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Thomas Schaaf im Regen
Thomas Schaaf steht nach zwei Bundesliga-Spielen mit Hannover noch ohne Punkt da © Getty Images

München und Leverkusen - Die Aufbruchstimmung nach der Verpflichtung von Thomas Schaaf weicht in Hannover einer erneuten Krise. Dafür sorgt ausgerechnet einer, der fast bei 96 gelandet wäre.

Thomas Schaaf wusste, was auf ihn zukommen würde, als er kurz vor dem Jahreswechsel einen Vertrag bei Hannover 96 unterschrieb. Auch wenn Präsident Martin Kind eine "Aufbruchstimmung" ausgemacht haben wollte, blieb der Trainer-Routinier realistisch.

"Es wird am Anfang holprig sein", kündigte der 54-Jährige bei seiner Vorstellung an und fügte im SPORT1-Interview hinzu: "Die Rettung wird schwierig genug."

Einen Monat und zwei Bundesliga-Spiele später dürfte Schaaf spätestens klar sein, wie schwierig es wird, die krisengeschüttelten Hannoveraner zum Klassenerhalt zu führen. (Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Zieler: "Eine ganz beschissene Situation"

Bei Bayer Leverkusen kassierten die Niedersachsen eine deutliche 0:3-Niederlage, nachdem es zum Rückrundenauftakt bereits ein bitteres 1:2 zu Hause gegen Aufsteiger Darmstadt 98 gesetzt hatte. "Wir haben besser gespielt als gegen Darmstadt, so blöd sich das heute anhört", sagte Schaaf zwar, musste aber auch zugeben: "Natürlich sind wir enttäuscht über das Ergebnis."

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Die Enttäuschung war auch bei 96-Torwart Ron-Robert Zieler deutlich zu spüren. Man sei "in einer ganz beschissenen Situation. Tabellenplatz 18, 14 Punkte, da sind wir selbst nicht zufrieden. Da strotzt man natürlich auch nicht vor Selbstvertrauen, das ist ganz klar." (Die Tabelle der Bundesliga)

Tatsächlich wird die Rote Laterne wohl auch nach dem Wochenende in Hannover hängen, nachdem die Niedersachsen in der Vorwoche erstmals seit dem 7. Spieltag auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht waren. Wo ist sie also hin, die Aufbruchstimmung?

Chicharito und Kießling nicht zu stoppen

"Die Euphorie war am Anfang natürlich deutlich größer", gestand Zieler: "Mit den beiden Ergebnissen jetzt hat sich das relativiert". Sie hätten zwar schon versucht, "gewissen Dinge umzusetzen unter dem neuen Trainer. Aber man sieht natürlich auch, dass das noch nicht zu 100 Prozent funktioniert", sagte der Keeper. "Das geht nicht von heute auf morgen."

In Leverkusen wurden die Unterschiede zwischen Abstiegskandidat Hannover und den um die Champions League spielenden Gastgebern spätestens nach der Pause deutlich. Insbesondere das Sturmduo Stefan Kießling und Javier "Chicharito" Hernandez stellte die 96-Defensive vor letztlich unüberwindbare Probleme.

Besonders bitter aus Sicht der Hannoveraner: Matchwinner Kießling, der das Tor zum 1:0 selbst erzielte und den Elfmeter zum 2:0 herausholte, wäre im Winter fast bei 96 gelandet.

Kießling: "Es ist viel passiert vor Weihnachten"

Kurz bevor der Wechsel über die Bühne gehen sollte, erkämpfte sich der lange zum Reservisten degradierte Torjäger aber seinen Stammplatz bei Bayer zurück. Sportchef Rudi Völler sprach ein Machtwort - und Kießling blieb.

"Es ist viel passiert vor Weihnachten", sagte Kießling nach der Partie gegen seinen Fast-Arbeitgeber betont gelassen: "Die Entscheidung ist so ausgefallen, und nachzutrauern wäre falsch. Dass ich jetzt spiele und treffe, tut natürlich gut. Deshalb braucht man nicht mehr groß über die Situation zu reden."

Um ihn herum waren dann aber doch alle froh, dass Kießling die Werkself nicht verlassen hatte. "Sonst hätte er heute vielleicht auf der anderen Seite getroffen", stellte Klub-Chef Michael Schade fest.

96 hofft auf Almeida und Szalai

Trainer Roger Schmidt betonte noch einmal, "dass niemand in Leverkusen wollte, dass er geht. Wir sind alle froh, dass er geblieben ist." Und Hannover hätte an Kießlings Stelle in Hugo Almeida und Adam Szalai schließlich "die bestmöglichen Alternativen gefunden".

Im direkten Aufeinandertreffen mit Kießling war davon zwar wenig zu sehen, aber auch Zieler erklärte, "dass wir mit den beiden da vorne schon noch mal Qualität dazugewonnen haben".

Wann sich das auch in Ergebnissen widerspiegeln werde, wurde Zieler auch noch gefragt. Eine Antwort hatte der Nationalkeeper zwar nicht parat, aber eines sei klar: "Dass wir natürlich nicht aufgeben."

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