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Jerome Boateng fällt monatelang aus © SPORT1-Grafik / dpa Picture-Alliance

München - Der FC Bayern will keinen Ersatz für den verletzten Jerome Boateng verpflichten. Das könnte den Rekordmeister am Ende teuer zu stehen kommen. Dabei gäbe es durchaus geeignete Kandidaten.

Vielleicht war es diese 56. Minute am vergangenen Freitag, die den Anfang vom Ende aller Triple-Hoffnungen für den FC Bayern bedeuteten.

Jerome Boatengs schwere Verletzung im Spiel gegen den HSV ist mit Blick auf den avisierten Champions-League-Titel ein Desaster. Der vielleicht beste Innenverteidiger der Welt ist faktisch nicht zu ersetzen.

Trotzdem bleibt den Münchnern nichts anderes übrig, denn Boateng dürfte frühestens Anfang Mai wieder zur Verfügung stehen – wenn überhaupt noch in dieser Saison.

Umso unverständlicher ist die Weigerung der Klubbosse, die verbleibende kurze Zeit auf dem Transfermarkt zu nutzen.

Natürlich hat Karl-Heinz Rummenigge Recht, dass es derzeit keinen wirklichen Ersatz gibt. Das ist aber praktisch im Winter nie der Fall, schon gar nicht bei einem Spieler von der Klasse Boatengs.

Trotzdem müssten die Münchner jetzt reagieren. Denn die Personaldecke ist in der Innenverteidigung einfach zu dünn. Das sagt nicht irgendjemand, das sagt der Kapitän.

"Holger Badstuber war fast zwei Jahre raus, hat jetzt ein sehr gutes Spiel gemacht, aber man weiß nicht, ob er alle drei Tage auf dem Platz stehen kann. Javi Martinez hat auch eine Leidenszeit hinter sich, Medhi Benatia ist häufiger mal angeschlagen." Originalton Philipp Lahm am Montag.

Entsprechend groß sind die Zweifel, ob bei diesem Trio nicht wieder Verletzungen dazwischen kommen. Und ob es nach den langen Zwangspausen schon für ein Duell mit Messi, Ronaldo, Ibrahimovic oder auch Mandzukic und Morata vom nächsten Gegner Juventus Turin reicht.

Deshalb wäre der Einkauf eines gestandenen Innenverteidigers die logische Konsequenz. Aymeric Laporte von Athletic Bilbao wäre eine Lösung mit Potenzial und Perspektive, die sicherlich nicht geringe Ablösesumme wäre gut angelegt und für den FC Bayern auch problemlos zu stemmen.

Etwas günstiger wäre ein Transfer von Joel Matip, für den Schalke aufgrund seines auslaufenden Vertrags nur jetzt noch Geld bekommen kann. Der gerade mal 24-Jährige hat bereits Erfahrung bei Weltmeisterschaften und in der Champions League gesammelt, für die er ebenso wie Laporte auch spielberechtigt wäre.

Sollte den Bayern bei beiden aber tatsächlich das Risiko zu hoch sein, dann bliebe noch eine charmante "Billiglösung": Nemanja Vidic, einst Kapitän von Manchester United und nach der kürzlichen Vertragsauflösung mit Inter Mailand sofort und ablösefrei zu haben.

Schon vor etwas mehr als fünf Jahren war der Rekordmeister am Serben interessiert, jetzt stünden alle Türen offen. So schlecht kann Vidic gar nicht sein, dass er den Münchnern zumindest als Backup helfen würde, die hohen Ziele zu erreichen.

Dass die Vereinsführung aber laut eigener Aussage gar nicht darüber nachdenkt, ist fahrlässig und könnte den FCB am Ende teuer zu stehen kommen.

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