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München - Nach seiner Freilassung wird Hoeneß der FC Bayern wieder offen stehen. Er könnte, wenn er will, wieder Präsident werden, Karl Hopfner aber Aufsichtsratschef bleiben.

Ab dem 29. Februar steht Uli Hoeneß die Welt wieder offen. Wie genau Hoeneß, der das Gefängnis nach 637 Tagen in Haft auf Bewährung verlassen wird, sich künftig beim FC Bayern München einbringen wird, ist noch nicht ganz klar. Vermutlich weiß Hoeneß das selbst noch nicht.

Doch klar ist: Beim FC Bayern wird er mit offenen Armen empfangen werden. Das war auch mit ein Grund für die Entscheidung des Gerichts, Hoeneß' Antrag auf vorzeitige Haftentlassung stattzugeben.

Neben der "Persönlichkeit des Verurteilten, sein Vorleben, die Umstände seiner Tat, sein Verhalten im Vollzug und seine Lebensverhältnisse" sei festgestellt worden, dass sich "sein sozialer Empfangsraum äußerst günstig" darstelle, teilte das Landgericht Augsburg mit. Der soziale Empfangsraum von Uli Hoeneß ist neben seiner leiblichen Familie auch die Bayern-Familie.

Hoeneß wird sich weiter um die Jugend kümmern

Bis zu seiner endgültigen Freilassung ist Hoeneß als Freigänger Angestellter des FC Bayern im Nachwuchsleistungszentrum des Vereins. Diese Aufgabe hat er im letzten Jahr mit großem Engagement ausgeführt, der Job bereitet ihm große Freude.

Zuletzt hat er alle Jugendmannschaften des FC Bayern zum Frühstück eingeladen, dreimal hat er vor der U23 des FC Bayern gesprochen und den Talenten Tipps gegeben. "Uli Hoeneß ist bei der Arbeit mit unseren Leistungsnachwuchsmannschaften sehr engagiert. Er bringt frischen Wind rein", hat Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gesagt.

Hoeneß wird nach seiner Freilassung sicherlich ein paar Wochen Urlaub machen mit seiner Frau, Zeit mit seinen Kindern und Enkeln verbringen. Doch er wird sich auch weiter um die Jugend kümmern - ob mit oder ohne Vertrag. Man sollte sich nicht wundern, wenn er schon drei Tage vor dem Ende seiner Haftstrafe am 26. Februar das Regionalligaspiel vom FC Bayern II gegen Rain/Lech im Stadion verfolgen wird.

Auch zuletzt in alle Entscheidungen involviert

Dass Hoeneß weder einen Vertrag noch ein Amt oder einen Titel benötigt, um in sein Büro in der Geschäftsstelle gehen und für den FC Bayern arbeiten zu können, ist logisch. Auch während seiner Inhaftierung war er in alle wesentlichen Entscheidungen des Klubs involviert - und natürlich stimmte er auch der Verpflichtung von Carlo Ancelotti als Nachfolger für Trainer Pep Guardiola zu.

Die spannende Frage, die auch viele Fans bewegen wird, ist aber, ob Hoeneß wieder Präsident wird. "Das war's noch nicht", hatte Hoeneß schließlich selbst bei der Jahreshauptversammlung der Bayern kurz vor seinem Amtsantritt angekündigt.

Sein Nachfolger Karl Hopfner, jahrelang Hoeneß' rechte Hand beim FC Bayern, hat mehrfach angekündigt, nicht gegen Hoeneß antreten zu wollen.

Beim überwältigenden Teil der Mitglieder hat Hoeneß nichts von seiner Popularität verloren, bei der letzten Jahreshauptversammlung forderte ein Mitglied seine Rückkehr - und bekam dafür tosenden Applaus.

Es liegt also nur an ihm: Wenn Hoeneß will und sich bei der nächsten Jahreshauptversammlung im Spätherbst aufstellen lässt, dann wird er wieder Präsident.

Hopfner bleibt vermutlich Aufsichtsratsvorsitzender

Formaljuristisch spräche nichts dagegen, es gilt der Grundsatz der Resozialisierung. Er hat seine Strafe verbüßt, jeder hat danach grundsätzlich ein Anrecht auf eine zweite Chance.

Auch gegen ein Comeback als Chef des Aufsichtsrates der FC Bayern AG gäbe es keine juristischen Bedenken. Möglicherweise aber moralische. Nicht innerhalb des Klubs, aber in der Öffentlichkeit.

Wahrscheinlicher scheint darum, dass künftig es zur Ämterteilung kommt: Hoeneß wäre wieder Präsident, Hopfner bliebe Chef des Aufsichtsrates.

Momentan sieht die Satzung des FC Bayern lediglich vor, dass Präsident und sein erster Vizepräsident Mitglieder des Aufsichtsrates sein müssen. Sollte Hoeneß komplett auf einen Posten im Kontrollgremium verzichten wollen, müssten die Mitglieder im Herbst einer Satzungsänderung zustimmen. 

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