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Der FC Bayern München bereitet sich seit sechs Jahren in Katar auf die Rückrunde vor
Der FC Bayern München bereitet sich seit sechs Jahren in Katar auf die Rückrunde vor © Getty Images

München und Doha - Zum sechsten Mal trainiert der FC Bayern München in Katar. Die Reise ist auch bei den Fans umstritten. Die Klub versichert, "das Beste" daraus zu machen.

Philipp Lahm beherrscht die Kunst des diplomatischen Sprechens.

Kein Wunder also, dass es am Mittwoch am Kapitän des FC Bayern München war, über den heiklen Aspekt der eben begonnenen Trainingslager-Reise zu sprechen.

"Die Mannschaft und alle im Verein beschäftigen sich mit dem Thema, was in Katar los ist", sagte er vor dem Abflug nach Doha. Und nein, die Mannschaft werde "nicht die Augen zumachen".

Was immer das konkret zur Folge haben mag.

Auch Dortmund und Frankfurt am Golf

Ein großer Fußballklub macht sich auf in einen autoritär regierten Staat: Wie immer wirft das Fragen auf, bei Bayern, auch bei Borussia Dortmund, die in diesem Winter in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten ihre Zelte aufschlagen, auch bei Eintracht Frankfurt (ebenfalls Katar).

Nicht nur bei den Münchenern ist es also üblich geworden, sich zu präsentieren in den Golf-Monarchien, die zugleich lukrative Märkte sind. Es ist aber - wie fast immer - die Reise der FC Bayern, die die größte Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Zum sechsten Mal nacheinander bereitet sich der Rekordmeister in der weitläufigen Aspire Academy vor. "Wir haben", sagte Klubchef Karl-Heinz Rummenigge, dort "gute Erfahrungen" gemacht.

Die Reise im vergangenen Jahr allerdings geriet zum PR-Desaster, weil die Münchner auf dem Rückweg noch ein Spiel in Saudi-Arabien absolvierten. Just zu einem Zeitpunkt, als dort ein bekannter Blogger ausgepeitscht werden sollte. Es hagelte Kritik, von allen Seiten.

Fan-Organisation sieht Reise kritisch 

Rummenigge räumte später ein, Fehler begangen zu haben, der FC Bayern, sagte er, hätte deutlicher ansprechen sollen, dass er "jede Bestrafung" verurteile, "die nicht im Einklang mit den Menschenrechten steht". Nur wenige Wochen nach der Reise nach Katar und Saudi-Arabien schuf er zudem die Abteilung Public Affairs: Ein ehemaliger Journalist der Süddeutschen Zeitung soll den Vorstand und seinen Vorsitzenden nun unter anderem dann unterstützen, wenn es um gesellschaftliche Themen geht.

Und Katar bleibt ein Thema. Unter anderem bei den Anhängern. Der Club Nr. 12, eine Dachorganisation aktiver Fans des FC Bayern, teilte auf Anfrage mit: "Wir betrachten die Reise nach Katar aufgrund der dortigen Menschenrechtsverletzungen sehr kritisch." Und nein, ergänzte der Sprecher, es habe nicht, wie behauptet, ein Gespräch mit dem Klub-Vorstand über das Thema gegeben. 

"Unglaublich, dass der FC Bayern nichts dazu lernt"

In Foren und sozialen Netzwerken kritisieren Fans, dass der FC Bayern nicht verantwortungsbewusst handele. Die Frankfurter Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk kritisierte den FC Bayern am Mittwoch in einer Kolumne für Focus Online und warf Klubchef Karl-Heinz Rummenigge dabei eine "erschreckende Verharmlosung der Probleme" vor Ort vor: Der FC Bayern "verbräme" diese Probleme mit dem Verweis auf eine "andere Kultur".

Özcan Mutlu, Sprecher für Sportpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, sagte, es sei "unglaublich, dass der FC Bayern nichts dazu lernt".

Auch sozialdemokratische Politiker des Europaparlaments hatten nach der Bekanntgabe des Trainingslagers Kritik an der Entscheidung geübt. In Katar gebe es "seit Jahren grobe Verletzungen der Menschenrechte", kritisierte Norbert Neuser, Koordinator des Ausschusses für Entwicklung. Die spanische Sozialdemokratin Elena Valenciano, Vorsitzende des Komitees für Menschenrechte, prangerte an: Die Bestrafungen in Katar etwa für Blasphemie, Alkoholkonsum oder Homosexualität "sind inhuman".

"Sie kennen unsere Überzeugungen"

Zur diesjährigen Reise hat sich Rummenigge öffentlich nur in einem Interview mit der Sport Bild geäußert. Unter anderem sagte er: "Ein Trainingslager ist keine politische Äußerung. Niemand sollte Dinge vermischen, die nicht zusammengehören." Außerdem ergänzte der Vorstandschef: Die Partner in Doha "kennen unsere Überzeugungen, zum Beispiel bei der Frage von Arbeiterrechten. Aber sie werden uns nur zuhören auf der Grundlage von Respekt und Vertrauen." Rummenigge ist nicht mit nach Katar geflogen.

Lahm ergänzte am Mittwoch, "dass der Verein immer sehr offen mit bestimmten Themen umgeht, auch mit politischen Themen, und so ist es in der Thematik auch."

Er fragt: "Was ist besser? Geht man wirklich offen mit dem Thema um oder sagt man, man bleibt einfach zu Hause. Oder fährt man hin und spricht darüber? Wir werden das Beste daraus machen."

Was immer das konkret heißen mag.

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