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Andre Schubert (r.) steht noch bis 2017 bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag
Man ist, wenn man in diesen Tagen an Andre Schubert (r.) denkt, natürlich schnell bei Robbie Williams © Getty Images

Andre Schubert wird versehentlich in der Kabine eingesperrt - ein Rock 'n' Roll-Augenblick, den der Fußball gerade gut brauchen kann. Hoffmanns Erzählungen.

Man ist, wenn man in diesen Tagen an Andre Schubert denkt, natürlich schnell bei Robbie Williams.

Bei "Supreme" vor allen Dingen, dem schönen Song mit der noch schöneren Video-Hommage an die Formel 1 der siebziger Jahre: schnelle Autos, schöne Frauen und Williams als tollkühner Gentleman-Racer mit Koteletten, Pfeife und Blues-Gitarre. Er rast um den Titel, crasht, stirbt beinahe in seinem brennenden Boliden, kommt zurück und verpasst dann doch das große Weltmeisterschaftsfinale - weil sein Betreuer ihn versehentlich in seinem Wohnwagen einschließt.

Andre Schubert, Sie haben es mitbekommen, hat in dieser Woche unter ähnlich dramatischen Umständen fast die zweite Hälfte eines Testspiels gegen den türkischen Klub Sivasspor verpasst.

Betreuer Rolf Hülswitt - Spitzname: der General - sperrte die Mönchengladbacher Kabine ab, ohne zu merken, dass der Trainer sich noch in ihr befand.

Durch minutenlanges Hämmern und Klopfen konnte Schubert auf seine Situation aufmerksam machen und befreit werden - wobei es dem Express zufolge dann zu folgendem Dialog kam:

"Der 44-Jährige zischte den ‚General‘ kurz an: 'Ihr müsst auch aufpassen, wenn ihr hier abschließt.' Der 'General' antwortete verlegen: 'Ich hab doch noch gerufen, ob jemand da ist.'"

Den Beobachtern der Szenerie blieb dennoch keine Wahl als festzuhalten: "Heidewitzka, da ist aber jemand kurz mal sauer gewesen!"

Martin Hoffmann schreibt seit 2009 für SPORT1 die Kolumne "Hoffmanns Erzählungen"
Martin Hoffmann schreibt seit 2009 für SPORT1 die Kolumne "Hoffmanns Erzählungen" © SPORT1

Ich weiß, was Sie an dieser Stelle zu fragen pflegen. Tja na und, werden Sie fragen: In der Zeit, die mich das Lesen dieser Kolumne bis jetzt gekostet hat, haben bestimmt schon wieder acht englische Vereine um die 280 Millionen Pfund für irgendwas geboten, bei Real und Atletico Madrid brennt nach der Transfersperre der Baum, im Dschungelcamp sicher auch wieder die Hölle los - und Sie kommen mir hier mit General Hülswitt und Heidewitzka.

Schon klar, alles nicht so bedeutsam im Vergleich, einerseits.

Und andererseits auch wieder doch genau das: Ein Bundesliga-Trainer, der in seiner Kabine eingesperrt wird - was für eine Geschichte. Gerade in diesen Zeiten, in denen der professionelle Fußball eine ähnliche Entwicklung genommen hat wie die Formel 1: Da wie dort trägt niemand mehr Koteletten, raucht niemand mehr Pfeife, spielt niemand mehr Blues-Gitarre.

Ist alles viel professioneller geworden, was natürlich gut so ist, einerseits. Andererseits ist das eben auch nichts, worüber die Rockstars in 30 Jahren romantisch verklärende Musikvideos drehen werden.

Dass es in diesen Zeiten dennoch möglich ist, dass ein Andre Schubert von Betreuer Rolf Hülswitt in der Kabine eingesperrt wird und die Zeitung hinterher "Heidewitzka" schreibt ist ein wohltuender Hauch jener charmanten Unperfektion von einst, ein Stück Winterpausen-Nostalgie, es ist - siehe Robbie Williams - eine Rock 'n' Roll-Moment im besten Sinne.

Wenn die Engländer von diesem Moment hören, sie werden wahrscheinlich rund 45 Millionen Pfund für ihn bieten.

Aber ich für meinen Teil werde ihn auf keinen Fall ziehen lassen.

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