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Borussia Moenchengladbach v FC Bayern Muenchen - Bundesliga
Arturo Vidal, Javi Martinez und Thomas Müller (v.l.) bekamen am Wochenende das ungewohnte Gefühl einer Niederlage zu spüren © Getty Images

München - Die Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach weckt böse Erinnerungen an die vergangene Saison. Karl-Heinz Rummenigge mahnt zur Konzentration - glaubt aber an den großen Coup.

Karl-Heinz Rummenigge nutze seine Bühne und sparte nicht mit großen Worten. "Ich spüre das, wir haben in diesem Jahr die Chance, alles zu packen!", rief der Vorstandsvorsitzende der versammelten Bayern-Familie auf der Weihnachtsfeier am Sonntagabend zu. Alles, das heißt im Fall nicht weniger als das Triple.

Nicht vermessen, angesichts der bisherigen Saison der Münchner, aber doch überraschend, so kurz nach der zuvor erlittenen 1:3-Pleite in Gladbach. Doch Rummenigge schob noch einen wichtigen Satz hinterher. Ein Satz, der offenbart, dass dem Ex-Nationalspieler die Art und Weise der Niederlage doch zu schaffen macht.

Kurzerhand übernahm er also die Rolle des Chefmahners von Sportdirektor Matthias Sammer und forderte Gehorsam und Treue von seinen Untergebenen: "Wir haben nur eine Chance, wenn wir noch mal alles dem FC Bayern unterordnen."

Keine Angst um die Meisterschaft

Auch wenn Leverkusens Trainer Roger Schmidt im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 der Meinung war, "dass der Meistertitel der Bayern nicht zementiert ist", glauben wohl nur die kühnsten, nach Spannung dürstenden Fans noch daran, dass die Schale im Mai nicht den Weg auf den Rathaus-Balkon der bayerischen Landeshauptstadt finden wird.

Doch die Meisterschaft alleine reicht in München eben nicht mehr - das machte Rummenigge am Sonntag noch einmal deutlich.

Einbruch in der entscheidenden Phase

Vielmehr geht es darum, im Liga-Alltag einen komplizierten Spagat zu bewältigen. Weiterhin souverän an der Spitze zu thronen, ohne dabei die Spannung für die entscheidende Phase in der Königsklasse zu verlieren - und so ein ähnliches Szenario wie im vergangenen Jahr zu vermeiden.

Mit elf Punkten Vorsprung auf den VfL Wolfsburg beendeten die Münchner ungeschlagen die Hinrunde in der Bundesliga. Auch in der Vorrunde der Königsklasse pflügten die Bajuwaren nur so durch die Stadien Europas.

Doch Ende April folgte ob der bereits entschiedenen Meisterschaft das böse Erwachen. Im Pokal reichten 20 schwache Minuten gegen den BVB, um den Traum vom Triple vorzeitig ad acta legen zu müssen. Es folgten drei Pleiten in der Liga und das Aus in der Champions League.

Die Anti-Schlendrian-Pleite gegen Gladbach kommt also vielleicht genau zur rechten Zeit. "Eine Niederlage hat immer dann etwas Gutes, wenn man aus ihr die richtigen Lehren zieht", betonte Rummenigge.

Typische Guardiola-Pleite

Zumal sie als Blaupause einer "typischen" Guardiola-Niederlage dient. Die Bayern haben im Jahr 2015 nur neun von 49 Pflichtspielen verloren. Sieben davon jedoch mit mindestens zwei Toren Differenz. Wenn die Münchner mal verlieren, dann also verhältnismäßig hoch. Auffällig ist zudem, dass auf ein Gegentor binnen kürzester Zeit oftmals das nächste folgt.

Und das hat Gründe. "Dass wir ein Gegentor bekommen, kann passieren. Aber danach haben wir unsere Ordnung verloren", analysierte Guardiola. Für den Kontrollfetischisten aus Katalonien wohl das schlimmste Zeugnis, das er seiner Mannschaft ausstellen kann. Und eines, das böse Erinnerungen weckt.

Real und Barcelona lassen grüßen

 In seinem ersten Jahr in München hatte Guardiola gegen den persönlichen Erzrivalen Real Madrid - auch auf Druck der Spieler hin - wie gegen Gladbach das Mittelfeld-Zentrum preisgegeben und scheiterte krachend.

Im verhängnisvollen Frühjahr dieses Jahres hielten sich die stark ersatzgeschwächten Bayern gegen Guardiolas Heimatklub FC Barcelona lange schadlos. Auch nach dem 1:0 durch Lionel Messi eine Viertelstunde vor dem Ende, hätten sie angesichts des Rückspiels in München noch alle Chancen auf das Finale gehabt.

Dann aber verloren sie, richtig: die Kontrolle. Zwei Tore später war der Traum vom Finale begraben und die Bayern ärgerten sich im Anschluss in Person von Thomas Müller über "die eigene Dummheit". Horror-Abend für Guardiola also statt triumphaler Rückkehr.

"Noch enger zusammenrücken"

In diesem Jahr soll und kann das alles anders werden. Davon ist Rummenigge überzeugt. Dafür müsse lediglich "dieser Klub noch mal ein Stück zusammenrücken".

Sein Trainer wird alles daran setzen, die Vorgaben von ganz oben umzusetzen. Dafür dürfen er und sein Team im Frühjahr vor allem eines nicht: Die Kontrolle verlieren.

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