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Hertha BSC spielt die beste Hinrunde seit sieben Jahren © SPORT1/Getty Images

Die Hauptstadt gewöhnt sich langsam wieder an Erfolg, für SPORT1-Kolumnist Fredi Bobic liegt das vor allem an zwei Männern. Bei Stefan Kießling geht Bobics Herz auf.

Hallo Fußball-Freunde,

Der Blick auf die Bundesligaspitze verrät seit Wochen Normalität. Bayern vor Dortmund. Wer das auch für das Saisonende tippt, wird bei Buchmachern keine großen Gewinne erwarten können.

Aber dann wird es schon interessant: Still und heimlich hat sich Hertha BSC auf den dritten Platz vorgearbeitet.

Daran überraschen erst einmal das "still" und "leise". Wo früher laute Töne gespuckt wurden und für den Hauptstadtklub ohne sportlichen Beleg eine besondere Rolle eingefordert wurde, ist zuletzt in aller Ruhe und Gelassenheit etwas entwickelt worden, was schon Beachtung verdient.

Der Architekt im Hintergrund ist sicherlich Präsident Werner Gegenbauer. Aber auch Vorstand Michael Preetz, der nicht immer unumstritten war, auch weil viel zu viel auf seinen Schulter lastet, hat sehr gute Arbeit geleistet.

Praktisch alle seine Neuverpflichtungen vor der Saison haben eingeschlagen. Und ich bin sicher: Niemand auf der Kommandobrücke wird nun ernsthaft auf einen Champions-League-Startplatz spekulieren.

Ein Platz in der UEFA Europa League sollte nun aber das realistische Ziel sein.

Diese seriöse Führungsarbeit des Gespanns Gegenbauer/Preetz im Verbund mit dem mit dem Hertha-Gen vollgepumpten Trainer Pal Dardai könnte anderen, nicht so erfolgreichen Klubs als Blaupause dienen.

Die Verpflichtung von Vedad Ibisevic war hier ein cleverer Schachzug und kein Risiko wie von vielen Zweiflern befürchtet.

Ich prophezeite sogar meinen Berlinern Freunden, dass Ibisevic mindestens zehn Saisontore machen würde. Nun steht er bereits bei sechs Treffern und sein Sturmpartner Salomon Kalou blüht mit ihm genauso auf!

Der Mittelstürmer, jene Gattung Fußballspieler, die weiß, wo das Tor steht, hat zuletzt wieder an Bedeutung gewonnen.

Nach lang anhaltenden Diskussionen um die falsche Neun und ähnlichem Blödsinn zeigen Pierre-Emerick Aubameyang, Robert Lewandowski, Javier Hernandez aber eben auch Ibisevic, wie wichtig sie im Fußball sind, was mich als ehemaligen Stürmer natürlich besonders freut.

Da auch Rudi Völler Vollblutstürmer war, kann ich gut verstehen, wenn er nun ein Machtwort spricht und der mit einem Vereinswechsel spekulierenden Leverkusener Vereinsikone Stefan Kießling deutlich macht, wo auch in der Rückrunde dessen sportliche Heimat ist.

Ich kann Kießlings Ungeduld ja gut verstehen. Auch ich musste mich zum Ende meiner Karriere, insbesondere bei Hertha BSC, mit der Rolle auf der Bank abfinden.

Man muss dann seinen Verantwortungsbereich neu definieren und da sein, wenn man die Chance bekommt.

Das gelang Kießling am Samstag eindrucksvoll. Damit widerlegte er auch Taktik-Zweifler, er könne nicht an Chicharitos Seite spielen.

Fredi Bobic gewann 1996 den EM-Titel mit der Nationalmannschaft, nachdem er in der Saison 1995/96 Bundesliga-Torschützenkönig geworden war. 1997 holte er mit dem VfB Stuttgart als Teil des "Magischen Dreiecks" den DFB-Pokal. 2006 wurde er  zum Abschluss seiner Spielerkarriere mit NK Rijeka kroatischer Pokalsieger. Internationale Erfahrung sammelte er auch als Spieler in England bei den Bolton Wanderers und als Geschäftsführer Sport und Marketing beim bulgarischen Klub Tschernomoretz Burgas. Von 2010 bis 2014 war der 43-Jährige beim VfB Stuttgart zunächst als Sportdirektor und ab 2013 als Vorstand Sport tätig. Darüber hinaus war Fredi Bobic bereits als Experte für SPORT1 bzw. das damalige DSF und den früheren Bundesliga-Sender LIGA total! aktiv.

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