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Thomas Tuchel ist seit diesem Sommer Cheftrainer bei Borussia Dortmund © imago

In Julian Weigl droht Borussia Dortmund der nächste Verlust im Mittelfeld. Coach Thomas Tuchel und Boss Hans-Joachim Watzke müssen die Transferstrategie abändern - aber zu welchen Preis?

Hans-Joachim Watzke hat auch schon mal relaxter ausgesehen unter Dubais heißer Sonne.

Aber Borussia Dortmunds Geschäftsführer hat wohl auch schon mal weniger Handlungsbedarf verspürt während eines Winter-Trainingslagers, in dem die Westfalen am Freitag (JETZT LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) im Test gegen Jeonbuk Hyundai Motors FC aus Südkorea noch einmal ihre Form überprüfen.

Aus dem fernen Nad Al Sheba konnte der Klub bis Donnerstagabend noch immer keinen Neuzugang vermelden, der das Qualitätsniveau des BVB "noch einen Tick nach oben" hebt, wie Watzke kürzlich erklärt hatte.

Dabei kneift es bei den Dortmundern doch gewaltig im zentralen Mannschaftsteil, nachdem zu Saisonbeginn gerade im Mittelfeld noch ein Überangebot an 14 Spielern für die fünf Positionen bestanden hatte.

Ist auch Weigl im Winter weg?

Nun herrscht ausgerechnet dort Mangelware. Nicht unbedingt wegen der schon längst gewichenen Kevin Großkreutz und Kevin Kampl. 

Schon eher angesichts der jüngsten Abgänge von Jonas Hofmann (zu Borussia Mönchengladbach) und Adnan Januzaj (zurück zu Manchester United). Beide waren zwar lediglich Ergänzungsspieler für die Flügelpositionen, dennoch hat die Breite des BVB-Kader durch ihre Abgänge deutlich gelitten.

Julian Weigl als Sechser könnte der Nächste sein, bewahrheiten sich die Gerüchte um die 25-Millionen-Euro-Offerte von Manchester City für den U21-Nationalspieler.

Dazu kommen neue Sorgen um Abräumer Sven Bender: Der Nationalspieler hat in diesem Jahr noch immer nicht mit dem Team trainiert, ist auf Aufbautraining beschränkt.

Der offizielle Grund dafür klingt mit "muskulären Problemen" recht harmlos – aber Coach Thomas Tuchel wirkt nach eigenen Angaben höchst "überrascht", wie der kicker schreibt, weil er Benders derart lange Zwangspause als "extrem unwahrscheinlich" eingeschätzt hatte.

Sorgen um Bender - Sahin in der Warteschleife

Und auch auf der Achter-Position hat es bei der Borussia schon mal mehr Alternativen gegeben.

Da passt es auch ins Bild, dass der wegen Adduktoren-Problemen seit einer gefühlten Ewigkeit verletzte Nuri Sahin den Zeitpunkt seines Comebacks nach wie vor nicht zu nennen vermag.

"Ich wünsche mir natürlich, dass es am besten schon heute klappt", sagte der 26-Jährige nun. "Aber ich muss geduldig bleiben. Ich hatte diese Geduld jetzt einige Monate, daran wird es also nicht scheitern. Ich habe viel gelernt in dieser Zeit. Es ist absolut realistisch, dass ich im Verlauf der Rückrunde wieder spielen werde."

Die Personaldecke zwischen Abwehr und Angriff ist inzwischen derart ausgedünnt, dass Tuchel in Christian Pulisic und Felix Passlack gar schon zwei 17-Jährige aus der Dortmunder U19 zu den Profis hochzog.

Kommen Malli und Nordtveit?

Überhaupt bahnt sich bei den Schwarz-Gelben ein Kurswechsel an, nachdem die Transferstrategie vor dem Jahreswechsel allenfalls noch auf Schnäppchen ausgelegt war. Jedenfalls war sie es nicht darauf, nun wohl noch einmal richtig Geld in die Hand nehmen zu müssen.

Womöglich entspannt der angeblich bevorstehende Transfer von Yunus Malli die heikle Situation.

Zumindest im offensiven Mittelfeld, wo mit Shinji Kagawa auch nur ein etatmäßiger Zehner zur Verfügung steht, während Ilkay Gündogan, Gonzalo Castro oder Marco Reus eher auf anderen Position gebraucht werden.

Tuchel kennt den türkischen Nationalspieler Malli und dessen Potenzial aus gemeinsamen Tagen beim 1. FSV Mainz 05, dessen Wechsel im Winter aber mit einer Ablösesumme von stattlichen 15 Millionen Euro zu Buche schlüge.

Transfer muss sofort funktionieren

So oder so: Favorisiert wird ein Spieler, der den Dortmundern idealerweise sogleich weiterhilft. Unbedarfte Youngster scheiden damit ebenso aus wie zu alte Profis.

"Es sollte", so Watzke lakonisch, "keiner sein, der schon der Abendsonne entgegenreitet."

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