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Carlo Ancelotti beerbt im Sommer Pep Guardiola als Trainer des FC Bayern München
Carlo Ancelotti beerbt im Sommer Pep Guardiola als Trainer des FC Bayern München © Getty Images

München - Pep Guardiola geht im Sommer 2016, Carlo Ancelotti kommt. Was erwartet den FC Bayern München unter dem neuen Mann? Wie wird der Italiener den Klub verändern? Ein Ausblick.

Was ändert sich in Sachen Spielidee?

Pep Guardiola hatte in dieser Hinsicht einen fundamentalen Kulturwandel nach München gebracht: Den traditionellen Kerngedanken, dass Bayern Bayern ist und der Gegner sich gefälligst danach zu richten habe - Fachausdruck: Mia san mia -, stellte er vom Kopf auf die Füße.

In exzessiver Detailarbeit trichterte er dem Team auch für die Darm- und Ingolstadts dieser Liga exakt zugeschnittene Matchpläne ein. Nach SPORT1-Informationen ist nicht jeder Bayern-Spieler unglücklich darüber, dass damit bald Schluss ist.

Ancelottis Selbstverständnis ist dem bayerischen näher: Er passt seine Taktik nur in dosiertem Maße dem Gegner an, wenn er es aber tut, dann nicht selten mit durchschlagendem Effekt. Guardiola bekam es im Champions-League-Halbfinale 2014 zu spüren, Ancelotti richtete seine Taktik darauf aus, Bayerns Probleme bei Ballverlusten auszunutzen. Ergebnis bekannt.

Mit welcher Taktik wird Ancelotti spielen lassen?

Ancelotti ist kein Ideologe, er presst seine Spieler nicht in ein System, er entwickelt sein System anhand der Qualitäten seiner Top-Akteure.

Bei Milan setzte er seine Mittelfeldgrößen als Raute in Szene. Bei Chelsea strickte er um die Routiniers im Zentrum und Stürmerstar Didier Drogba ein simples, aber schlagkräftiges 4-3-3. Bei PSG und Real mischte er häufiger, immer mit Blick auf Zlatan Ibrahimovic und Cristiano Ronaldo. Treu blieb er dabei immer der Viererkette hinten.

Bayern bietet Ancelotti ein stabiles Gerüst aus diversen Stars, an dem der Italiener gewiss seltener basteln wird als Guardiola: Vorne Thomas Müller und Robert Lewandowski - laut AS war dessen Verbleib Bedingung für Ancelottis Zusage. Um sie herum eine starke Flügelzange mit Robben und Ribery bzw. deren Erben Costa und Coman, dahinter je ein etwas mehr nach vorn oder hinten agierender Mittelfeldmann: Pep-Liebling Thiago dürfte auch unter Ancelotti dort gesetzt sein, eine der Alternativen daneben: Xabi Alonso, dessen Vertragsverlängerung bis 2017 Ancelotti abgesegnet hat. Ein variables 4-4-2 als Grundsystem bietet sich an.

Was wird aus den Talenten?

Ancelotti kann gut mit Stars, das hat sich schon herumgesprochen. Die Frage ist: Geht das zu Lasten der Talente?

Zwischenmenschlich nicht, das hat Toni Kroos jüngst im Zeit-Interview klargestellt. Kein Spieler habe je ein böses Wort über ihn verloren, jeder habe ihm hinterhergetrauert, auch die, die nicht gespielt haben.

Nichtsdestotrotz monieren Kritiker, dass Ancelottis Fokus auf die Stars der langfristigen Entwicklung etwas im Weg stehe – der spielerischen allgemein, der der jungen Talente im Speziellen.

Letztlich jedoch ist für die Kimmichs, Gaudinos und Hojbjergs der Weg in Ancelottis Kader derselbe wie bei Guardiola: sich aufdrängen.

Und was aus Mario Götze?

Götzes Probleme, unter Guardiola seinen Platz zu finden, sind vielfach beschrieben, in dieser Saison bremste ihm nach gelungenem Start eine Verletzung aus.

Star-Streichler Ancelotti könnte die Atmosphäre schaffen, in der der WM-Finaltorschütze endgültig in München ankommt. Klappt es mit ihm nicht, sieht es düster aus – zumal Ancelotti sich in dem Fall auch nicht scheut die Konsequenzen zu ziehen.

Bei Mesut Özil zog Ancelotti in Madrid letztlich den Schlussstrich. Der DFB-Spielmacher wurde zum FC Arsenal verkauft, obwohl der Coach offen einräumte, dass er eigentlich die größere Klasse als Positionskonkurrent Angel di Maria hatte. Jedoch: "Ich bevorzuge seinen Charakter und die Tatsache, dass er dem Team mehr hilft."

Welche Neuzugänge könnte er mitbringen?

Ideen hätte Ancelotti schon einmal viele. Im vergangenen  Monat wurde Ancelotti in einer Radiosendung gefragt, welche Landsmänner er zu seinem nächsten Klub mitnehmen würde.

Er nannte gleich fünf: Die Stürmer Lorenzo Insigne (Neapel), Federico Bernadeschi (Florenz) und Paulo Dybala (Juventus) sowie Daniele Baselli (FC Turin) und Marco Verratti (PSG) fürs Mittelfeld.

Auf Guardiolas Spanier- also Ancelottis Italiener-Debatte? Eher nicht, es ist wohl eher eine hingeplauderte Aufzählung als eine konkrete Wunschliste gewesen.

Ein ähnlicher Fall: Gonzalo Higuain, über den er eben sagte, er würde ihn unter allen ausländischen Spielern "am liebsten in meiner Mannschaft haben". Der Argentinier wird allenfalls ein Thema, wenn Lewandowski mal weiterzieht.

Der künftige Coach ist kaum der Typ, der den bayerischen Klubfrieden umgehend mit einer Latte an Transferforderungen belasten würde. Sowohl sein Naturell als auch der starke Kader des Klubs sprechen dafür, dass in der neuen Saison nur punktuell nachgebessert wird.

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