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Bundesliga  - Belek Training Camps Day 5
Max Eberl ist seit 2008 Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach © Getty Images

Mönchengladbach - Im Schlussspurt des Winterschlussverkaufs schlagen viele Vereine nochmal zu. Bei SPORT1 erklärt Gladbachs Sportdirektor Max Eberl seinen Gegenentwurf.

Das Telefon steht nicht mehr still, es klingelt beinahe unaufhörlich.

Berater melden sich praktisch minütlich. Angebote und Anfragen trudeln ein und werden sondiert, wilde Gerüchte lanciert und schließlich mal mehr, mal weniger dementiert.

Mitunter macht sich Panik breit, und bisweilen geht es auch zu wie auf einem Basar. Es wird verhandelt, geblufft und geschachert. Für die meisten Bundesligisten sind die letzten Tage des Transferfensters in der Winterpause schlicht Stress pur.

Hausaufgaben erledigt

In Mönchengladbach lehnt sich Max Eberl in diesen Tagen zurück. "Unsere Aktivitäten sind abgeschlossen, dementsprechend ist es etwas ruhiger und ich verfolge alles in beobachtender Rolle", sagte Eberl SPORT1.

Der Sportdirektor der Borussia hat seine Hausaufgaben bereits frühzeitig erledigt. Jonas Hofmann kam für acht Millionen Euro aus Dortmund, Martin Hinteregger auf Leihbasis (2,5 Millionen Euro) plus Kaufoption von RB Salzburg.

Die Vorarbeit begann bereits im Herbst, intensiviert wurde sie schließlich durch das wachsende Lazarett im Laufe der Hinrunde, so dass die heiße Phase für Eberl im Dezember begann. In den Verhandlungen mit den beiden Klubs haben die Gladbacher zwar nicht alles erreicht, was sie sich vorgestellt haben. Doch zufrieden kann Eberl trotzdem sein.

Keine Panik

Unter dem Strich waren die Transfers keine panischen Reflexe, sondern wohlüberlegte Reaktionen auf das Verletzungspech in der Hinrunde. Denn eigentlich sind Transfers im Winter untypisch für die Gladbacher. Quasi ein Gegenentwurf zur sonstigen Aufgeregtheit in der Bundesliga.

Zuletzt hatte die Borussia vor fünf Jahren nennenswerte Wintertransfers getätigt, 2011 wechselten Martin Stranzl, Havard Nordtveit und Mike Hanke an den Niederrhein. Damals, wenige Wochen vor dem Beginn der Ära Lucien Favre, stand der Klub allerdings auch sportlich am Abgrund. Seitdem hat sich viel getan, Kontinuität und Transfers mit Weitsicht bestimmen das Bild. Einhergehend mit sportlichem Erfolg waren deshalb auch keine Nachbesserungen nötig.

70 Millionen für Xhaka und Drmic?

"Normalerweise sind wir kein Verein, der im Winter großartige Aktivitäten hat, weil wir den Kader immer für eine Saison planen. Unser Credo ist es, dem Trainer den Kader relativ früh zur Verfügung zu stellen, damit er vom ersten Tag an mit den Spielern arbeiten kann", sagte Eberl.

Umgekehrt gibt Eberl auch ungern Spieler im Winter ab. Auch wenn für Bankdrücker Josip Drmic angeblich 20, für Granit Xhaka sogar 50 Millionen Euro geboten wurden. Eberl amüsieren diese astronomischen Summen, die in der heißen Phase durch die Medien geistern.

Bei Xhaka sprach Eberl jetzt ein Machtwort: "Granit Xhaka wird uns in der Winterpause nicht verlassen."

Für Eberl ist die vorausschauende Planung im Sommer und die Zurückhaltung im Winter vor allem eine Grundsatzfrage. "Transfers im Winter zu tätigen halte ich für äußerst kompliziert. Denn kein Verein möchte seinen sportlichen Erfolg gefährden, indem er mitten in der Saison einen Spieler hergibt", sagte Eberl.

"Im Sommer justiert sich jeder Verein neu"

Anders sieht das freilich in einem halben Jahr aus. "Im Sommer justiert sich jeder Verein neu und hat mehr Möglichkeiten, Spieler irgendwo herauszubekommen", so Eberl.

Und das Geschäft ist inzwischen schon so schnelllebig geworden, dass bereits erste Fragen zu den Aktivitäten in der Sommerpause kommen. Auch die amüsieren den 42-Jährigen.

"Wir haben jetzt eine Rückrunde, und die gilt es zu spielen. Und nicht, ob man im Sommer für einen Spieler 40, 50 oder 60 Millionen bekommt", sagte Eberl.

Viel wird von der Rückrunde der Borussia abhängen, den Auftritten und der Entwicklung der von der Konkurrenz beobachteten Leistungsträger. Klar ist: Im Sommer wird es auch in Gladbach unruhiger werden, wenn die zahlreichen Topklubs möglicherweise ernst machen im Buhlen um Xhaka und Co.

Und dann steht wohl auch Eberls Telefon nicht mehr still.

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