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Sindelfingen - Norbert Elgert half bei Schalke 04, Leroy Sane zum Juwel zu schleifen. Bei SPORT1 spricht er über die irren Angebote aus England und Sanes Perspektiven.

Die Weltmeister Manuel Neuer, Mesut Özil, Benedikt Höwedes und Julian Draxler haben eines gemeinsam: Sie durchliefen - wie so viele Stars von heute - einst die Schule von Norbert Elgert.

Zuletzt formte der Schalker A-Jugendtrainer, der 2013 vom DFB zum Trainer des Jahres ausgezeichnet wurde, Leroy Sane zum Nationalspieler. Jenen Sane, für den Manchester City nun angeblich 55 Millionen Euro bietet.

Bei SPORT1 spricht das Schalker Urgestein Elgert über Sane, die Arbeit mit jungen Spielern, astronomische Ablösesummen sowie den Mercedes-Benz Junior Cup (LIVE im TV auf SPORT1), bei dem er mit S04 antritt.

SPORT1: Herr Elgert, welche Bedeutung hat der Mercedes-Benz Junior Cup für Schalke 04?

Norbert Elgert: Turniere dieser Art haben für die Ausbildung junger Spieler einen sehr großen Stellenwert. Wir haben die Chance, uns vor vergleichsweise sehr großem Publikum und bei hohem Medienaufkommen mit nationalen und internationalen Top-Mannschaften zu messen. Das hat sich in der Vergangenheit sehr bewährt. Aber wir spielen im Winter maximal zwei Halllenturniere.

SPORT1: Welche Qualitäten werden speziell in der Halle geschult?

Elgert: Es geht immer ums Ganzheitliche. Technisch ist der Anspruch natürlich sehr hoch. Wenn du hier einen Fehler machst, kann das relativ schnell bestraft werden. Wenn du nicht in der Lage bist, individuell und gemeinsam zu verteidigen, hast du keine Chance. Du musst den Schnellangriff beherrschen, der auf dem Großfeld immer wichtiger wird. Fitness ist elementar, diese kurzen Intervalle hauen richtig rein. Es sind also schon alle Facetten des Fußballs vorhanden. Ungewohnt für die Jungs ist die Kulisse, das Medienaufkommen, denn das Fernsehen berichtet live.

SPORT1: Sind im aktuellen Jahrgang einige dabei, die es zum Profi schaffen können?

Elgert: Mit der nötigen Geduld von allen Seiten, entsprechend harter Arbeit und hoher Leistungsbereitschaft ist vieles möglich. Wenn man die Spieler kategorisiert von Eins bis Fünf, dann sind viele Zweier dabei. Aus denen versuchen wir, Einser zu machen. Und die können es in den Profikader schaffen.

SPORT1: Leroy Sane spielte noch vor zwei Jahren hier in Sindelfingen, jetzt wollen die Engländer 55 Millionen Euro für ihn auf den Tisch legen. Wie verfolgen Sie diese Entwicklung?

Elgert: Interessiert, würde ich es nennen.

SPORT1: Das heißt?

Elgert: Ganz ehrlich, und ohne zu philosophisch zu werden: Wenn man sich die Probleme der Welt ansieht, Hunger, Kriege, Flüchtlinge. Dann sind diese Summen, die da im Raume stehen, einfach extrem. Ich kann mich damit nicht anfreunden. Aber es ist nun einmal so. Und dass Vereine und Spieler das nutzen, ist nur allzu verständlich.

SPORT1: Versuchen Sie, diese Ansichten auch Ihren Spielern zu übermitteln?

Elgert: Ja, da sprechen wir sehr deutlich drüber. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass wir Coaches gerade in der heutigen Hochgeschwindigkeitszeit deutlich mehr vermitteln sollten als nur Technik, Taktik, Kondition, mentale Stärke und Teamgeist. Wir sollten mehr denn je auch Vermittler sein der alten Tugenden und Werte, die hoffentlich nie aussterben: Respekt, Fairness, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit und Demut. Und Demut heißt für mich, dass die Jungs begreifen, dass sie nur aufgrund ihres Status, weil sie Geld haben und in tollen Stadien spielen, keine besseren Menschen sind. Und dass ihr Talent nicht höher einzuschätzen ist als das eines Journalisten, beispielsweise.

SPORT1: Sprechen Sie auch mit ehemaligen Schützlingen wie Sane noch über solche Themen?

Elgert: Das kommt schon vor. Dabei ist für mich auch nicht relevant, wer wie berühmt ist, oder ob es einer nach ganz oben geschafft hat oder nicht. Ich habe mit vielen ehemaligen Spielern noch Kontakt, auch mit Leroy. Wobei er von Seiten seiner Familie und des Klubs hervorragend beraten ist.

SPORT1: Wäre es aus Ihrer Sicht gut, wenn er auf Schalke bleibt?

Elgert: Ich will ihm keinen Rat geben. Aber ich denke, Leroy würde keinen Fehler machen, wenn er noch ein bisschen länger auf Schalke bleibt, um den angefangenen Weg zu bestätigen. Die Entwicklung eines Fußballers ist nie abgeschlossen, egal wie alt er ist. Du kannst dich immer weiter verbessern, das gilt ja auch für uns Trainer. Insofern hat Leroy noch Luft nach oben. Er wird auch mal Täler zu durchwandern haben, und das fällt dir in der Heimat leichter. Und das ist nun einmal Schalke 04.

SPORT1: Glauben Sie, dass Sane bei der EM im Sommer aufläuft? Und würde Sie das freuen?

Elgert: Zunächst einmal: Ich glaube, er schafft das. Er hat Dinge, die jede Mannschaft weltweit brauchen kann mit seiner außergewöhnlichen Geschwindigkeit mit und ohne Ball, seiner Unbekümmertheit, seiner Torgefährlichkeit, dem Vorbereiten. Und natürlich würde ich mich freuen.

SPORT1: Und wer wird der nächste Leroy Sane?

Elgert: Dazu sage ich nie etwas. Damit tust du anderen Spielern nur weh und ihnen auch Unrecht. Oder du unterstützt den Hype. Wir werden sehen. Es sind ordentliche Jungs dabei. Das Wir steht im Vordergrund, das wissen alle. Aber jeder hat natürlich das Recht, wenn er seinen Job für die Gruppe ausfüllt, auch individuell aufzufallen. Jeder will wichtig sein, und zugleich auch Teil einer größeren Sache. Das versuchen wir unter einen Hut zu bringen.

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