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Joshua Kimmich vom FC Bayern gegen 1899 Hoffenheim
Joshua Kimmich (v.) könnte beim FC Bayern auch längerfristig in neuer Rolle glänzen © dpa Picture-Alliance

München - Den Bayern gehen die Innenverteidiger aus, der Transfermarkt gibt kaum Alternativen her. So müssen es das eigene Personal und ein altes Erfolgsrezept Guardiolas richten.

Im Sommer hatte Pep Guardiola einen großen Traum. Alle Spieler sollten fit sein - vor allem, wenn es in die entscheidende Saisonphase gehen würde.

Nach den Verletzungen von Jerome Boateng und Javi Martinez scheint klar: Guardiolas Wunsch wird ihm wie schon im Vorjahr auch in seiner letzten Saison in München nicht erfüllt. Was also bleibt dem Katalanen anderes übrig, als sich angesichts der Verletztenmisere im Abwehrzentrum in Sarkasmus zu flüchten?

"Wir haben auch Manuel Neuer für diese Position", sagte Guardiola auf der Pressekonferenz nach dem 2:0 gegen 1899 Hoffenheim. Pressesprecher Markus Hörwick lachte. 1899-Coach Huub Stevens lachte. Pep Guardiola - lachte nicht.

"Es ist die gleiche Situation wie letzte Saison", sagte der Bayern-Trainer noch, "wir haben es da gut gemacht, wir werden es diesmal gut machen". Bleibt die Frage: Ist gut auch gut genug? Und wie genau reagieren die Münchner überhaupt auf die Personalsorgen?

Gerüchte um Youngster aus Bologna

Der erste Reflex kurz vor dem Ende des Transferfensters ist klar - zumal bei einem Klub mit einem prall gefüllten Festgeldkonto wie dem FC Bayern: Kaufen sie halt einen neuen Spieler.

Passend dazu lancierte der gerne als "Transfermarktexperte" titulierte italienische Journalist Gianluca di Marzio am Sonntag das Gerücht, der FC Bayern bemühe sich um die Dienste des 18-jährigen Amadou Diawara, Abwehrspieler in Diensten des FC Bologna.

Ein international unerfahrener Youngster aus Guinea als Lösung aller Probleme? Kaum vorstellbar. Das sieht auch Neuer so. "Es ist schwierig, wenn man auf hohem Niveau einen Innenverteidiger holen muss. Dann hat der meist Champions League gespielt." Und dürfte das in dieser Saison für die Bayern eben nicht mehr.

Rummenigge: "Qualität ist nicht auf dem Markt"

Die Möglichkeiten sind also beschränkt. Im Laufe des Vormittags müssen sich die Bayern entscheiden, ob sie personell reagieren oder nicht.

Am Sonntag äußerten sich die Verantwortlichen in Sachen Transfers eher zurückhaltend. "Ich glaube es gibt nichts, was uns besser macht", sagte Matthias Sammer am Sonntag bei Sky. Karl-Heinz Rummenigge betonte: "Wir haben uns schon nach Boatengs Verletzung mit dem Transfermarkt intensiv beschäftigt. Qualität ist nicht auf dem Markt."

Und so bemühen sich rund um die Allianz Arena alle, die Alternativen im eigenen Kader stark zu reden.

Gegen Hoffenheim spielte auf einmal Joshua Kimmich in der Abwehrzentrale. Mit 1,76 Meter hat der 20-Jährige nicht gerade Gardemaß, machte seine Sache aber gut. "Kimmich hat uns gezeigt: Er hat die Qualität", lobte Guardiola und hob weitere Vorzüge hervor: "Er kann gut aufbauen, ist intelligent."

Modell Mascherano als Vorbild für Kimmich

In Barcelona hatte Guardiola mit einem ähnlichen Modell schon einmal Erfolg, schulte damals den 1,74 Meter kleinen Javier Mascherano vom defensiven Mittelfeldspieler zum Innenverteidiger um. Ist Kimmich also auch für die entscheidende Saisonphase eine echte Alternative?

Geht es nach Matthias Sammer, hat Guardiola darüber hinaus noch zahlreiche weitere Asse im Ärmel. Auch Rafinha, David Alaba oder Xabi Alonso hätten schließlich schon im Abwehrzentrum gespielt, sogar Arturo Vidal. Allerdings, so Sammer auch, "nicht in der Idealkonstellation". Und auch der Trainer selbst betonte, er bevorzuge "natürlich gelernte Innenverteidiger".

Nur: Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Hoffen auf schnelle Genesung

Und an dieser Stelle kommt das Prinzip Hoffnung ins Spiel. "Erst mal sieht es so aus, dass Martinez nicht so schwer verletzt ist", sagte Karl-Heinz Rummenigge am Sonntagabend. Das Champions-League-Achtelfinale gegen Juventus verpasst der Spanier aller Voraussicht nach aber in jedem Fall.

Manuel Neuer setzt seine Hoffnungen daher schon in einen anderen Rekonvaleszenten. "Wir hoffen, dass Medhi Benatia schnell zurückkommt", erklärte der Torwart am Sonntagabend. Anderenfalls müsse man "mal sehen, wen wir noch aus dem Hut zaubern".

Dass er selbst demnächst ein paar Meter weiter vorne auflaufen könnte, dürfte Neuer dabei nicht im Sinn gehabt haben.

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