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Pep Guardiola holte 2015 mit dem FC Bayern erneut den Meistertitel © Getty

München - Nach drei Jahren endet im Juli 2016 die Zeit des Spaniers beim FC Bayern. Der Trainer revolutionierte den Spielstil im deutschen Fußball. Wie viel davon bleibt, ist fraglich.

Er sollte eine neue fußballerische Ära beim FC Bayern München einläuten. Doch nach drei Jahren ist für Pep Guardiola Schluss. In seiner Amtszeit hat er den deutschen Fußball trotzdem geprägt wie nur wenige Trainer zuvor.

Guardiola und seine Vorstellungen von dominantem Ballbesitzfußball entfachten zahllose Debatten. Was mit dem Ex-BVB-Coach Jürgen Klopp und dessen Pressingstil begann, wurde unter dem Katalanen noch weiter vorangetrieben. Die taktische Arbeit rückte immer stärker in den Mittelpunkt von öffentlichen Diskursen.

(Mehr zum FC Bayern und dem Wechsel von Pep Guardiola zu Carlo Ancelotti Mo., ab 18.30 Uhr im TV bei Bundesliga Aktuell)

Van Gaal als Aufbauhelfer

Die Bayern unternahmen nach den Erfolgen von Jupp Heynckes einen folgerichtigen Schritt. Louis van Gaal, ein Bruder im Geiste Guardiolas, etablierte in seiner Amtszeit von 2009 bis 2011 bereits taktische Bausteine wie etwa strukturierte Zonenbesetzung und geduldige Ballzirkulation.

Van Gaal scheiterte teilweise an seiner dogmatischen Haltung. Guardiola hingegen hob das komplette Konzept ab 2013 auf ein neues Level.

Der 44-Jährige wehrt sich stets gegen den Vorwurf, er würde langweiligen Tiki-Taka-Fußball präferieren. "Man muss den Ball in einer bestimmten Absicht in den eigenen Reihen halten, in der Absicht nämlich, vors gegnerische Tor zu kommen und Schaden anzurichten", erklärte Guardiola seinen Leitsatz in Marti Perarnaus Buch "Herr Guardiola".

Was manche Kritiker nur als brotloses Ballgeschiebe interpretieren, ist in Wirklichkeit Positionsspiel (Juego de Posicion) auf allerhöchstem Niveau. Für Guardiola bedeutet das in erster Linie, dass sein Team in jeder Situation bestimmte Zonen auf dem Spielfeld besetzt.

Welche Räume genau besetzt werden, hängt von der Position des Balles ab. Da sich das Spielgerät ständig bewegt, ist auch die Mannschaft als Ganzes unablässig in Bewegung.

Komplexes Fußballverständnis

In den letzten zweieinhalb Jahren entwickelte sich beim Münchener Publikum ein gewisses Verständnis für diese geduldige, sehr durchdachte Art von Fußball. Obwohl hierzulande weiterhin eine Vorliebe für intensives Pressing und rasantes Umschalten vorzuherrschen scheint, hat Guardiola ein partielles Umdenken bewirkt.

Und wenngleich es ihm insbesondere die vielen tiefstehenden Bundesligisten Woche für Woche nicht leicht machen, stellt Guardiola regelmäßig unter Beweis, dass er auf die meisten Fragestellungen eine Antwort findet. Die Hinrunde schloss der FCB so mit dem Rekord von 46 Punkten ab.

Taktische Elemente wie eine offensive Dreierabwehr, David Alabas Rolle als "Halbraumlibero" oder die einrückenden Außenverteidiger im Mittelfeld hat der Katalane nicht etabliert, weil er sich als Anführer einer besonderen Avantgarde versteht. Er hat sie eingeführt, weil sein Verständnis von Fußball komplex - und komplexer als das der meisten Fußballlehrer ist.

Misserfolge in der Königsklasse

Doch zu Pep Guardiolas Vermächtnis gehört ebenso der zweifache Misserfolg im Champions-League-Halbfinale. Das Duell mit seinem Nachfolger Carlo Ancelotti und Real Madrid im Jahr 2014 entwickelte sich zu einer Blamage. Weil er für einen Moment seine Grundsätze verriet.

Nach einer dominanten Vorstellung in Madrid, als Bayern jedoch mit 0:1 verlor, ließ sich Guardiola von seinen Spielern überzeugen, die Mannschaft vertikaler einzustellen. Die sonst so wichtige Kontrolle im Mittelfeld war dahin. Das Experiment mit einem weniger strukturierten 4-2-4 ging in die Hose. Madrid triumphierte 4:0 in der Allianz Arena.

Ein Jahr später wurden die Bayern dann vom FC Barcelona auseinandergenommen. Mit großen Verletzungssorgen im Gepäck experimentierte Guardiola beim Auswärtsspiel und fand nie die Mittel gegen Lionel Messi und seinen Ex-Klub.

Für Kritiker lieferten diese Partien den Beweis: Guardiola wäre nur ein Scharlatan, der mit einem überlegenen Kader die Bundesliga gewinnen kann, aber bei Duellen auf Augenhöhe regelmäßig scheitert.

Unterschiede zu Ancelotti

Dass der FC Bayern mit Ancelotti nun einen Nachfolger präsentiert, der wenig mit Guardiola gemein hat, könnte an der Auswahl auf dem internationalen Trainermarkt liegen. Eine andere Deutung: Sie fremdeln beim Rekordmeister insgeheim immer noch mit Guardiola.

Denn Ancelotti ist ein Pragmatiker wie Heynckes. Er versteht sich als taktischer Opportunist, der vor allem auf die individuellen Qualitäten seiner Stars baut.

Im Sommer 2016 endet nicht nur die Amtszeit Guardiolas. Auch dessen Einfluss auf den Fußball der Münchener könnte bald schon verblasst sein.

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