmt. Auch die Idee einer Erweiterung der WM auf 40 Teams durch die FIFA ist nur ein weiterer Beleg, dass ohne sportlichen Sinn Spieler, Klubs und Ligen belastet werden", sagte Seifert.

Und drohte mit der Möglichkeit eines Boykotts von Titelkämpfen durch die Vereine: "Wenn sich der professionelle Fußball aus irgendwelchen Gründen entscheiden würde, keine Spieler mehr für ein Turnier abzustellen, dann wäre bei der FIFA noch schneller das Licht aus."

Seiferts Meinung nach müssen die Ligen und Verein ihrem tatsächlichen Gewicht auf internationaler Ebene den Dachorganisationen auf Augenhöhe begegnen können: "Klubs und Ligen müssen handlungsfähig werden. Ein erster Schritt wäre beispielsweise, wenn wir in Zukunft als Ligen-Vertreter in FIFA- und UEFA-Meetings nicht mehr als Nebenfiguren abgekanzelt würden."

Seifert für veränderte Haltung gegenüber Investoren

In der Debatte über die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Teams im internationalen Vergleich hält der DFL-Boss eine Aufweichung der 50+1-Regel im Vergleich zu höheren Ticketpreisen oder Salami-Spieltagen offenbar für die praktikabelste Möglichkeit zur Erschließung neuer Geldquellen.

"Wer eine dichtere Spitze und damit eine hohe Qualität und Spannung um die Meisterschaft möchte, muss dazu stehen, dass dann einige Klubs deutlich mehr Finanzmittel benötigen. Allein auf die Vergabe der nationalen Medienrechte zu setzen, reicht nicht aus", erklärte er und betonte: "Während wir noch über Scheichs lästern, kommt eine neue Welle von Investoren, und danach kommt irgendwann die nächste. Wir können zwar damit hadern, sagen: 'Mein Güte, hört das denn nie auf?' Die Antwort lautet: Nein."

In der WM-Affäre hätte der DFB nach Seiferts Dafürhalten direkt nach Ausbruch des Skandals durch einen offensiveren Umgang mit dem Thema die negative Entwicklung der vergangenen Wochen verhindern können.

"Es wäre besser gewesen klarzustellen: 'Unabhängig von einer heutigen rechtlichen Bewertung gab es Verträge, Vereinbarungen und Gespräche, die im Lichte des Jahres 2015 möglicherweise anders aussehen als im Jahr 2000. Und alles, was wir dazu haben, legen wir offen.'"

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel