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München - Der verletzte Bayern-Star kämpft um einen Einsatz im Champions-League-Finale und bei der EM. Der Fall eines Kollegen macht Hoffnung. SPORT1 bewertet Boatengs Chancen auf die Saison-Highlights.

Seit vergangenem Freitag hat Jerome Boateng ein neues Saisonziel.

Es geht dabei weniger um Siege und Titel. Bayerns verletzter Innenverteidiger kämpft, um in den wichtigsten Spielen des Jahres überhaupt dabei sein zu können.  

Der Muskelbündelriss im Adduktorenbereich und der vermutliche Sehnenriss, die sich Boateng beim 2:1-Sieg gegen den Hamburger SV zugezogen hat, zwingen ihn wohl drei Monate zum Zuschauen. Mindestens.

Durch die Verletzung gerät sowohl das Champions-League-Finale (28. Mai) als auch die Europameisterschaft (10. Juni bis 10. Juli) in Gefahr.

Boatengs Comeback wird zum Wettlauf gegen die Zeit. SPORT1 bewertet die Einsatzchancen bei den Saison-Highlights.

Champions League

Vorerst ist Boateng zum Nichtstun verurteilt. Vier Wochen absolute Ruhe – erst dann kann er mit Rehamaßnahmen beginnen.

Angesichts der Schwere der Verletzung wird Boateng in der Königsklasse mindestens bis zum Halbfinale (26./27. April und 3./4. Mai) kein Spiel bestreiten – sollten die Bayern überhaupt so weit kommen.

Bis zum Rückspiel des Semifinales sind es gerade einmal 98 Tage. Selbst wenn die Rekonvaleszenz des 27-Jährigen optimal verliefe – er hätte keinerlei Wettkampfpraxis. Ein Kaltstart nach einer Muskelblessur wäre höchst fahrlässig.

Boateng selbst sagt: "Ich muss dann aber erst mal wieder auf mein gewohntes Level kommen."

Realistisch betrachtet muss er darauf hoffen, dass Bayern ohne ihn den Einzug ins Finale von Mailand (28. Mai) schafft. Bis dahin sind es 123 Tage. Mit Fleißarbeit sollten es die Physiotherapeuten des Rekordmeisters schaffen, Boateng bis dahin wieder einsatzfähig zu machen.

DFB-Pokal

Spielpraxis könnte sich der Verteidiger eine Woche vorher im Pokalfinale von Berlin (21. Mai) holen. Mit leichtem Optimismus könnte Boateng in 116 Tagen zum ersten Mal wieder auf dem Feld stehen.  

Alleine damit ihr Abwehrchef wieder in den Wettkampfmodus gelangt, sollte das Erreichen des Endspiels für die Bayern Pflicht sein.

Europameisterschaft

Nicht nur die Bayern bangen um die rechtzeitige Genesung ihres Leistungsträgers. Auch die Nationalmannschaft hofft, dass ihr Abwehr-Ass bei der Europameisterschaft (10. Juni bis 10. Juli) mit an Bord ist.

126 Tage hat Joachim Löw noch Zeit, um seinen kompletten Kader bei der UEFA zu melden (31. Mai).

Der Bundestrainer will Boateng "die Tür so lange wie möglich" aufhalten – wohlwissend, dass ihm ohne den Bayern-Star ein akutes Abwehrproblem droht. "Jerome ist eine Kämpfernatur und arbeitet top professionell", sagt Löw über seinen Führungsspieler.

Die DFB-Elf bestreitet ihr erstes Spiel in Frankreich am 12. Juni gegen die Ukraine – in 139 Tagen. Gewöhnlich bezieht das Nationalteam rund zwei Wochen vor einem großen Turnier ein Trainingslager.

Sollte Bayern das Champions-League-Finale bestreiten, würden Boateng und Co. erst später dazu stoßen. Der Defensiv-Mann würde also weitere wertvolle Trainingseinheiten verpassen.

Fall Khedira macht Mut

Nicht ausgeschlossen, dass Boateng deshalb ein ähnliches Szenario durchläuft wie Sami Khedira vor der WM in Brasilien.

Der damalige Real-Star konnte in der heißen Vorbereitungsphase aufgrund einer Knieverletzung kaum oder nur eingeschränkt trainieren, verpasste die letzten Testspiele. Dennoch zählte der Mittelfeldakteur in der Auftaktpartie gegen Portugal zur ersten Elf.

Verglichen mit Khedira ist Boateng sogar schon einen Schritt weiter. "Bis zur Europameisterschaft sollte es im Normalfall reichen", sagt er.

Am Ende könnte die Zeit doch für ihn sprechen. 

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