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Pep Guardiola wird den FC Bayern München im Sommer verlassen © Getty Images

Doha - Bayern-Coach Guardiola zeigt im Trainingslager, dass er alles andere ist als eine“ lame duck“. Sein Abschied könnte das entscheidende Puzzlestück zum großen Wurf werden.

Ob Douglas Costa wirklich alles von dem verstand, was ihm Pep Guardiola wild gestikulierend zu vermitteln versuchte? Man kann es sich kaum vorstellen.

Der Spanier folgte seinem Schützling quer über den Trainingsplatz der Aspire Academy in Doha. Redete, fuchtelte, deutete.

Costa war nicht das erste "Opfer" des pepschen Gestenkabinetts in Katar. Auch Xabi Alonso oder Robert Lewandowski kam schon in den Genuss von Privatstunden mit dem Chef.

Guardiola überlässt in seinem letzten halben Jahr in München nichts mehr dem Zufall.

Guardiola noch fokussierter

Der 44-Jährige, der ohnehin so akribisch arbeitet wie kaum ein anderer Trainer, wirkt in Katar noch fokussierter, noch erfolgshungriger.

Erstmals lässt er nur am Vormittag öffentlich trainieren, steht vor und nach den Einheiten lange mit seinen Co-Trainern zusammen. Lautstark und vehement redet er auf sie ein.

Noch immer trägt er schwer am Erbe von Jupp Heynckes, mit dem er sich zwar nicht vergleichen will, dessen Name aber zwangsläufig - auch bei Guardiola selbst - immer wieder fällt.

Zu eindeutig sind die Parallelen zur Saison 2012/2013, in der die Münchner ihren Fans im Mai gleich drei Pokale auf dem Rathausbalkon präsentieren konnten.

Parallelen zu Heynckes

Auch 2013 stand der unfreiwillige Abschied des damaligen Trainers frühzeitig fest. Auch damals stand bereits ein Nachfolger parat.

Am Ende war es unter anderem auch der Teamgeist und der Wunsch, ihrem väterlichen Trainer einen gebührenden Abschied zu bereiten, dem die Bayern das historische Triple zu verdanken hatten.

Guardiola war nie diese Vaterfigur - und wird es auch nicht werden. Dennoch hört man aus den Antworten seiner Spieler heraus, dass sie die Rückrunde auch für ihren Trainer mit besonderer Motivation angehen.

Großes gemeinsames Ziel

Ob Manuel Neuer, Philipp Lahm oder Arjen Robben. Sie alle bedauern den Abschied des Katalanen, betonen aber vehement das große gemeinsame Ziel: maximaler Erfolg.

"Es ist noch nicht vorbei. Wir haben noch ein halbes Jahr mit ihm, das müssen wir genießen und erfolgreich abschließen", sagte Robben am Sonntag.

Besondere Motivation

Müssen, nicht wollen. Der Vorwurf, Guardiola habe international in München nichts erreicht, schließt die Mannschaft unweigerlich mit ein.

Das bittere Aus gegen den FC Barcelona, den Heimatklub des Trainers, im Champions-League-Halbfinale letzte Saison hat in der Mannschaft Spuren hinterlassen.

Noch ein paar Prozentpunkte mehr

2013 benötigte es das verlorene Champions-League-Finale vor heimischer Kulisse im Vorjahr, um dem Team in den entscheidenden Momenten den letzten Kick zu geben.

Jetzt könnte Guardiolas Abschied einen ähnlichen Impuls auslösen. Der gesamte Verein ist gewillt, der kurzen Ära des Spaniers die Krone aufzusetzen.

Ob Spieler, Trainer oder Verantwortliche. Es wirkt in den Tagen in Doha so, als lege jeder Einzelne noch einmal ein paar Prozentpunkte drauf.

Guardiolas Entscheidung, den Verein auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft zu verlassen, könnte am Ende den Ausschlag geben, dass Carlo Ancelotti ein ebenso schweres Erbe antreten muss wie der Katalane seinerzeit.

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