vergrößernverkleinern
Fredi Bobic kann das Vorgehen von Schiedsrichter Felix Zwayer (rechte Bildhälfte, l.) in Leverkusen nicht nachvollziehen

Im Fall des Eklats in Leverkusen hat SPORT1-Kolumnist Fredi Bobic eine klare Meinung. Den Bayern verspricht er bei Juve einen heißen Tanz. Heidel versteht er.

Hallo Fußball-Freunde,

zunächst ein Wort zu den Vorkommnissen beim Spiel von Leverkusen gegen Dortmund: Selbst wenn Schiri Zwayer alles regelkonform entschieden hat, welchen Zacken hätte er sich abgebrochen, wenn er mit dem Leverkusener Kapitän Kießling zu dessen Trainer gegangen wäre und mit Roger Schmidt ein paar Worte gewechselt hätte?

Und dann verweigert das Schiedsrichtergespann den Leverkusenern einen glasklaren Handelfmeter, obwohl der Linienrichter freies Sichtfeld auf den Arm von Sokratis haben musste. Ich habe für die arrogante Art wenig Verständnis.

Wenn es um die Bayern geht, wird seit Wochen schon über den Champions-League-Kracher gegen Juventus Turin gesprochen. Das Bundesliga-Spiel gegen Darmstadt wurde schon despektierlich als "Einspielen" bezeichnet. Deshalb nutze ich jetzt mal die lateinische Phrase "ludi incipiant" ("Die Spiele mögen beginnen").

Ich bin überzeugt, bei diesem Duell wird es in beiden Spielen knapp hergehen, werden Kleinigkeiten entscheiden, Tagesform, Glück. Den Münchnern gingen die Spiele zuletzt nicht mehr ganz so leicht von der Hand wie zu Saisonbeginn. Dennoch dominieren sie. Mit Neuer hinten sowie Thomas Müller und Robert Lewandowski vorne haben sie eine Art Lebensversicherung.

Während Manuel Neuer und Lewandowski ganz ruhige Vertreter sind und alles dem Team-Erfolg unterordnen, ist Thomas Müller auch ohne Logo eine ganz spezielle, unverwechselbare Marke, die zurecht kein Preisschild trägt.

Wie wird nun Pep Guardiola taktisch agieren? Das fragt sich ja fast jeder und fast vor jedem Spiel. Auf Joshua Kimmich als Vorstopper wäre ich ehrlich gesagt nicht gekommen. Aber der Junge macht das seit Wochen ganz stark.

In der Offensive vermisse ich ein wenig das klar strukturierte und auch sehr erfolgreiche schnelle Spiel über die Außen. Gegen Darmstadt agierten Arjen Robben und Douglas Costa auf den Halbpositionen und beraubten sich somit meines Erachtens ihrer besonderen Stärken.

Dann zum Thema Christian Heidel: Bei ihm bin ich überzeugt, dass er mit dem Schritt zu Schalke 04 weiß, auf was er sich da einlässt. In Mainz hat er über Jahre Klassearbeit verrichtet, blieb aber weitestgehend unter dem Radar der breiten Öffentlichkeit.

Auf Schalke wird jeder Schritt von ihm beachtet, jede Handlung breit diskutiert und bewertet. Da steht er viel mehr unter Druck. Er ist nun bei einem der großen Klubs angekommen. Aber mit seiner offenen, kommunikativen Art wird er das meistern.

Vor allem übernimmt er ein von Vorgänger Horst Heldt gut bereitetes Feld. Heldt wird die nächsten Wochen ruhig ausklingen lassen können. Während er zuletzt, seit er um sein Ende auf Schalke wusste, hoch professionell sehr gute Schritte gemacht hat, ist er ab heute wirklich die vielzitierte "lame duck". Aber nach den vielen Jahren sei auch ihm ein Durchschnaufen gegönnt.

Auch Rouven Schröder hat einen Schritt nach vorne gemacht. Aus der zweiten Bremer Reihe an die Mainzer Front. Er ist ein kluger Fußball-Fachmann, der aber sehr große Fußstapfen zu füllen hat.

Fredi Bobic gewann 1996 den EM-Titel mit der Nationalmannschaft, nachdem er in der Saison 1995/96 Bundesliga-Torschützenkönig geworden war. 1997 holte er mit dem VfB Stuttgart als Teil des "Magischen Dreiecks" den DFB-Pokal. 2006 wurde er  zum Abschluss seiner Spielerkarriere mit NK Rijeka kroatischer Pokalsieger. Internationale Erfahrung sammelte er auch als Spieler in England bei den Bolton Wanderers und als Geschäftsführer Sport und Marketing beim bulgarischen Klub Tschernomoretz Burgas. Von 2010 bis 2014 war der 43-Jährige beim VfB Stuttgart zunächst als Sportdirektor und ab 2013 als Vorstand Sport tätig. Darüber hinaus war Fredi Bobic bereits als Experte für SPORT1 bzw. das damalige DSF und den früheren Bundesliga-Sender LIGA total! aktiv.

 

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel