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Für den Geschmack von Fredi Bobic verlieren einige Münchner Stars aktuell ein wenig das Wesentliche aus dem Fokus © SPORT1-Montage: Paul Hänel/Getty Images/Instagram

München - Fredi Bobic lobt in seiner SPORT1-Kolumne die Arbeit von Andre Schubert in Gladbach und wundert sich über die Bayern-Profis. Bei der Eintracht ist er zuversichtlich.

Hallo Fußball-Freunde,

Fußball braucht Helden. Am besten solche, die von ganz unten kommen und direkt auf dem Olymp landen. So einen wie André Schubert.

Der Trainer von Borussia Mönchengladbach hat am Niederrhein etwas fast Unvorstellbares geschafft: Von 18 auf 3 innerhalb von zehn Spieltagen. Eine Mannschaft, die lustvoll Angriffsfußball bietet und nun – als besonderen Höhepunkt – auch noch Branchenprimus Bayern München auseinander nimmt. Und das am Nikolausabend. Was kann es Schöneres geben?

Gemach! Die Gladbacher haben eine phantastische Leistung geboten, taktisch, spielerisch, einsatzfreudig. Und doch haben die Bayern selbst das Ergebnis bestimmt: durch etwas Laxheit vor dem gegnerischen Tor in der ersten Halbzeit, durch vielleicht drei Prozent weniger Laufbereitschaft als üblich, teils im Zweikampf etwas tranig.

Das reicht nicht gegen diese Borussen mit ihrem Superlauf, gepaart mit überbordendem Selbstvertrauen.

Ich bin zuletzt ein wenig in den sozialen Netzwerken von Spielern herumgesurft. Und gerade beim FC Bayern, dessen Coach nun wahrlich nicht im Verdacht steht, im Training nicht immer 101 Prozent zu verlangen, sieht man Videos mit welchen Körperteilen auch immer ein Lewandowski, ein Costa den Ball stoppen kann, mit welchen Beinverknotungen Thiago die Kugel annehmen kann und immer viel Spaß, viel Lockerheit.

Der Verein teilt diese Filmchen sogar. Nun will ich nicht sagen, dass das den Trainingsalltag darstellt. Aber es dokumentiert, dass die Spieler zu viele Nebensächlichkeiten im Kopf haben.

Irgendwie erinnert das alles fatal an die Lage der vergangenen Saison. Da gab es diese Phase der Nachlässigkeiten in Verbindung mit dem Ausfall vieler Stammspieler im Frühjahr. Dieses Jahr schon im Herbst. Dass die Münchner jetzt schon darauf einwirken können, macht mich für die internationalen Absichten des Vereins zuversichtlich.

Keinerlei Zuversicht sah man nach der Derbyniederlage gegen Darmstadt im Gesicht von Eintracht Frankfurts Vereinsboss Heribert Bruchhagen. Er sprach offen von einer Krise, in der sich sein Verein befindet, aber auch davon, gemeinsam mit Trainer und Manager, im für den Profifußball verantwortlichen Trio also, Ruhe zu bewahren, zu analysieren und zu verändern.

Nein, einen Trainerwechsel kündigte er damit nicht an. Bruchhagen und Armin Veh werden das im Verbund mit Bruno Hübner gemeinsam durchstehen und auch die Kurve bekommen, auch wenn davor viel Arbeit liegt.

Erschreckend, wenn ein Spieler wie Bastian Oczipka, der sich selbst vor wenigen Wochen noch für die Nationalmannschaft empfahl, im Spiel festgestellt haben will, dass keiner den Ball haben wollte. Angst ist im Abstiegskampf bekanntlich ein ganz schlechter Wegbegleiter.

Sechs Teams hängen nun richtig im Keller, wobei mich verwundert, dass der kampferprobte Huub Stevens in Hoffenheim noch nicht die richtigen Hebel gefunden hat.

Wenn ich einer Person aus diesem Vereins-Sextett den Klassenerhalt besonders wünsche, dann dem bereits erwähnten Heribert Bruchhagen. Wie er sich am Sonntag nach Spielschluss blass und mit zittriger Stimme erklärte, erweckte fast Mitleid.

Er ist eine der ganz großen Sportfunktionärs-Persönlichkeiten. Wäre er zehn Jahre jünger, wäre er für jedes vakante Amt, ob national oder kontinental, geeignet. Aber er will sich mit Saisonschluss zur Ruhe setzen. Diese tolle Karriere darf nicht in einem Scherbenhaufen enden.

Fredi Bobic gewann 1996 den EM-Titel mit der Nationalmannschaft, nachdem er in der Saison 1995/96 Bundesliga-Torschützenkönig geworden war. 1997 holte er mit dem VfB Stuttgart als Teil des "Magischen Dreiecks" den DFB-Pokal. 2006 wurde er  zum Abschluss seiner Spielerkarriere mit NK Rijeka kroatischer Pokalsieger. Internationale Erfahrung sammelte er auch als Spieler in England bei den Bolton Wanderers und als Geschäftsführer Sport und Marketing beim bulgarischen Klub Tschernomoretz Burgas. Von 2010 bis 2014 war der 43-Jährige beim VfB Stuttgart zunächst als Sportdirektor und ab 2013 als Vorstand Sport tätig. Darüber hinaus war Fredi Bobic bereits als Experte für SPORT1 bzw. das damalige DSF und den früheren Bundesliga-Sender LIGA total! aktiv.

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