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Ivo Hrstic, Chefredakteur Digital bei SPORT1, kommentiert die Lage der Bundesliga © SPORT1

Chefredakteur Digital Ivo Hrstic kommentiert die Lage der Bundesliga. Die Zurückhaltung auf dem Transfermarkt sieht er positiv - aber es droht eine Schieflage.

Der Transfermarkt im Januar gleicht der aktuellen Wetterlage in Deutschland. Wir erleben alles andere als einen echten Winter mit Schnee und Eis, ähnlich unspektakulär zeigt sich bislang auch das geöffnete Winter-Transferfenster.

Die Bundesliga-Manager agieren auffällig zurückhaltend. Und das ist gut so.

Die chinesische Super League (155 Millionen Euro) und die englische Premier League (150 Millionen) führen die winterliche Shoppingtour an, während die Top-Ligen aus Deutschland und Spanien kühlen Kopf bewahren - das spricht für Qualität bei den Verantwortlichen der Klubs. Selbst die chinesische zweite Liga (48 Millionen) hat bislang mehr Kohle verpulvert als die Bundesliga (40 Millionen) und die Primera Division (31 Millionen).

Wer im Winter einkaufen muss, hat entweder im Sommer viel falsch gemacht oder muss verletzte Spieler ersetzen. Hektik oder gar Aktionismus sind gerade bei Wintertransfers keine guten Ratgeber, ganz im Gegenteil. Clevere Manager nutzen die Situation, um Kasse zu machen. Wolfsburgs Timm Klose für zwölf Millionen an Norwich City abzugeben war richtig, Klaus Allofs!

Der aktuelle Spieltag zeigt auch, wie schwer es ist, im Winter Neuzugänge kurzfristig in eine Mannschaft zu integrieren. Borussia Mönchengladbach (10,5 Millionen Euro) und Hannover 96 (5,6 Millionen) sind mit zwei Niederlagen in die Rückrunde gestartet, obwohl sie die Einkaufsrangliste der Bundesliga anführen. Andre Schubert - am Sonntag zu Gast im Volkswagen Doppelpass - und Thomas Schaaf brauchen Zeit und Geduld, um ihre Neuen zu echten Verstärkungen zu machen.

Ich erwarte im Sommer das krasse Gegenteil. Die Premier League wird mit frischen TV-Geldern den Markt noch mehr fluten als bislang ohnehin schon geschehen.

Die Gefahr eines Bundesliga-Ausverkaufs sehe ich zwar noch nicht, doch auf Dauer kann der englische Milliarden-Poker zu einer gefährlichen Schieflage im Profifußball führen.

Wenn durchschnittliche Bundesligakicker ohne Probleme zweistellige Millionenablösen bringen, dann drohen Gewinne im Transfer-Geschäft gerade für kleinere Klubs irgendwann wichtiger zu werden als der mögliche sportliche Erfolg.

Eine trübe Aussicht für den kommenden Fußball-Sommer.

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