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Doha - Der FC Bayern bereitete sich in Katar auf die Rückrunde vor. Es war die letzte große Reise mit Pep Guardiola als Trainer. SPORT1 fasst das Trainingslager zusammen.

Um 11.02 Uhr Ortszeit pflügte am Dienstag das letzte Golfkart über den perfekt gemähten Rasen der Aspire Academy in Doha. Zum letzten Mal bahnten sich Arjen Robben Co. über die exquisite Terrasse des Grand Heritage Hotels den Weg durch die wartende Menge ins Mannschaftsquartier.

Zehn mehr oder weniger intensive Trainingseinheiten, ein Mannschaftsabend auf Banana Island und königliche Bedingungen: sechs Tage lang bereitete sich der FC Bayern München im Wüstenstaat Katar auf die Rückrunde vor.

SPORT1 hat die Bayern vor Ort begleitet und fasst die wichtigsten Erkenntnisse aus Doha zusammen.

  • Der Kämpfer: Guardiola keine lahme Ente

Sollte irgendjemand die Sorge gehabt haben, dass Pep Guardiola in seinem letzten halben Jahr in Sachen Akribie auch nur ansatzweise nachlassen würde, hat ihn dieses Trainingslager eines besseren belehrt.

Der Katalane wirkte noch fokussierter, führte sehr viele Einzelgespräche und lieferte sich gestenreiche Debatten mit seinen Co-Trainern. "Ich werde hier bis zur letzten Sekunde kämpfen", kündigte er am Montag mit heiserer Stimme an.

  • Die Verletzten: Das Lazarett lichtet sich

Die andauernden und immer wiederkehrenden Verletzungen sind ein Dauerthema in der Amtszeit von Guardiola. Unabhängig von der Frage, wer die Schuld an der Misere trägt, hat sich die Situation in den letzten Tagen aber wieder verbessert.

David Alaba und Arjen Robben sind ins Mannschaftstraining zurückgekehrt, Medhi Benatia und Franck Ribery könnten in zwei bis drei Wochen wieder am Teamtraining teilnehmen. Mario Götze benötigt zwar noch etwas mehr Zeit, doch auch er hatte am Montag bereits wieder einen Ball am Fuß.

  • Das Sorgenkind: Mario Götze

Apropos Götze. Obwohl der 23-Jährige kaum präsent war, sorgte er für den Aufreger in einem ansonsten äußerst harmonischen Trainingslager.

Mit unglücklichen Aussagen befeuerte er erneut die Gerüchte über einen möglichen Abgang und torpedierte damit den Wunsch von Sportvorstand Matthias Sammer, alle Nebengeräusche auszuschalten.

Später schwor er dem Klub dann aber doch die Treue und erklärte, ein Gesicht der Bayern werden zu wollen. Die Klasse dazu hat er ohne Frage. Vielleicht wird sie Guardiolas Nachfolger Carlo Ancelotti aus ihm herauskitzeln.

  • Die Neuentdeckung: Christian Früchtl

Egal ob mit Schuhgröße 50, wie überall zu lesen, oder doch nur 48 1/3, wie Manuel Neuer erzählte: Christian Früchtl hat Spuren hinterlassen.

Als 15-Jähriger reiste er mit den Profis nach Doha und ist damit der jüngste Bayern-Spieler, der jemals einem solchen Trip beiwohnen durfte. Da Früchtl Torwart ist, konnte er auch noch eine Woche lang von Manuel Neuer lernen.

Neben Früchtl fügten sich auch die anderen Youngster wie Fabian Benko oder Niklas Dorsch gut ein, auch wenn gerade Keeper Früchtl beim obligatorischen Einstandssingen mit dem Stimmbruch zu kämpfen hatte.

  • Der Schlüssel: Guardiolas Ende als Chance

Der Triple-Trainer von 2013 war auch bei den Spielern immer wieder ein Thema. "Wir wissen, wie es geht", sagte Offensivmann Robben.

"Damals hat einfach alles geklappt. Wir waren eine verschworene Gemeinschaft", ergänzte Neuer.

Sie alle hoffen, dass sich der Heynckes-Effekt auf die diesjährige Truppe überträgt. In Doha hatte man das Gefühl, dass Mannschaft und Trainer seit der Abschiedsverkündung enger zusammengerückt sind. Am Ende könnte das Guardiolas Ende vielleicht sogar der Schlüssel zum ganz großen Wurf werden.

  • Der Mr. FC Bayern: Thomas Müller

Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu, doch in Doha war Müller präsenter denn je. Der 25-Jährige gab im Training häufig den Ton an, nahm die jungen Spieler an die Hand, verteilte Lob aber auch mal einen Anpfiff.

Dazu schwang er sich am Montag zur Galionsfigur im Kampf gegen die Millionen der Premier League auf. "Meine Vertragsverlängerung war ein Statement vom Verein und von mir, dass wir zueinanderstehen und gemeinsam große Ziele verfolgen", sagte Müller: "Sicherlich ist das auch ein Zeichen, dass der FC Bayern eine Adresse ist, die man nicht verlässt, auch wenn in England aktuell natürlich viel geboten wird."

  • Die Aussichten: Europas Thron noch weit entfernt

Irgendwie war sie immer präsent, die Champions League. Kaum ein Spieler sprach über den Bundesliga-Auftakt gegen den HSV.

Das lag aber nicht am mangelnden Respekt, sondern an der Strahlkraft des Achtelfinals gegen den letztjährigen Finalisten Juventus Turin.

Nach holprigem Start hat Italiens Meister neun Ligaspiele hin Folge gewonnen, ist in absoluter Topform. Im Gegensatz zu den Bayern. "Wir sind aktuell noch nicht reif für den Titel", erklärte Guardiola: "Wir müssen noch kleine Schritte nach vorne machen."

Sonst droht das frühzeitige Aus in der Königsklasse. Aber, und auch das hat der Katar-Trip gelehrt: "Titel sind nur Nummern, Nummern sind Ziffern und Ziffern sind langweilig". Zitat: Pep Guardiola.

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